Codex of Flame and Fury
codex of flame and fury
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Charakterliste
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gespielt von Jella
27 Jahre
Fliegerin
Mein Blick gleitet über die Akte zwischen uns. Akte 349 steht oben, in klaren dicken Lettern darunter mein Name. Rowena Averan. Niemand hat notiert, dass man mich im engeren Kreis nur Wren nennt oder wer meine Familie eigentlich ist. Es gibt nur die Benennung der Akte und meinen Namen. Ich hebe den Blick von dem Umschlag zum Gesicht mir gegenüber. Ich weiß nicht, was alles in der Akte steht, aber ich bin mir sicher ich werde zumindest Teile heute herausfinden. Also lächle ich freundlich, bin froh, dass ich meine langen Haare heute morgen zurückgebunden habe und meine Uniform frisch gebügelt ist. Professionell, aber nicht einschüchternd ist der Eindruck den ich machen will. Ich will ernstgenommen werden, auch wenn ich weiß, dass ich auf den ersten Blick nicht aussehe, als wäre ich zur Fliegerin geboren. Ich bin schmal, zierlich, trotz mittlerweile jahrelangem Training nicht wirklich muskulös. Ich strecke meine Schultern durch und warte. Warte darauf, dass man mich zu irgendetwas befragt, aber man bietet mir nur Kaffee an. Ich nehme das warme Getränk an, auch wenn es wohl kaum etwas gegen meine Anspannung tun wird. „Leutnant Averan, wir wollen heute über ihre Stationierung sprechen“, beginnt die Frau mir gegenüber mit einem Lächeln. Meine Stationierung. „Wir wissen, dass Sie eigentlich einen anderen Wunsch eingereicht hatten.“ Es stimmt, dass ich eigentlich gerne an die Grenze zu den Ödlanden gegangen wäre. Ich bin schließlich Fliegerin geworden, um unser Land zu beschützen und so schwierig unser Verhältnis zu Navarre auch ist, empfinde ich die Veneni derzeit als größere Bedrohung. „Wie ist es Ihnen seit Ihrem Abschluss ergangen?“ Ich blinzle. Ich habe nicht um dieses Gespräch gebeten, also kann es nur ein Versuch sein, Mitarbeiterinnenführung zu betreiben. „Ich gehe dorthin, wo ich gebraucht werde.“ Professionell und respektvoll. „Und in meiner Schwadron und auf dem Schiff ist meine Gabe recht nützlich.“ Ich bin nicht mehr ganz so frisch. Ich bin 27 Jahre und weiß langsam deutlicher, was ich will. Beispielsweise meinen Kameradinnen und Kameraden eine echte Hilfe zu sein. Sie haben mich nie anders behandelt. Wir wissen alle, dass sie es könnten.

