Codex of Flame and Fury
codex of flame and fury
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Charakterliste
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gespielt von Berrie
35 Jahre
Schriftgelehrte
Ferelith, vergiss deinen Platz nicht. Du starrst aus dem Fenster; vor dir die Banner deiner Familie. Wehen am Fahnenmast, denn euer Haus, das ist das Größte der Stadt. Ist ein Denkmal, obwohl’s eigentlich nicht alt genug dafür ist. Gibt Häuser, die Jahrhunderte überdauert haben. Familien, die in die Geschichte eingehen. Über die Geschichten geschrieben werden. Nicht über deine. Irgendwann stirbt das Geschlecht der Trudene, hoffst du. Heute nicht. Heute stehst du mit erhobenem Haupt vor dem Fenster. Der Rücken gerade, die Brust gestreckt, das Kinn gereckt. Spürst die Rute in deinem Rücken, dabei sind’s nur Phantomschmerzen. Erinnerst dich nur gut daran. Deine Zehen kribbeln, du ziehst die Füße zusammen. Kennst nichts anderes als das. Als die strengen Blicke, die Erwartungen an dich. An dich als Trudene. Heiraten, Kinder kriegen, Zuchtstute sein. Folgsam, still und gefügig sein, mundtot.

Ferelith, Bücher machen keine gute Ehefrau. Kennst alle Handelsrouten auswendig. Weißt, wie lang ein Pferd und eine Kutsche unter welcher Last für welche Strecke brauchen werden. Hast oft genug selbst in einer gesessen, um den Ausbaustatus einschätzen zu können. Hat gerumpelt und geruckelt, dein Arsch Gesäß hat danach jedes Mal geschmerzt, dass du Salbe gebraucht hast. Durch halb Elsum hat man dich gekarrt, als Tochter der Familie, die den Handel der Provinz gepachtet hat. Kannst Namen und Gesichter zuordnen, kennst Stammbäume, Historien, Berichte über familiäre Bande, Verpflichtungen, ausstehende Zahlungen. Steckst die Nase lieber in Bücher als Stricknadeln. Hat gut dazu gepasst, dass man deine GebärQualitäten bei den Schriftgelehrten schonen wollte. Wenn es denn schon sein muss, dann wenigstens nichts, das deinen Wert noch mehr mindert.

Ferelith, du gehörst dir selbst. Hat keine 35 Jahre gebraucht, um das zu verstehen. Hörst noch immer das Geräusch: Klatsch. Wie du ihr mit flacher Hand ins Gesicht geschlagen hast. Die Rute ist auf den Boden gefallen, hat ein ordentliches Poltern ergeben. Und ein Donnerwetter obendrein. War das erste Mal, dass du du verstanden hast: du musst dir nicht alles gefallen lassen. Hat noch ein paar weitere Jahre gebraucht, bis du Worten auch endgültig Taten hast folgen lassen. Bist nicht wieder nachhause gekommen. Nicht zurückgekehrt nach Urdelyn. Hebst aus der Ferne den sprichwörtlichen und buchstäblichen Mittelfinger. Einfach, weil du’s kannst. Weil du deinen Wert kennst und weißt, was du willst. Und was du nicht willst. Was eine ganze Menge ist.

Ferelith, nimm den Platz ein, der dir zusteht. Heute traust du dich zu träumen und trägst den Kopf doch nicht in den Wolken. Jagst ihnen nach, weil du weißt, sie alle sind erreichbar. Nichts kann dich aufhalten. Du bist Ferelith Feli. Du bist Captain Trudene. Du bist schlau, du bist stark, du bist schön. Du bist alles, was du sein willst und noch mehr. Du kämpfst; manchmal sogar mit Waffen. Du blutest (mindestens einmal im Monat – und bist verdammt froh darüber, weil das heißt: du hast Macht über dich und deinen Körper). Die Banner, die du heute vor deinem Fenster wehen siehst, sind andere. Zeigen das Wappen einer Familie, die wirklich wichtig ist. So wie du eines Tages einmal wirklich wichtig sein willst.
4 Ingameposts | 16.06.2026, 11:33
Militär Navarre
gespielt von telfi
50 Jahre
Reiterin
Ist das etwa Weisheit, die in den hellblauen Augen aufblitzt? - wahrscheinlich nicht. Es ist eher der Schalk, der nur allzu oft in ihrem Blick mitwirkt und darauf hindeutet, das nicht alles, was sie sagt bitterernst gemeint ist. Eowyns Stimme bleibt ohne Zweifel in Erinnerung. Nicht prägnant und vordergründig, wie die Worte eines Vorgesetzten, die mit Angst und Gehorsam verbunden ist. Eowyn ist keine begnadete Sängerin oder trägt Gedicht vor, aber ihr Wortlaut ist butterweich, begleitet von Wärme, wenn gebraucht und scharf, wenn sie Anweisungen gibt. Ein Singsang, der an manchen Tagen wie das begleitete Rauschen einer ruhigen See klingt. An anderen Tosend, wie die Wellen, die am Gestein brechen. Eine ihrer Freundinnen hat einmal gesagt, dass ihre Stimme nach Heimat klingt, egal wo auch immer dieses Zuhause gerade ist. Vielleicht sind es aber nicht nur ihre Worte die wirken, sondern auch ihr Auftreten. Eowyn kann Ruhe und Geborgenheit ausstrahlen. Sie hat aber auch die Aura von jemandem, der sofort in einen anderen Zustand umschwenken kann.
Gib ihr den Anlass wütend zu sein und du bereust deine Bemühungen darum.
In gewissen Charakterzügen entdeckt man die Verwandtschaft zu ihrem Bruder – wenn nicht die strahlend blauen Augen schon genug Indiz sind. Eowyn ist ehrlich. Eowyn hat kein Problem damit non-ladylike den Mund aufzumachen. Und Eowyn ist bereit viele ihrer Grenzen hinter sich zu lassen, um Problemen und schwierigen Aufgaben zu begegnen. Sie kann ohne Mühe drei Dinge an positiven Eigenschaften für die meisten Leute aufzählen, die sie kennt und ihr was bedeuten. Ihr im Grunde genommen sehr gutes Herz ist weich und zerfliesst an manchen Tagen, wenn sie sich zu einer Babykatze oder einem Ferkel runterneigt. Die Frau hat sich schon immer den Leuten angenommen, die Hilfe brauchen. Sie hat Streuner in das kleine Haus ihrer Familie gebracht, eine viel zu emotionale Bindung zu einem Huhn mit Neun aufgebracht und noch wochenlang ihre Mutter an der Nase herumgeführt, als sie keine Eier mehr gelegt hat. In all den Schwärmen, in denen sie bereits gedient hat, hat sie immer die Aufgabe übernommen Neuen einen sicheren Hafen zu bieten. Das Militär hat sie an manchen Tagen zwar hart werden lassen, vergessen lassen, dass in ihr als Mensch auch noch Mitgefühl stecken müsste. Diese doch so prägende Eigenschaft konnte man aber nie gänzlich ausmerzen. Eowyn kann mittlerweile besser als in jungen Jahren noch schwierige Entscheidungen fällen, gänzlich an ihr vorbei gehen sie dennoch nicht ganz. Resilienz geht nicht einher mit dem Verleugnen der Dinge, die man tut und gewillt ist zu tun. Man lässt die Gefühle zu, die sie einen durchleben lassen – das ist ihr Weg.
48 Ingameposts | 30.03.2025, 15:40
Militär Navarre
gespielt von Jani
34 Jahre
Reiterin
Die Welt existiert nur im Gleichgewicht. Tag und Nacht. Feuer und Wasser. Stärke und Mitgefühl. Bewegung und Ruhe. Du hast gelernt, dass nichts allein bestehen kann, ohne dass irgendwann Chaos entsteht. In dir ist’s gewachsen, langsam. Über Jahre hinweg, in denen du nach Balance gesucht hast. In denen du dich verloren und gefunden hast. Du hast angefangen deine Gedanken zu hinterfragen. Den ersten, der dir anerzogen worden ist. Der zweite, der dich widerspiegelt. In den meisten Fällen gefällt er dir besser. In den meisten Fällen geht es dir nicht ums Gleichgewicht, sondern um die Wahrheit. Um das, was entsteht, wenn man aufhört, sich selbst zu belügen. Im Einklang mit der Welt zu sein, ist nicht dein Ziel gewesen. Kontrolle zu haben, ist keiner deiner Ansprüche. Chaos lügt nicht; genau deshalb lässt du dich so gern von ihm treiben. In ihm existieren keine Rollen. Keine Erwartungen. Kein Zwang. In ihm kannst du atmen. Besser als du’s inmitten deiner der Gemeinschaft tun konntest. Du hast gelächelt, du hast dich angepasst, du hast Leere empfunden. Hast dein halbes Leben lang nicht gewusst, wer du bist, bis du dich gelöst hast. Dich lösen musstest. Heute fällt’s dir schwer zu sagen, was von ihr geblieben ist. Ob sie dich genug geprägt hat, um deine Entscheidungen noch immer als Trotz zu klassifizieren. Oder ob du einfach so bist: (vor)laut statt still, wild statt bedacht, ungezügelt statt beherrscht. Vielleicht legst du das Zentrum der Welt auf dich und deine Freunde, weil du’s vorher nie hast tun dürfen. Weil man dir beigebracht hat, dass es falsch sei, deine eigenen Bedürfnisse über die anderer zu stellen. Dass alles gerecht, alles ausgeglichen sein muss, um an der Harmonie festzuhalten. Nur hat’s in dir nicht für dieses Gefühl gesorgt, sondern für das Gegenteil: Frust und Wut und Schein. Du bist wegen letzterem gegangen. Du bist gegangen, weil du die Heuchelei nicht mehr ausgehalten hast. Frieden existiert für dich nicht. Vermutlich ist’s diese Erkenntnis gewesen, die dich geradewegs über das Viadukt geführt hat. Geradewegs in den Quadranten von dem du wusstest, dass er dein Schicksal besiegeln würde. Dass du deine Familie, deine die Gemeinschaft nie wiedersehen würdest. Das Lächeln, das sich damals auf deinen Lippen ausgebreitet hat, hat viele Gefühle mit sich gebracht: Traurigkeit, Erleichterung, Bitterkeit. Für Menschen, die sich dem Altruismus verschrieben haben, haben sie mit deinem Ausstoß schnell ihre wahren Gesichter gezeigt. Und du bist ihnen dankbar dafür; weißt nicht, wie schnell du zu dir selbst gefunden hättest, wenn du nicht dazu gezwungen gewesen wärst. Deine Ziele sind größer als die der Gemeinschaft und kleiner als die des Militärs. Du willst dich frei fühlen. Du willst die Sonne auf deiner Haut spüren. Den Wind in deinen Haaren. Das Lachen in deinem Körper. Du willst dich nicht zurückhalten müssen, willst tanzen und schreien und viel sein, alles sein. Willst nicht bereuen, deine Zeit nicht verschwenden, leben.
2 Ingameposts | 26.04.2026, 21:20
Militär Navarre
gespielt von Josi
22 Jahre
Reiterin
Der Name Fallon ist im militärischen Kontext kein unbekannter, taucht er doch in der Historie immer mal wieder auf einflussreichen Posten auf. Es gab sogar einmal einen Commanding General, vor mehr als hundert Jahren. Ich lernte meinen Urgroßvater noch kennen und er betonte das immer sehr gern. Zusammen mit der Hoffnung, dass wir vielleicht auch den Nächsten CG stellen, doch diese Hoffnung starb mit meinem Vater und in gewisser Weise auch ein Stück von meinem Stolz. Ein Name ist letztendlich nur das. Ein Name. Keine Garantie auf Erfolg, kein Lohn, keine Vereinfachung im Leben, manchmal eher Fluch als Segen, wenn es ein bekannter ist... aber am Ende... nur ein Name. Ich könnte meine Verwandtschaft zu zwei weiteren großen Namen zur Sprache bringen, Ambour, ebenfalls eher militärisch geprägt, Canmor mit eher wirtschaftlichem Einfluss, aber ich ziehe es vor, über meine Verwandten zu sprechen, weil ich sie liebe, nicht weil sie einflussreiche Namen haben. Ich liebe sie und ich liebe es, zu beiden Seiten so große Familien zu haben, mich zu so vielen Menschen zugehörig zu fühlen. Ich habe vielleicht keine Geschwister, aber ich habe Cousins und Cousinen und beinahe unzählige Onkel und Tanten und ich habe meinen Vater verloren, aber ich musste mich nie allein fühlen.