„Und Ihre Eltern?“ Ich schweige, aber spüre wie die Anspannung unweigerlich in meine Kiefer zieht. „Die sind weiterhin in Draithus, dementsprechend muss ich für Besuche nicht allzu viele Urlaubstage opfern.“ Ahne, dass das nicht das ist, was sie wissen wollte. Es ist kein Geheimnis, dass die Averans bisher keine Fliegerinnen und Flieger hervorgebracht haben. Zumindest keine, deren Namen man behalten hat. Meine Familie ist bekannt für ihren Großgrund vor Draithus und in ganz Krovla. Einflussreiche Händler nennen sie uns, aber ich könnte auch einfach sagen, ich gehöre nicht mehr dazu. Mein Nachname erscheint mir seit geraumer Zeit nicht besonders hilfreich für die Wege, die ich gehen möchte. Wege, die sich nicht so leicht gehen lassen, wenn der eigene Nachname in die wichtigen Handelsabkommen mit Navarre verwickelt ist. Wenn der Einfluss bis in die Politik reicht und schlussendlich wohl auch dafür gesorgt hat, dass ich auf dem Schiff gelandet bin, anstatt an der anderen Grenze. „Sehr hilfreich, die Familie so nah zu haben.“ Ich verstehe nicht wirklich, was das zur Sache tut, aber ich nicke lediglich. Hilfreich, aber auch erdrückend. Ich liebe meine Eltern, aber wär‘ ihrem Geschäft gern schon vollends entwachsen. Ich würde ihren Einfluss gern ablegen, auch wenn ich weiß, dass er ein Privileg ist. Bin trotzdem zu oft Averan und nicht Wren. In meiner Schwadron ist’s anders. Da sehen mich die Meisten einfach nur als Soldatin. „Ich bin gerne auf See.“ Mein Versuch das Thema wieder umzulenken. Auf das Wasser, welches mich fasziniert. Auf die Weiten, die mich anderes vergessen lassen. „Und ich lerne auch die Grenzen der Telepathie auszutesten.“ Bis nach Draithus reicht man Radius lange nicht, wenn wir weit rausgefahren sind. Aber auf andere Schiffe. Oder an die Küste, wenn wir uns nähern. Es ist praktisch, auch wenn es sich an manchen Tagen noch immer seltsam anfühlt, telepathische Verbindungen mit anderen aufzubauen. Mein Gegenüber schlägt die Akte auf und notiert etwas. Ich lächle wieder, als sich der Blick zurück zu mir hebt.
13 Ingameposts | 02.06.2025, 18:39
Militär Poromiel
gespielt von Rieke
32 Jahre
Reiterin
Wer hoch fliegt, fällt tief und nicht immer kann man aufgefangen werden. Ein Risiko von vielen, die die aufgeschlossene junge Frau schon immer gern einging, ohne sich über Konsequenzen und schlechte Ausgänge Gedanken zu machen. Dabei war es nicht der Drang, das Leben so zu gestalten, wie man wollte, weil man nur eines hatte. Nicht die Leichtigkeit, an blindem Optimismus festzuhalten, weil schon nichts schiefgehen würde. Es war das Gefühl in ihr dass ihr sagte Diesen Schritt musst du noch gehen. – Und dann? – Dann schaust du, was passiert. Einen Schritt nach dem anderen und nicht selten einen Schritt zu weit. Über die gezogenen Grenzen hinweg, in einen Bereich, in dem Konsequenzen auf sie warteten. Schrammen, Blut, Tränen, Schweiß, einen atemlosen Moment, Sprachlosigkeit, harsche Worte. Dinge, denen sie erhobenem Hauptes stellte. Schon immer. Nicht ein einziges Mal kam ihr der Gedanke, dass sie das nicht müsste, wenn sie innerhalb der gezogenen Grenzen spielte. Aber das klang nicht nach ihr, reizte sie nicht. Besser, schneller, weiter. Eine riskante Mischung aus Spontanität, Ungeduld und Leidenschaft.

Aber wenn sie den Wind im Gesicht oder den Haaren spürt, hat es sich immer gelohnt. Wenn sie sich über den Ausgang einer dummen Aktion freut und reflexartig lachen muss, weil sie nicht darüber nachdenkt, dass sie andere in Gefahr gebracht hatte. Denn der Ausgang war ein Erfolg, die Stimme hatte Recht, das Bauchgefühl. An ihrer Seite ihr Drache, dem sie seit nun doch schon einigen Jahren blind vertraute. Er wusste, dass er bei ihr nie mit etwas rechnen konnte und sie wusste, dass sie immer damit rechnen konnte, dass er spontanen Eingebungen folgte, wenn er nicht gerade selbst einem Impuls nachging. Ein Duo, dass die Welt vermutlich auch ganz versehentlich in Schutt und Asche legen könnte, ohne es zu merken, bis man mit dem Zeigefinger darauf deutete. Dabei war es nicht so, dass Vidia absichtlich Schaden anrichtete oder Leute gefährdete. Nein, das Gegenteil: Sie wollte helfen. Wie man es ihr beigebracht hatte. Kleine Gesten, unausgesprochene Dinge. Impulsive Ideen, selbst wenn sie ein deutliches Nein! gehört hatte. Sie handelte, dann trug sie die Konsequenzen. Egal wie hart, egal wie lange. Und sie wuchs daran, denn auch in diesen Situationen setzte sie sich keinen Handlungsrahmen. Sie wartete ab, was passierte.