Mein vollständiger Name? Lyla Fallon. Senior Jahrgang am Basgiath War College, Schwarmführerin im 1. Geschwader Klauenschwarm, Mitglied in der 2. Staffel in eben jenem, 22 Jahre alt, oder jung, wie man es nimmt, Siegelkraft Schwächenidentifikation. Ich wuchs auf Grund der Berufe meiner Eltern und den weitverzweigten schon erwähnten Familien an diversen Orten im Königreich Navarre auf und wollte schon immer Reiterin werden. Vielleicht werde ich eines Tages die nächste Commanding General, die den Namen Fallon trägt, ich halte es weder für unbedingt realistisch, noch gänzlich unmöglich, aber ich war schon immer überzeugt davon, dass man Träume haben darf, gar irgendwie muss, um im Leben irgendetwas zu erreichen. Wenn man immer nur im hier und jetzt bleibt, auf der Stelle tritt, wohin soll einen das schließlich bringen? Also träume ich, manchmal von großen Dingen, manchmal nur von Kleinigkeiten. Es hat mir im Leben nie an etwas gefehlt, man kann wohl sagen ich bin ziemlich privilegiert aufgewachsen, aber ich habe trotzdem gelernt, mich auch an kleinen Dingen zu erfreuen und im Grunde nichts als selbstverständlich zu erachten. Es hat nicht einmal bis zu dem Moment gedauert, an dem ich entscheiden musste, welche wenigen Sachen ich in meinen Rucksack packe um sie mit über das Viadukt zu nehmen.