Was wäre, wenn sie schneller wäre? Was, wenn sie das, von dem Andere ihr abrieten, versuchte und es schaffte? Wie sollte sie es denn sonst herausfinden? Vidia hatte schon immer das Problem, dass sie dazu tendiert, Türen einzutreten, statt zu Klopfen. Zu oft kam sie damit davon. Zu oft hat sie sich gesagt, dass doch alles gut ist. Aber sie weiß auch, dass sie Glück hatte, weil ihr Dinge, auf die sie während ihrer Ausbildung vorbereitet wurde, noch nicht passiert waren. Manchmal, in winzigen Momenten, kaum länger als ein paar Sekunden, verglich sie Flugmanöver und Missionen mit einem Spiel, das einfach nur Spaß machte, weil man gewinnen konnte. Doch am Ende weiß sie, dass sie eine Soldatin war, keine Spielerin. Und zu gewinnen bedeutete oft das Ende für die andere Seite. Man wächst an seinen Aufgaben. Nicht immer schnell oder freiwillig, aber sie war auch nicht mehr die, die den Viadukt überquerte. Sie hatte gelernt. Aber im Kern war es einfach schwer, einem guten alten Risiko zu widerstehen.
19 Ingameposts | 23.03.2025, 12:28
Militär Navarre
gespielt von Keks
55 Jahre
Diplomat
Manche werden geboren, um zu herrschen und andere, um beherrscht zu werden. Atharion Fendyr ist einer von jenen, die geboren wurden, um beherrscht zu werden. Durch seine Adern und durch die seiner Familie fließt kein herrschaftliches Blut. Sie waren nie Könige, keine Herzoge, nicht einmal einem simplen Adelsgeschlecht, dem seine Familie entsprungen ist. Obwohl sie durchaus ein gewisses Ansehen und auch Reichtum besaßen und noch immer besitzen, waren sie eben nie die Adeligen. Ein Teil des einfachen Volkes, nicht mehr und nicht weniger.
Zwar machte Atharion Karriere am Königshof, doch es ging ihm niemals um die Mehrung seiner eigenen Macht dort. Seinem König ist er loyal ergeben und schon lange einer von dessen wichtigsten Vertrauten, wenn es um das Wissen um die Veneni geht. Er hütet diese Geheimnisse und seine Loyalität gegenüber dem König blieb auch, als Atharion und seine Frau Shahar vor fünf Jahren mit Tyrrendor belehnt wurden und er sich seitdem Herzog nennt. Für ihn ganz und gar kein sozialer Aufstieg, denn diesen hatte er niemals angestrebt und vielleicht war dies auch der Grund, dass ihm und seiner Frau diese Aufgabe zugeteilt wurde. Es ist ihre gemeinsame Aufgabe, die aufflammenden Glutnester der Rebellion zu ersticken, seine ist es, Geheimnisse zu hüten, die er nicht einmal mit seiner geliebten Frau teilen kann.
Er wollte nie herrschen, genauso wenig wie er mit den Entscheidungen anderer regieren wollte. Auch wenn seine Loyalität ungebrochen seinem König gehört und er die Geheimnisse niemals verraten würde - nicht einmal seiner Frau gegenüber - würde sich der 55 Jährige ein ‘normales’ Leben wünschen.
Seine Karriere war ihm niemals so wichtig wie seine Frau und seine Kinder, die für ihn das größte Glück im Leben sind. Der eigentlich freundliche und warmherzige Mann wäre lieber einfach nur ein Vater für seine Kinder, als ein Herzog.
Noch ist seine Loyalität trotz allem ungebrochen, aber manche Schatten lassen einen nie mehr ganz los.
15 Ingameposts | 31.03.2025, 17:32
Zivil Navarre
gespielt von Alex
34 Jahre
Reiterin
Déisi ist nicht von ausfallender Erscheinung. Weder durch ihr Äußeres noch durch laute Worte oder demonstrative Stärke. Sie wirkt auf Fremde meist unauffällig, beinahe austauschbar, eine Tatsache, die sie sich einerseits gern zu nutze macht, um unterm Radar zu fliegen, aber auch in der Vergangenheit schon dazu führte, unterschätzt zu werden. Dabei ist sie charakterlich eher eine kleine Naturgewalt: Unberechenbar.

Die Dhorvalds sind eine einfache sowie militärisch geprägte Familie aus der Provinz Calldyr. Für Déisi gab es im Einberufungsalter daher nur zwei Möglichkeiten: Infanterie oder Reiterquadrant. Sie wählte letzteres und erwies sich nicht als Enttäuschung: An ihrer Seite kämpft seither ihr brauner Drache Sthar – erdverbunden, ausdauernd und von einer stillen Wachsamkeit geprägt. Gemeinsam gehörten sie bis vor kurzem dem Ostgeschwader (Klauenschwarm, 2. Staffel) an. Ein Angriff im Sommer 633 brachte ihr sonst so geordnetes Leben durcheinander – bei einem Angriff in Sumerton verlor sie nicht nur zwei Kameraden sondern erfuhr auch die Wahrheit über die Venini. Aufgrund ihres Wissens über die Existenz der Veneni sollten vermeintlich sämtliche überlebende Staffelmitglieder beseitigt werden. Kein Heldentod. Keine Wahrheit. Gemeinsam mit den anderen Überlebenden des Angriffs floh die Dunkelhaarige zunächst nach Poromiel – in Navarre gilt sie jedoch als Tod: Offiziell gefallen. Ausgelöscht. Auch wenn es ihr schwerfiel über die Lügen und den Verrat hinweg zu sehen, entschied sich Déisi gemeinsam mit Sthar dafür ihre Heimat nicht gänzlich zu verlassen, während viele ihrer Staffelmitglieder dem Militär in Poromiel anschlossen, klärte Déisi sich bereit beim Wiederaufbau von Aretia zu helfen.

Doch dieser jüngste Stillstand macht sie nervös. Zu lange an einem Ort, zu lange ohne wirkliches Ziel – das lässt ihre innere Unruhe wachsen und verstärkt das Gefühl, gefangen zu sein. Ihre aktuelle Situation empfindet sie als zutiefst belastend, nicht nur, dass sie den Großteil der anderen Überlebenden der zweiten Staffel vermisst, sie hat auch das Gefühl, ihre Prinzipen verraten zu haben. Déisi war immer schon ein Geflecht aus Leidenschaft und Idealismus, das nun tiefe Risse bekommen hat. Sie wollte immer das Richtige tun, glaubte an Pflicht, Moral und Verantwortung. Heute zweifelt sie daran, ob sie überhaupt noch weiß, was „richtig“ bedeutet.
1 Ingameposts | 17.11.2025, 09:00
Militär Navarre
gespielt von Rieke
22 Jahre
Reiter
Man munkelt, ob er eigentlich schon immer so war; denkt, der Verlust seiner Familie hätte ihn so distanziert werden lassen, so zynisch, schwarzmalerisch. Weil man sich eben kaum vorstellen konnte, dass ein Junge mit 14 oder 15 Jahren bereits so wäre. Nur war Fin eben genau das. Wirkte schon immer desinteressiert und als würde er dem Leben nicht viel abverlangen, nicht viel erwarten und noch weniger anstreben. Dabei sah er einfach nie ein Problem damit, ein einfaches Leben zu führen, ohne unnötige Strapazen oder Risiken, die einem jeden Tag das Leben kosten könnten. Noch nie hatte er verstanden, was andere daran so reizte oder wieso ihnen manche Angelegenheiten so wichtig waren. Bei ihm waren das die wenigsten Dinge.

Dabei könnte man meinen, ausgerechnet er müsste es verstehen, wo seine Eltern doch zuhause beinahe täglich Predigten für ihn hielten, dass er alt genug wäre, sich zu beteiligen und die Rebellion ernst zu nehmen. Dass sie notwendig war. Etwas, was Fin nicht einmal unbedingt bestreiten würde. Den Sinn dahinter sah er, die Logik. Da war nur kein Reiz, sich all dem anzuschließen und sein Leben zu riskieren. Wieso das, was man hatte, noch bewusst verkürzen wollen? Vor allem, wo es ihn doch gar nicht schlecht erwischt hatte. Eltern – auch wenn sein Dad nur sein Stiefvater war, doch wo zog man eigentlich den Unterschied? Klar, man stritt sich mal, aber er wurde immer anerkannt, hatte sogar als Kleinkind dessen Nachnamen bekommen – eine jüngere Schwester, ein Haus in einem kleinen Dorf. Es hätte alles friedlich sein können. Kein Drama, kein Stress, kein Grund, sich zu engagieren.