Was drin war? Spielt im Grunde keine Rolle. Sachen die mir heute nicht mehr passen. Nicht weil ich noch viel gewachsen bin, aber weil ich mich hier verändert habe, so wie es alle sagen. Ich war schon immer eher vernünftig, wenig übermütig, eher realistisch, wenig weltfremd, in den vergangenen zwei Jahren bin ich eher noch bodenständiger geworden, ruhiger, vielleicht überlegter, bin eher Taktikerin als Macherin, glänze vor allem in den theoretischen Fächern und ich trage bereitwillig Verantwortung. Auch die, die man mir als Schwarmführung erst in diesem Jahr anvertraut hat. Ich mag die Herausforderung, weil ich selbst herausfinden will, was ich noch schaffen kann, wie weit wachsen, ich komm mir noch nicht fertig vor und glaube daran, da muss noch mehr sein.
20 Ingameposts | 31.05.2025, 17:44
Basgiath War College
gespielt von Josi
41 Jahre
Reiter
„Jacoby... Mercer“... Verwirrung zeichnete den Blick zweier Männer. Der eine war beim ersten Wort sichtlich irritiert, der andere bei der Aussprache des zweiten kurz ins Stocken geraten. Bei Mercy dauerte es nur einen Sekundenbruchteil, weil er schließlich prinzipiell schon wusste, dass das nun einmal sein Vorname war, auch wenn er ihn seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr gehört hatte. Einfach niemand nannte ihn so, nicht einmal mehr seine eigene Mutter, so selten er auch mit ihr zu tun haben mochte. Er stellte sich nicht damit vor, wenn er jemanden kennen lernte, außer man fragte ihn explizit danach und er fühlte sich jedes bescheidene Mal nur begrenzt angesprochen, aber es war sein fucking Vorname. Der letzte Mensch, der ihn regelmäßig verwendet hatte, war sein Vater gewesen und genau an diesem Aspekt, hing vermutlich der andere Mann gedanklich, der kurz in seiner Akte blätterte und das Blatt mit persönlichen Daten kritisch musterte. Irgendwo darin würde stehen, dass er der Sohn des Herzog von Luceras war und die Tatsache, dass er ganz offensichtlich nicht den Nachnamen Terrell trug, reichte wohl aus um ihn als Bastard zu brandmarken. Tja. Sein Vater war tot, spielte also nicht mehr wirklich eine Rolle. Seine Stiefmutter würde seine Existenz sicher am liebsten vergessen, außer er war ihr gerade nützlich. Die spielte also auch nicht wirklich eine Rolle, aber da waren seine Schwestern und die waren wichtig. Das Wörtchen halb hatte für Mercy keinerlei Bedeutung, außer vielleicht bei dem Jüngsten, dem Halbbruder zu dem das Verhältnis nicht ganz so eng war, aber wenn man mal ehrlich war und das war er generell eher zu oft als zu selten, hatten sie auch nichts gemeinsam. Anders sah es da bei der Familie mütterlicherseits aus, ebenfalls ein Halbbruder, ebenfalls jünger als er selbst. Familienstand? Mercy zog eine Augenbraue hoch, ein ganz kleines bisschen genervt. Ledig, nannte man das wohl offiziell, auch wenn es in seiner Vergangenheit jemanden gegeben hatte. Nur hatte das wirklich nicht funktioniert und noch heute ließ man ihn mit ihr besser nicht allzu lange in einem Raum allein. Vielleicht gab es sonst Tote, oder sie hatten mal wieder Sex. Kinder? Ein Sohn, von dem er schon immer gewusst hatte aus eben jener verkorksten Beziehung und dann das, was einem bei seinem Lebensstil in der Vergangenheit vielleicht nicht wirklich überraschte. Eine Tochter, von der er erst kürzlich erfahren hatte. Eine Tochter, die er sich nun bemühte kennen zu lernen. Und weiter? Mercy mochte es mal so ausdrücken: bisher hatte sich sonst noch niemand bei ihm mit der Behauptung gemeldet, er wäre noch mal Vater. Mit seinen 41 Jahren war er immerhin auch noch nicht raus aus diesem Spiel, auch wenn Familiengründung nicht unbedingt in sein aktuelles Lebensmodell zu passen schien, die Gefahr zu sterben war zu präsent, beinahe jeden Tag. Als Reiter in einer Staffel, die manchmal nur halb im Spaß Selbstmordkommando genannt wurde, war ja nicht unbedingt gesagt, dass er mal ein alter Mann wurde. Die Vorstellung war für Mercy aber auch selbst eher unvorstellbar, alt sein, eingeschränkt in Stärke und Beweglichkeit, hilfsbedürftig vielleicht sogar. Für den eigenständigen, selbstbewussten Mann war das kein erstrebenswertes Ziel. Dann lieber der Tod, vielleicht ruhmreich. Er hatte eh schon mehr erreicht, als er in seiner Jugend mal erwartet hatte. Verdammt viel mehr. Er war höher gekommen, als in den dreckigen Straßen von Blenanchor, gewagt hatte zu hoffen. Bis auf den Rücken eines Drachen und über die Wolken. Gleichsam hatte er weniger zu Verlieren als Menschen aus intakteren Sozialgefügen, weil die Welt sich auch ohne ihn weiter drehte, die Menschen die ihm am Herzen lagen, ohne ihn Leben, vor allem Überleben konnten. Nicht unbedingt wichtig zu sein war manchmal auch ein Vorteil, als Soldat, als jemand für den der Kampf zählte, manchmal mehr als der Sieg und das ihm das Überleben anderer manchmal wichtiger war, als das eigene, grenzte vielleicht ein bisschen an Wahnsinn, aber es waren schon immer eher Menschen gewesen, mehr als Dinge, für die er lebte.
106 Ingameposts | 09.02.2025, 15:22
Militär Navarre
gespielt von Sarah
39 Jahre
Reiterin
„Wenn ich am Nachthimmel den Halbmond sehe, dann regt sich etwas in mir, das ich nicht häufig zulasse: Unsicherheit. Ich sehe dort am Himmel etwas Unvollständiges. Halb Licht, halb Schatten. Nichts Ganzes auf beiden Seiten, aber in sich irgendwie auch perfekt ausbalanciert. So wie ich? Oder ist da mehr Licht in mir? Oder gar mehr Schatten? Ist da mehr Ungewissheit als Klarheit? Oder genau umgedreht? Und warum fühle ich mich nach all den Jahren immer noch nicht vollständig, spüre immer noch eine Leere in mir, die ich nicht weiß, wie sie zu füllen ist?"

- Notizen von Gráinne Iraola, 633


Es sind Worte einer scheinbar zweifelnden Frau. Zweifelnd an sich selbst und dem, was sie in ihrem Leben erreicht hat und wo sie noch hinmöchte. Untypisch, denn eigentlich wusste Gráinne scheinbar schon immer, wohin sie in ihrem Leben wollte. Reiterin werden. In den militärischen Rängen aufsteigen. Karriere machen. Ihrem Familienname Ehre bringen. Aber heute scheint es, als habe sie sich irgendwo auf dem Weg vielleicht selbst verloren. Verloren in den hohen Ansprüchen, die sie an sich selbst hat und die sie antreiben. Etwas, das ihr in ruhigen Momenten auffällt. Oder in den stürmischen Momenten, in denen ein Sturzflug mit ihrem Drachen dafür sorgt, dass es ihr im Magen kribbelt und ihr das Herz bis zum Hals schlägt. So sehr in ihrer Brust schlägt, dass sie das Gefühl hat, wirklich am Leben zu sein. Nicht nur ein Rädchen in einer Maschine zu sein. Sie möchte mehr von diesen Momenten und verschließt sie und diesen Wunsch doch in ihrem Inneren, ist pflichtbewusst und würde niemals so agieren, dass ihr Handeln ihre Staffel gefährden könnte.

Ihre Staffel. Es fühlt sich immer noch surreal an, dass sie es wirklich geschafft hat, zur Staffelführerin aufzusteigen. Da ist stolz in ihr, den sie selten zeigt. Aber da ist auch Anspannung. Sie fühlt sich verantwortlich für ihre Staffel. Verantwortlich für sie. Unbeschwert war sie nie, doch jetzt erscheint sie es noch weniger. Dabei hat Gráinne Humor, kann andere zum Lachen bringen und interessiert sich für Menschen in ihrem Umfeld. Besonders für die Menschen in ihrer Staffel. Zugehörigkeit ist es vielleicht, was sie ihr Leben lang gesucht hat und gefunden hat in den Abenteuern, die sie beim Militär erlebt hat. Eine Abenteuerlust, die nicht nur durch den Blick auf den ersten Drachen in Urdelyn geweckt wurde, sondern auch von einer Person, deren Neugier und Tatendrang sie bis heute fasziniert. Einer Person, der sie wohl verbundener ist als vielen anderen in ihrem Leben. Selbst denen, die sie deutlich näher an sich herangelassen hat.

Aber was ist da nun in Gráinne? Mehr Licht oder mehr Schatten? Sie ist sich manchmal selbst nicht mehr sicher, möchte mehr das strahlende Licht sein, das sie früher einmal gewesen ist. Häufig lachend, strahlend und freudig bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Aufgaben, die ihr heute Schatten unter die Augen zeichnen, weil sie sich erneut in ihrem Perfektionismus verloren hat und in der Tatsache, dass sie ungern abgibt. Obwohl sie ihrer Staffel vertraut und keine Zweifel daran hat, dass sie weitaus mehr Aufgaben delegieren könnte, um selbst nicht auszubrennen. Denn vielleicht ist genau das es, was die Leere verursacht, die sich in ihre Gedanken schiebt, wenn sie den Halbmond in ruhigeren Nächten betrachtet. Und dabei den stillen Wunsch so klar empfindet, dass sie gerne jemanden an ihrer Seite hätte, um ihre Erfolge zu teilen. Ihre Gedanken, ihre Träume und ihr großes Herz, das sie schon immer angetrieben hat, das jedoch dieser Tage zu wenig zum Vorschein kommt. Irgendwo gefangen ist zwischen Verpflichtung und eigenem Anspruch.
5 Ingameposts | 17.05.2026, 15:49
Militär Navarre
gespielt von Katja
56 Jahre
Reiter
I am not perfect and I don't claim to be.

Die Haare und der Bart grau. Auf dem Gesicht, Narben die geblieben sind. Von Kämpfen zeugen, aber auch ein paar Furchen, die das Alter gezeichnet hat. Man sieht Draven an, dass er gelebt, gelitten, geliebt und gekämpft hat. Draven ist kein Mensch, der sich großartig verstellt. Er steht zu seinen Fehlern und er weiß, dass er einige davon besitzt. Er ist weit weg davon perfekt zu sein, aber er hat auch nicht den Anspruch es zu sein. Eigentlich kann er sich einfach zu den glücklichen Menschen zählen, die zufrieden sind, mit dem was sie sind. Er versucht nicht krampfhaft über sich herauszuwachsen oder jemand anderes zu sein als er ist. Das heißt nicht, dass er nicht bereit ist sich zu verändern, aber nur wenn es echt ist… er tut nicht nur so.

Er unterteilt die Welt nicht in schwarz und weiß. Zwischen Schwarz und Weiß gibt es unzählige Facetten und so kann man auch nicht einfach über einen Menschen urteilen und er nimmt sich selten das Recht dazu heraus. Es sind Taten, die man beurteilen kann, das Handeln. Schlussendlich bestimmen diese wer man ist. Draven versucht aus seinen Fehlern zu lernen, er versucht falsche Entscheidungen nicht ein zweites Mal zu treffen. Mag er ja in seiner Jugend häufig kopf- und sorgenlos gewesen sein, bedenkt er heutzutage die Konsequenzen seiner Entscheidungen und Taten. Trägt er schließlich auch Verantwortung. Für sich, für die Leute die unter ihm stehen und ganz ohne Frage immer auch für seine Familie und Jenen, die ihm am Herzen liegen.

Ehrlichkeit ist Draven wichtig. Er ist simpel gestrickt und seine Emotionen eben so wie sie sind. Wenn er liebt – dann liebt er. Wenn er hasst – dann hasst er. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt seine ehrliche Meinung. Das passt nicht immer allen, aber wenn jemand damit nicht umgehen kann, ist ihm das egal. Er muss sich nicht beweisen und er hat nicht den Drang dazu, sich bei allen beliebt zu machen. Er hat seine Ecken und Kanten und damit muss man eben zurecht kommen, oder man lässt es bleiben. Eigentlich ist er immer noch der Rebell, der er schon in seiner Jugend war. Er neigt dazu gegen Vorschriften und Regeln zu protestieren, er ist freiheitsliebend und in seinen Ansichten eingeschränkt zu sein stößt ihm auf. Auch wenn er das heutzutage sehr viel besser kann, als zu seiner Jugend und wenn es sein muss, dann tut er es auch. Manchmal mit zusammengebissenen Zähnen. Aber er kann Protest auch mal runterschlucken.

Draven würde sich nie als wirklich guten, aufopferungsvollen Menschen bezeichnen. Er weiß, dass er durchaus auch egoistisch handeln kann. Er bedenkt seine eigenen Vorteile – oder besser gesagt – die Vorteile für die Menschen, die ihm wichtig sind. Er setzt entsprechend seine Prioritäten. Aber er ist auch kein schlechter Mensch. Mittlerweile sieht er das Leben eher aus dem Blickwinkel: ‚Leben und leben lassen.‘
19 Ingameposts | 17.05.2025, 19:22
Militär Navarre
gespielt von Josi
50 Jahre
Heilkundige
Das Leben – ein Tanz auf dem Drahtseil, dünn, manches Mal ein bisschen wackelig, gespannt über dem unendlichen Abgrund voller Möglichkeiten. Ein Abenteuer, wenn man es denn wagt, welches nicht nur Schrecken und Gefahren birgt, sondern auch eine fantastische, atemraubende Aussicht und das wahre Glück. Da ist kein Sicherungsseil im Leben, kein Netz, kein doppelter Boden, aber da ist jene Hand, jenes im Gleichtakt schlagende Herz, dass einen die Angst vor allem Unbekannten vergessen lässt. Mit großen Hoffnungen, bunten Träumen und offenem Herzen hat Maylin ihr Abenteuer begonnen und selten ein Risiko gescheut, so lange klar war sie ging es an der Seite ihres Mannes ein. Manchmal war da das Gefühl, beinahe zu fallen, alles verloren zu haben, aber Aufgeben kam nie in Frage. Lebenswille und Liebe ungebrochen gibt es doch immer eine zweite Chance, die es zu suchen gilt, immer etwas, dass man nicht gehen lassen kann, festhalten muss, etwas für das es sich lohnt, weiter zu machen und darauf zu vertrauen, dass am Ende alles gut wird.

Geboren wurde die Blonde mit den wohlklingenden Vornamen Maylin Alyona Neaynin in die altehrwürdige Elsumer Adelsfamilie Bhailis. 50 Jahre später ist von ihrem kindlichen Glauben an Wunder und Märchen nur noch die Liebe geblieben, an der sie unbeirrt festhält. Adelig und reich zu sein bescherte ihr eine Kindheit voller Traditionen und Regeln in der es ihr nie an etwas fehlte, außer vielleicht an Freiheit. Diese fand sie, als sich mit ihrer Ehe ihr Nachname zu Sayre änderte, und Draven ihr ein Leben frei von Einschränkungen und dafür voller Abenteuer schenkte. Das Streben nach Geld und Luxus liegt ihr heute so fern wie die Motivation an gesellschaftlichen großen Feierlichkeiten teilzunehmen. Ballkleider und seidene Schühchen tauschte sie schon vor vielen Jahren gegen die hellblaue Uniform des Heilerquadranten und hat sich darin auch mehr selbst gefunden, als in jedem Schmuckstück oder besticktem Stoff. Im militärischen Dienst hat sie mehr gearbeitet, aber auch mehr erlebt, als sie es je zu träumen gewagt hätte und ja, auch mehr verloren als es in einem behüteteren Leben vielleicht der Fall gewesen wäre. Aus dem verträumten Mädchen ist eine pragmatische Frau geworden, die was die Traditionen ihrer Familie angeht, nur an der Liebe und Loyalität zu ihrem Heimatland festgehalten hat. Ansonsten ist ihr Leben nicht mehr bestimmt von altem Adel und steifen Anstand, sondern Familiensinn und Wärme.

Diese spürt man selbst in der Familienwohneinheit die sie im Stützpunkt Samara mit ihrem Mann bewohnt. Es ist nicht nur ein Schlafplatz, sondern ihr Heim. Großen Luxus sucht man hier vergebens, dafür ist die Wohnung voller Blumen, hell eingerichtet und mit der Anwesenheit eines roten Katers namens Constantin auch nie wirklich still. Das Zentrum ihrer Welt ist ihre kleine Familie, das Glück und Glücklichsein ihres Sohnes, der inzwischen Basgiath besucht um Reiter zu werden. Ihre Gedanken und Sorgen weilen oft bei ihm und sie ist durchaus froh, wenn sein letztes Jahr überstanden ist, auch wenn sie weiß, das dass Leben als Reiter auch danach gefährlich bleibt, schließlich ist sie seit beinahe 30 Jahren mit einem, beinahe zwei von ihnen Verheiratet. Dass sie sich mit ihrem Mann auch auf ein Paar gebundener Drachen und damit auch den zweiten Reiter eingelassen hat, hat sie schon im Laufe ihres ersten Ehejahres verstanden, aber wahrscheinlich wäre sie am besten Freund ihres Mannes auch ohne die Drachen nicht vorbei gekommen, die irgendwie auch zur ihrem Leben gehören. Sicher nicht im familiären Sinne, schließlich hat May auch nach 30 Jahren im Schatten dieser gefährlichen Wesen noch den größten Respekt und Bewunderung, aber weniger der oft so verbreitete instinktiven Angst.
8 Ingameposts | 11.01.2026, 21:43
Militär Navarre
gespielt von Katja
31 Jahre
Reiter
Die Haltung gerade, den Kopf erhoben. Gehört sich so für einen Trevalion. Christian ist Stolz eben diesen Namen zu tragen. Ein Name, der auch gewisse Erwartungen mit sich bringt. Damit, dass er nicht der älteste Sohn ist, war schon früh klar, wie seine Zukunft aussehen würde. Der Reiterquadrant war nie eine Möglichkeit, sondern einfach eine gegebene Tatsache, die er aber auch nie groß hinterfragt hat oder damit gehadert hat. Die frühe Vorbereitung prägte den Charakter des Trevalions, Disziplin, der Wunsch sich zu messen und nicht nur gut - sondern besser zu sein, für ihn ganz normal. Eine gewisse Charakterstärke, eine gewisse Ausstrahlung, dem Namen keine Schande machen.

Christian ist zielstrebig und scheut sich auch nicht davor, seine Wünsche sehr konsequent durchzusetzen. Versagen ist einfach keine Option und so ist es kaum verwunderlich, dass er die Schmach, beim Dreschen ohne eine Drachenbindung zurückzukehren, nicht so stehen lassen konnte. Nur eine Woche später wurde ein Name mehr auf die Liste der Todesfälle gesetzt und Cair entschied sich dazu, Christians Entschlossenheit mit der Bindung zu ihr zu honorieren. Ein schlechtes Gewissen? Fragt man Christian danach, bekommt man von ihm wohl nur ein Schulterzucken. Offenbar war der frisch gebundene Reiter ja nicht stark genug gewesen, sonst hätte er ihn nicht töten können. Emotional stößt man bei Christian vor allem zunächst einmal auf eine kühle Distanz, begleitet von einer gewissen Herablassung und Arroganz. Unkontrollierte Gefühlsausbrüche sind bei ihm eher selten, seine Wut eher schneidend kalt und berechnend. Er ist überlegt und eher ein Kopfmensch, Entscheidungen trifft er bewusst und überdenkt die Konsequenzen, ehe er handelt. Impulsivität sieht er eher fast als Schwäche an. So ist es wohl kaum verwunderlich, dass er bei sich selbst häufig erste Impulse unterdrückt. Seine kontrollierte Art, die häufig kalt wirkt, mag vorherrschend sein und täuscht doch hin und wieder. Nicht immer lassen sich Gefühle in klare Bahnen und Vorstellungen pressen, egal ob es die eigenen oder andere sind. Zu lang aufgestaut kann es passieren, dass die auferlegte Kontrolle verloren geht und vor allem Wut sich entlädt. Passend zu seiner Siegelkraft Eismanipulation kalt und rücksichtslos.

So kalt er aber eben auch wirken mag, es definitiv sogar bevorzugt so wahrgenommen zu werden, ist das nicht alles, was seinen Charakter ausmacht. Familie ist für ihn nicht nur der Name und so sehr eine gewisse Berechnung immer eine Rolle spielt, ist die Bindung nicht nur Pflichtbewusstsein. Mag das Verhältnis zu seinen Brüdern zwar vor allem von einem gewissen Konkurrenzdenken geprägt sein, sind sie eben trotzdem wichtig und es ist mehr als reine Loyalität, die ihn an sie prägen. Und dann ist da natürlich auch noch seine Zwillingsschwester Calanthe. Wo er Dunkelheit und Kälte ist, ist sie Licht und Wärme. Wo er den für ihn geplanten Pfaden folgt, hat sie diese verlassen und geht ihren eigenen Weg. Manchmal beneidet er sie für diese Freiheit, die sie sich einfach genommen hat, manchmal versteht er nicht, wie sie sich so sehr von der Familie abwenden konnte und selbst auf Distanz zu ihr zu gehen, fällt ihm schwerer, als er es zugeben mag und er macht es weniger konsequent, als er es sollte. Auch wenn er es nicht offen ausspricht, ist er für sie froh, dass sie den Schritt gemacht hat, weil er sie gut genug kennt, um zu wissen, dass sie so ihr Glitzern behalten kann. Vielleicht ein wenig paradox, wenn man betrachtet, wie er in allgemeinen eher der Sicht seiner Familie folgt, dass Frauen nichts bei den Reitern zu suchen haben, sie schwächer sind und ihren Wert anders nutzen sollten - wichtige Verbindungen durch Ehen schaffen und sich darauf konzentrieren, als ihr Leben zu riskieren. Man sollte meinen, dass er schon genug Frauen begegnet ist, die dieser Meinung widersprechen… zumal da auch noch diese eine Frau ist, bei der er immer droht von dem Weg abzukommen, den er eigentlich eingeschlagen hat.
21 Ingameposts | 23.04.2025, 19:01
Militär Navarre
gespielt von Jella
27 Jahre
Fliegerin
Mein Blick gleitet über die Akte zwischen uns. Akte 349 steht oben, in klaren dicken Lettern darunter mein Name. Rowena Averan. Niemand hat notiert, dass man mich im engeren Kreis nur Wren nennt oder wer meine Familie eigentlich ist. Es gibt nur die Benennung der Akte und meinen Namen. Ich hebe den Blick von dem Umschlag zum Gesicht mir gegenüber. Ich weiß nicht, was alles in der Akte steht, aber ich bin mir sicher ich werde zumindest Teile heute herausfinden. Also lächle ich freundlich, bin froh, dass ich meine langen Haare heute morgen zurückgebunden habe und meine Uniform frisch gebügelt ist. Professionell, aber nicht einschüchternd ist der Eindruck den ich machen will. Ich will ernstgenommen werden, auch wenn ich weiß, dass ich auf den ersten Blick nicht aussehe, als wäre ich zur Fliegerin geboren. Ich bin schmal, zierlich, trotz mittlerweile jahrelangem Training nicht wirklich muskulös. Ich strecke meine Schultern durch und warte. Warte darauf, dass man mich zu irgendetwas befragt, aber man bietet mir nur Kaffee an. Ich nehme das warme Getränk an, auch wenn es wohl kaum etwas gegen meine Anspannung tun wird. „Leutnant Averan, wir wollen heute über ihre Stationierung sprechen“, beginnt die Frau mir gegenüber mit einem Lächeln. Meine Stationierung. „Wir wissen, dass Sie eigentlich einen anderen Wunsch eingereicht hatten.“ Es stimmt, dass ich eigentlich gerne an die Grenze zu den Ödlanden gegangen wäre. Ich bin schließlich Fliegerin geworden, um unser Land zu beschützen und so schwierig unser Verhältnis zu Navarre auch ist, empfinde ich die Veneni derzeit als größere Bedrohung. „Wie ist es Ihnen seit Ihrem Abschluss ergangen?“ Ich blinzle. Ich habe nicht um dieses Gespräch gebeten, also kann es nur ein Versuch sein, Mitarbeiterinnenführung zu betreiben. „Ich gehe dorthin, wo ich gebraucht werde.“ Professionell und respektvoll. „Und in meiner Schwadron und auf dem Schiff ist meine Gabe recht nützlich.“ Ich bin nicht mehr ganz so frisch. Ich bin 27 Jahre und weiß langsam deutlicher, was ich will. Beispielsweise meinen Kameradinnen und Kameraden eine echte Hilfe zu sein. Sie haben mich nie anders behandelt. Wir wissen alle, dass sie es könnten.

„Und Ihre Eltern?“ Ich schweige, aber spüre wie die Anspannung unweigerlich in meine Kiefer zieht. „Die sind weiterhin in Draithus, dementsprechend muss ich für Besuche nicht allzu viele Urlaubstage opfern.“ Ahne, dass das nicht das ist, was sie wissen wollte. Es ist kein Geheimnis, dass die Averans bisher keine Fliegerinnen und Flieger hervorgebracht haben. Zumindest keine, deren Namen man behalten hat. Meine Familie ist bekannt für ihren Großgrund vor Draithus und in ganz Krovla. Einflussreiche Händler nennen sie uns, aber ich könnte auch einfach sagen, ich gehöre nicht mehr dazu. Mein Nachname erscheint mir seit geraumer Zeit nicht besonders hilfreich für die Wege, die ich gehen möchte. Wege, die sich nicht so leicht gehen lassen, wenn der eigene Nachname in die wichtigen Handelsabkommen mit Navarre verwickelt ist. Wenn der Einfluss bis in die Politik reicht und schlussendlich wohl auch dafür gesorgt hat, dass ich auf dem Schiff gelandet bin, anstatt an der anderen Grenze. „Sehr hilfreich, die Familie so nah zu haben.“ Ich verstehe nicht wirklich, was das zur Sache tut, aber ich nicke lediglich. Hilfreich, aber auch erdrückend. Ich liebe meine Eltern, aber wär‘ ihrem Geschäft gern schon vollends entwachsen. Ich würde ihren Einfluss gern ablegen, auch wenn ich weiß, dass er ein Privileg ist. Bin trotzdem zu oft Averan und nicht Wren. In meiner Schwadron ist’s anders. Da sehen mich die Meisten einfach nur als Soldatin. „Ich bin gerne auf See.“ Mein Versuch das Thema wieder umzulenken. Auf das Wasser, welches mich fasziniert. Auf die Weiten, die mich anderes vergessen lassen. „Und ich lerne auch die Grenzen der Telepathie auszutesten.“ Bis nach Draithus reicht man Radius lange nicht, wenn wir weit rausgefahren sind. Aber auf andere Schiffe. Oder an die Küste, wenn wir uns nähern. Es ist praktisch, auch wenn es sich an manchen Tagen noch immer seltsam anfühlt, telepathische Verbindungen mit anderen aufzubauen. Mein Gegenüber schlägt die Akte auf und notiert etwas. Ich lächle wieder, als sich der Blick zurück zu mir hebt.
27 Ingameposts | 02.06.2025, 19:39
Militär Poromiel
gespielt von Jella
23 Jahre
Reiter
Das Mondlicht fiel durch das offene Fenster auf das Grün seiner Augen. Das Licht war sanfter als der Blick, welcher ihn aus seinen Träumen gerissen hatte. Alle Gezeichneten mochten Kinder der Rebellion sein, aber Perseus Rhydian Nankervis wurde als eines geboren. Mit seinen ersten Schritten war er in große Fußstapfen getreten, war nicht nur mit diesen sondern auch mit dem Heranwachsen seiner Ideale auf Linie mit seinen Eltern. Erst später, als er irgendwann verstanden hatte, war das Wissen auf damals noch schmalen Schultern zu Last geworden, die Schritte zielsicherer und die Stimme lauter, um über die leisen nagenden Gedanken hinwegzutäuschen. Doch keine von den Geistern, die ihn damals heimgesucht hatten, wohnten heute noch in seinem Inneren. Es waren neue Schreckgespenster, erwachsen aus Erinnerungen, die sich wie Zentner über ihn legten, ihm manche Nacht den Schlaf raubten, der ihm lange nicht mehr so wichtig erschien wie andere. Damals, vor der Rebellion, war sein Leben ein anderes gewesen. Die Hoffnung unweigerlich größer, weil sie auf Erfahrungen aufgebaut hatte, die er nicht besaß. Es hielt ihn nicht davon ab, weiterhin an das zu glauben, was seine Eltern zu Verrätern gemacht hatte. Er hatte einst keine Ambitionen gehabt, zu führen, aber er war zum Anführer geworden. Einer eben jener, die ein Abzeichen auf der Brust trugen, mit welchen er als Geschwaderführer das Ende der Ränge erreicht hatte. Es half, um eben jene Verantwortung, die er gegenüber all den anderen Gezeichneten verspürte, mit ein bisschen mehr Macht tragen zu können. Seine zu laut, zu albern-Persona hatte die Jahre überstanden, aber nicht gänzlich verbergen können, was er konnte. Wofür er sein ganzes Leben trainiert hatte. Er schob seine Füße auf den Boden seines Zimmers. Die Umstände mochten sich geändert haben, aber das Reiterschwarz um seine Statur war schon immer Teil des Plans gewesen. Reiter, Rebell, Verräter. Der, der gefühlt nichts ernstnahm. Dabei tat er das zu viel. Er rollte seine Schultern nach hinten, tastete über die Dolche in ihren Halterungen und schließlich über die doppelseitige Axt mittig auf seinem Rücken. In seinem Leben gab es nur noch wenige Momente, in denen er unbewaffnet war. Sein Leben hatte ihn nicht zimperlich gemacht. Seine Handknöchel waren rau, als er seine Hände zu Fausten spannte und schließlich die Magie seines Drachens spürte. Das Kribbeln riss ihn hinfort.

Die Raumüberwindung wäre ihm damals nützlich gewesen, als seine Eltern ihn in der Sicherheit eines Anwesens zurückließen, welches anders als seine Heimatstadt nicht niederbrannte, obwohl er hatte helfen wollen. Schlussendlich hatte man ihn trotzdem gefunden, sowie er den Boden unter seinen Füßen wieder fand. Ein anderer Raum, dann eine geheime Gasse, die ihn aus dem Gemäuer herausführen würde. Ein Zeichen für das Doppelleben, welches er führte. Manch einer mochte es leise Rebellion nennen, er nannte es nur eine Fortführung dessen, was andere angefangen hatten. Das Vibrieren in seinen Gedanken nahm zu, er wusste sein Drache würde auf ihn warten. Nicht in der kleinen Lichtung, die er für sein Treffen auserkoren hatte, aber in direkter Nähe, um einzugreifen. Nächstes Jahr würde er nicht mehr in diesen Hallen sein, um dieses kleine Ritual zum Start der Ausbildung neuer Gezeichneter, zu übernehmen. Er musste sich darauf verlassen, dass mit seinem Abschluss ein anderer Senior übernehmen würde. Dass mehr von ihnen überlebten, als starben. Er hatte sich schon lange damit abgefunden, dass er nicht jeden oder jede retten konnte. Aber wenn er einen Teil dazu beitragen konnte, dass es mehr waren, musste es reichen. Der Mond empfing ihn ebenso wie die laue Sommernacht, als er schließlich aus den festen Mauern in Richtung der Lichtung trat. Die Schatten anderer tanzten zwischen den Bäumen und einen Augenblick hielt er inne. Ein paar Atemzüge lang ließ er seinen Blick über die zitternden Hände gleiten, die manch einer in seine Jackentaschen schob, lauschte den leisen Worten, die durch die stille Luft zu ihm getragen wurden. Vielleicht sollte er ihnen noch ein paar weitere Minuten lassen. Schließlich entschied sich in diesen Tagen ihre gesamte Zukunft oder mehr, ob sie wirklich eine haben würden. Zukunft. Das Wort klang groß in seinen Gedanken und war nichts, was er sich ausmalte. Er plante genau bis zu einer besseren, freieren Welt. Bis zum Ende einer erneuten Rebellion. Was gab es schon darüber hinaus? Das Grinsen zupfte an seinen Mundwinkeln, als die vorsichtigen Fragen der Rookies zu ihm durchdrangen. „Das Beste kommt wie immer zum Schluss“, witzelte er und trat zwischen den Bäumen zu ihnen. Irgendwann würde seine Welt vielleicht ein weiteres Mal untergehen. Bis dahin klammerte er sich an seinen Galgenhumor, als war er ein Rettungsring und er kurz vorm Ertrinken.
77 Ingameposts | 23.03.2025, 13:10
Basgiath War College
gespielt von Jella
31 Jahre
Reiterin
Es gibt viele Rollen, die ich in diesem Leben schon füllen durfte. Rebellin war vielleicht die Netteste, Verstoßene die Tragischste. Gibt viele Schubladen, in die man mich stecken kann – Träumerin, Kämpferin, Enttäuschung, Eigenbrötlerin, Närrin – und doch nur einen Namen, den ich seit Geburt trage: Calanthe Ann Trevalion. Trage ihn noch, auch wenn meine Familie ihn mir am liebsten entziehen würde. Dabei bin ich für die meisten ohnehin einfach Cal, nicht die Frau, die von ihrer Familie verstoßen wurde. Ist der letzte rebellische Akt, dass ich den Nachnamen nicht ablege, dessen andere Träger von mir nichts mehr wissen wollen. Ist der letzte rebellische Akt, dass der Name, den ich trage, nicht mit den Werten gefüllt wird, die er fordert. Es gibt viele Bezeichnungen, die auf mich zutreffen, aber genauso viele, die es nicht tun. Ich wollte nie Hausfrau werden, nicht die Unterstützung sein, die zuhause wartet. Ich wollte raus aus den Zwängen, die mich hielten und bin doch in anderen neuen gelandet. Sie sehen besser aus, aber sind doch Zwänge. Das Schwarz, welches meine Gestalt seit mehr als einem Jahrzehnt die meiste Zeit kleidet ist mir zu farblos. Ist mir zu langweilig, als dass ich meinen Kleiderschrank nur damit füllen will. Ich bin Reiterin geworden, weil das keiner aus meinem näheren Umfeld wollte. Weil das leise „ich zeig’s dir“ schon immer in mein Herz eingraviert war und seinen Rhythmus bestimmt hat. Ich zeig’s dir, aber nicht immer in Schwarz, weil’s mir zu dunkel ist. Ich zeig’s dir, indem ich Jahr für Jahr überlebe, in dem ich das tue, was Frauen in meiner Familie nie tun sollten. Ich bin eigenständig, dabei war ich immer ein Teil von Zwei, bin ein Teil von Zwei, weil mein Zwilling an einem anderen Außenposten genau das tut, was von ihm erwartet wird. Hurra Doppelmoral! Feiert den einen, verstoßt den anderen. In meiner Familie war schon immer alles eine Frage des Geschlechts und ich hatte das Falsche. Dabei habe ich genau das Richtige, mag die filigranen Schwünge von Glitzer auf meinen Augenlidern, mag Frausein, auch wenn ich meiner Familie schon immer zu stürmisch darin war. Aus mir ist kein Sturm geworden, könnt vielleicht irgendwann dank meines Drachens und meiner Siegelkraft Sonnenstürme produzieren und bin doch nie so weit gekommen. Ich nutze Licht, aber nicht stürmisch. Nutz es magisch, weil es durch meine Hände fließt. Ich nutze Licht gegen die Schatten meines eigenen Lebens. Nutze es, um andere zu blenden. Könnte es nutzen, um zu verletzen und doch hat meine Stationierung es fast nie benötigt.

Ich habe mit meinem Weg über’s Viadukt von Abenteuern geträumt, von Heldentum und hab die Erwartungen doch an den Steilküsten meines letzten Außenpostens zerschellen sehen. Es gab viel Zeit zum Üben, gab viel Zeit für Einsamkeit und doch keine mehr. War damals ein Teil von Zwei, bin es heute wieder, aber anders. Das, was man mir und meinem Zwillingsbruder nachgesagt hat, ist, was mein Drache und ich wirklich leben: Ein telepathischer Bund. Nie wieder ohneeinander. Ich halt mich dran fest, weil das meine neue Familie ist. Weil das ist, worauf ich mich verlassen kann, genauso wie auf die Spur von Glitzer auf meinen Augenlidern. Bin irgendwann neben Träumerin, Rebellin, Enttäuschung, auch im Herzen Reiterin geworden. Ich fühl mich frei, wenn ich auf einem schuppigen Rücken durch die Lüfte segle. Fühle mich frei, wenn Magie durch meine Adern fließt. Es ist schön und ich fühl‘ mich dabei so unfassbar lebendig. Leben ist das Einzige, was ich immer wollte. Leben zu meinen Bedingungen. Leben so gut es geht, so lange ich kann. Leben, leben, leben. Bis zum letzten Atemzug, den ich irgendwann in hoffentlich weit entfernter Zukunft machen werde. Ich hab‘ die Fesseln abgelegt, die mich dran hindern wollten und keine neuen gefunden. Lebe, auch ohne Heldentum, vielleicht sogar besser ohne. Ich mag die Taverne, hinter deren Theke ich mich in Nymrith manche freie Stunde befinde. Mag das Chaos der neuen Hauptstadt Tyrrendors, auch wenn’s Trümmer eines Kampfes sind, aus der sie gewachsen ist. Bin Rebellin, aber war’s nicht in dem Fall, nur im kleinen familiären Umfeld. Trage Schwarz und mir steht’s gut, aber das Licht steht mir noch besser. Ich habe in meinem Leben schon viele Schubladen aufgezogen und Rollen ausprobiert, aber bin vor allem Cal. Ich, bis zum Ende und vor allem im Tanz dazwischen. Ich zeig’s dir. Zeig dir, wie man tanzt, wenn du willst.
25 Ingameposts | 14.04.2025, 09:42
Militär Navarre
gespielt von Lini
43 Jahre
Reiter
Eine Enttäuschung - als etwas Anderes wurdest du nie von deinen Eltern betitelt. Immerhin hast du nie ihrem Bild entsprochen, wie sie sich ihren Erstgeborenen vorstellen. Mal ganz abgesehen davon, dass du nicht der Erstgeborene bist, sondern einen älteren Bruder hattest. Allerdings starb dieser in jungen Jahren und war der Liebling deiner Eltern gewesen. Hatten sie doch alle Hoffnung in ihn gesetzt und daran, dass er das Familienunternehmen eines Tages übernehmen und noch erfolgreicher machen würde. Deiner Familie mangelte es nie an etwas, dir auch nicht – zumindest vom finanziellen und materiellen Aspekt aus. Was ein liebevoller Umgang zu Hause anging oder ein familiäres Umfeld, davon konntest du nur träumen. Deine Eltern hingen zu sehr an dem Verlust deines Bruders und interessierten sich zu wenig für dich. Du hattest gehofft, dass es besser wird, wenn du dich dazu entscheidest Reiter zu werden. Immerhin hatten sie eine hohe Meinung von Reitern. Sie glaubten nicht daran, dass du das schaffen könntest, stellten dir aber dennoch die besten Lehrer zur Verfügung. Somit wurdest du früh darauf vorbereitet den Viadukt zu überqueren und dich auf den Rücken eines Drachen zu schwingen. Vielleicht hast du dir das auch alles etwas zu leicht vorgestellt. Leichter auf jeden Fall, als es am Ende war.

Die Ausbildung war alles andere als einfach, du hast öfters als du zählen kannst fast dein Leben verloren. Nicht unbedingt immer durch Fremdverschulden, sondern öfters auch, weil du deine eigenen Fähigkeiten überschätzt hast. Aber entgegen der Meinung deiner Eltern hast du einen Drachen gebunden und die Ausbildung überstanden. Hat das ihre Meinung über dich geändert? Nein. Nicht wirklich. Also hast du irgendwann aufgegeben nach ihrer Anerkennung zu streben und bist deinen eigenen Weg gegangen. Hast dich immer seltener zu Hause blicken lassen und irgendwie dein Leben gelebt. Deine Siegelkraft bereitete dir damals wie heute so ihre Problemchen und hat dich nicht selten fast zum Ausbrennen gebracht, weil du zu viel Energie gespeichert hast. Dein Drache warnt dich davor auch nicht, lässt dir immer und immer weiter Magie zukommen, ganz gleich, ob es dich dein Leben kostet oder nicht. Wärst nicht der erste Reiter der dabei drauf geht und auch nicht der Letzte.

Mittlerweile bist du nur noch ein Schatten deiner Selbst, was auch daran liegt, dass du vor Jahren einen Unfall hattest. Ein Unfall, der nicht nur dein Leben veränderte, sondern im Umkehrschluss jemand Anderes das Leben kostete. Nicht wegen dem Unfall per se, sondern, weil du selbst verschwiegen hast, dass du bis heute Schmerzen hast und eingeschränkt bist. Hätte ein Heilmacher sicher easy beheben können damals, aber dafür warst du dir zu stolz – immerhin haben deine Eltern dir auch immer gesagt, dass man andere nicht um Hilfe bittet, wenn es irgendwie anders geht. Bis heute hast du Schmerzen in deinem rechten Bein und betäubst die Schmerzen gerne mit Alkohol – und manchmal auch anderen Substanzen. Bist eigentlich noch diensttauglich und irgendwie auch nicht, sodass man dich in den Innendienst versetzt hat. Bis zu dem Zwischenfall bei dem jemand ums Leben kam, hast du deine Verletzung verheimlicht. Mittlerweile geht dies nicht mehr, da du eben von deinem Vorgesetzten in den Innendienst versetzt wurdest und deine Staffel zumindest auch grob Bescheid weis.
1 Ingameposts | 31.08.2026, 19:40
Militär Navarre
gespielt von Jani
21 Jahre
Reiterin
Hattest fünf Jahre Zeit, dich an dein Spiegelbild zu gewöhnen und erkennst doch nur noch wenig von dem Mädchen, das du einst gewesen bist. Deine Sommersprossen verblassen inzwischen im Winter, weil das warme Klima deiner Heimatstadt nicht bis nach Morraine reicht. Nicht, dass von dieser viel übrig geblieben ist - Aretia hat genauso gebrannt wie deine Familie es getan hat. Und selbst wenn du die Geschehnisse vergessen wollen würdest, könntest du es doch nicht. Dein Blick fällt automatisch auf deinen Hals herab, fährt über deine blasse Haut, von der sich das Mal der Gezeichneten nur umso stärker abhebt. Brauchst deinen Pullover nicht ausziehen, um zu wissen, dass sich die schwarzen Linien über deinen gesamten Unterarm ziehen. Bis hin zu deiner Handfläche. Für alle sichtbar ist der Verrat, den deine Familie begangen hat und für den du mit deiner Freiheit bezahlen musst. Kannst nicht sein, wer du bist. Kannst nicht machen, was du willst. Sondern bist umgeben von einem Ort, der dir Angst macht. Trägst eine Farbe, die sich fremd anfühlt. Reiterschwarz hast du stets nur an deiner Mutter, an deinem Bruder gesehen. Hast dir nie vorgestellt, dass sich deine langen rotblonden Haaren - die du sowieso nur noch in deinem Zimmer offen trägst - jemals von der Uniform abheben würden. Aber die Wahl über deine Zukunft wurde dir genommen. Genauso wie sie dir gern dein Leben genommen hätten; bist dir fast sicher, dass sie nicht damit gerechnet haben, dass so viele von euch das Viadukt, das Dreschen überleben würden. Dass sich so viele Drachen dafür entscheiden würden, Kinder von Verrätern zu binden. Warst vielleicht selbst davon überrascht, als die Stimme in deinem Kopf aufgetaucht ist und dich von einer Kadettin zu einer Reiterin gemacht hat. Inzwischen weißt du, dass es reines Glück ist - gebunden zu werden, einen weiteren Tag zu erleben. Es ist das, was du seit der Rebellion jeden Tag tust: überleben statt leben. Mal mit mehr, mal mit weniger Schmerzen, doch immer mit dem Gedanken daran, nicht aufzugeben.

Die Illusion vor dir verblasst, nimmt dir den Blick auf dich selbst vielleicht im richtigen Moment, um nicht weiter darüber nachdenken zu müssen, was deine Eltern wohl zu der Frau sagen würden, die du geworden bist. Um dich selbst nicht fragen zu müssen, ob sie stolz auf dich wären oder traurig über die Tatsache, dass dein Lachen nur noch selten laut erklingt. Dass deine Worte immer öfter auf deiner Zunge verbleiben, statt gedankenlos über deine Lippen zu fallen, wie es früher der Fall gewesen ist. Deine Sorglosigkeit hast du verloren, aber dafür hast du etwas anderes dazu gewonnen: einen kritischen Blick, einen starken Willen. Vielleicht sogar eine gewisse Furchtlosigkeit, die man als reine Verzweiflung erkennen könnte, würdest du Menschen nah genug an dich heranlassen. Denn auch, wenn du deine Gedanken zurückhältst, bedeutet es nicht, dass du nichts zu sagen hättest. Genau genommen hast du sogar Sorge, nicht mehr enden zu können, wenn du erst einmal beginnst – wenn du aufhören würdest, still zu sein und das weiterführen könntest, womit deine Eltern angefangen haben. Wahrheiten nicht mehr hinter deinem Trotz oder deinem Sarkasmus verbergen müsstest; immerhin wurdest du bereits als Verräterin markiert. Eine zu sein, fällt dir daher nicht einmal sonderlich schwer.
58 Ingameposts | 23.03.2025, 14:42
Basgiath War College
gespielt von Jella
31 Jahre
Reiterin
„Ich fall vielleicht hin, aber ich bleib nicht liegen.“ Galt damals einer Gegnerin auf der Matte, die sie zu Fall gebracht hatte und sich ihrem Sieg sicher glaubte. Sie stand auf und sorgte dafür, dass der Kampf anders ausging. Hinfallen und aufstehen – immer und immer wieder. Imogen Lovren hat das Aufgeben nie so richtig gelernt, auch wenn sie mittlerweile weiß, wann es im Trainingsszenario besser ist, eine Niederlage einzustecken. Als Sohn eines Reiters war das Schwarz, welches sie heute trägt, schon früh Teil ihres Lebens. Dabei war der Weg, den sie ging, nicht einmal unbedingt für sie vorgesehen. Sie hatte die Wahl und entschied sich doch für den Reiterquadranten. Für die Gefahr, für das Hinfallen und Aufstehen. Für die Herausforderung, die es ihr brachte. Dafür, dass sie den Weg ihres Vaters in aller erster Linie anders bestreiten wollte. Er war kein Vorbild, auch wenn sie sich nie davon freisprechen konnte, ihm in zu vielen Dingen zu ähneln. Die Folge des Lebens, welches sie geführt und welches sie sich ausgesucht hat, ist eine Härte gegenüber Gefühlen, die sie nur schwer ablegen kann. Ist in Imogens Selbstverständnis alles gut und in Ordnung, selbst wenn es sich emotional nicht so anfühlt. Man steht eben auch dann wieder auf, wenn man eigentlich lieber liegen bleiben möchte, weil man der Alternative keinen Raum gibt. Der lovrensche Optimismus ist in dieser Linie trockener Sarkasmus, kein wahrer Hoffnungsschimmer und sie lebt ihn. Seit Jahren.

Stein im Äußeren, Stein im Inneren, weil jeder Schutz auch bedeutet, dass von der anderen Seite ebenso nichts durchkommt.

Ihr Ehrgeiz macht sie zu einer passablen Reiterin, deren Beförderung zum Captain ihr auch erste Verantwortung zuspielt. Es ist andere als eben jene, die sie im College hatte, auch wenn‘s schon immer irgendwie um’s Überleben anderer ging. Staffelführung, dann Geschwaderführung. Sie kann sich dem Gefühl von Stolz nicht entziehen, was auf Beförderungen folgte und auch immer noch folgt. Dabei geht’s heute auch um ihr Überleben. Das Leben als Drachenreiterin ist kürzer als das anderer. Das Leben ist trotzdem gut gelebt, wenn man vor allem die positiven Dinge in den Fokus schiebt. Ihre mangelnde Empathie macht sie zu keiner schlechten Freundin, schließlich bedeuten ihr Menschen etwas. Es macht sie nur nicht so feinfühlig für die kleinsten Regungen. Das kann auch gut sein. Weil’s ihr erlaubt über die spitze Zunge ihres Drachens hinwegzusehen. Kann auch gut sein, weil sie dadurch nicht jeden zwingt, über das zu reden, was beschäftigt. Und das tut sie selbst auch nicht gern. Aufstehen und weitermachen ist einfacher, wenn man’s nicht zerdenkt. Wenn sie es doch mal tut, dann wird alles seziert. Aufgeben ist auch in Bezug auf Menschen für sie keine richtige Option. Es gibt nur einen, von dem hat sie sich losgesagt, auch wenn sie seinen Nachnamen noch trägt. Und ja, sie fällt noch heute manchmal hin. Aber liegen geblieben ist sie bisher nicht.
20 Ingameposts | 22.04.2025, 17:11
Militär Navarre

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