Desinteressiert. Direkt in seiner Meinung, aber dennoch nicht bereit, sich auf Diskussionen einzulassen. Sollte man ihn doch feige oder naiv nennen, wenn er Befehlen folgte, selbst wenn er etwas anders sah. War das denn sein Leben wert? Er hasste den Moment, als ihm klar wurde, dass er Reiter werden musste – es zumindest versuchen – mehr, als den Moment, in dem er der Hinrichtung seiner Eltern zusah. Für seine Psyche sprach das sicher für den einen oder anderen Außenstehenden Bände, doch das war eben genau das Risiko, von dem seine Mutter immer gesprochen hatte. Und sie hat verloren. Jetzt war er dran im Spiel. Aber er wollte gewinnen. Und gewinnen hieß überleben. Selbst wenn es ein endloser Kreis wäre, weil er eigentlich nie gewinnen würde, wenn er doch nie Reiter hatte werden wollen. Aber dem ganzen vorsätzlich ein Ende machen? Vielleicht war er doch feige. Aber wer hatte keine Angst zu sterben? Nur Idioten, seiner Meinung nach.

Wie schnell sowas gehen könnte, ruft ihm das Mal an seinem linken Arm täglich ins Gedächtnis. Ein Leben, dass er nicht vorgesehen hatte, das er aber auch nicht einfach beenden konnte, weil sein Kopf sagte, aus Prinzip müsste er den Leuten jetzt zeigen, dass es nicht so leicht war. Dabei war der Tod unvermeidlich. Eine Art, die nicht bei jedem gut ankommt. Glücklicherweise war es nie sein Ziel, bei allen beliebt zu sein. Er überlebte, einen Tag nach dem anderen. ‘Ja, Sir’, ‘Nein, Sir’, Unterricht und Trainings. Wirklich nichts, was er sich ausgesucht hätte, aber so sah es seit nunmehr über zwei Jahren aus.
56 Ingameposts | 10.04.2025, 18:03
Basgiath War College
gespielt von Jella
21 Jahre
Reiterin
Den Kopf eigentlich schon immer in Büchern oder in den Wolken, flüchtete sich Ivelle Nyra Kinnaird stets gern in fremde Welten, wo die eigene doch teils so düster erschien. Ein gewisser Hang zu Eskapismus ist ihr geblieben, eine Liebe für Bücher ebenfalls, aber ein Teil ihrer Träume hat sich schon vor geraumer Zeit in ihre Realität verlagert. Sie mag ein oder zehn Märchen zu viel gelesen haben, die sie lange ein „und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ als erreichbares Ziel ansehen ließen. Diese Romantisierung musste sich aufgrund ein bisschen Enttäuschung verflüchtigen, schließlich kann sie die Überzeugung, dass es nicht das Ende sein kann, wenn’s nicht glücklich ist, anhand unterschiedlicher Erlebnisse ihrer letzten Lebensjahre problemlos widerlegen. An den Glauben, dass Liebe eine magische Kraft inneruht, indes klammert sie sich mit einem dieser eisernen Griffe, welche die Fingerknöchel blasser hervortreten lassen. Schließlich ist es eben diese Liebe, die sie von ihrem lange Jahre gereiften Plan ihren Dienst als Schriftgelehrte zu verbringen, zur Entscheidung bewogen hat, sowie ihre Jugendliebe Reiterin werden zu wollen. Ein Jahr Vorbereitung schien kaum genug, um die eher belesene als sportliche junge Frau über das Viadukt und durch die darauffolgenden Gauntletprüfung zu bringen, aber sie überraschte wohl viele damit, dass sie selbst die Präsentation überlebte und sich schließlich beim Dreschen sogar ein Drache für sie entschied. Aus einem metaphorischen ‚Mit dem Kopf in den Wolken‘ ist also auch eine Tatsächlichkeit geworden. Ihre körperlichen Schwächen haben sich über das erste Jahr verringert, ihre Stärken liegen aber nach wie vor in der Theorie. Belesen ist sie also weiterhin, dass gleich beide Gründe, dass sie Reiterin werden wollte, ebenfalls durch das College wandeln, hat sie jedoch nicht gänzlich bis zum Ende durchdacht.

Den Traum einer lebenslangen Beziehung mit ihrer Jugendliebe, ließ sie die von ihren Eltern – eigentlich Adoptiveltern, aber sie hat sie schon vor langer Zeit als ihre Familie angenommen – angestrebte Verlobung als unmöglich ansehen und durch die Bindung mit einem Drachen auf genügend Eigenständigkeit hoffen, ihr zu entgehen. Dass ihre Jugendliebe die Distanz wahrt, obwohl sie manchmal nur ein paar Schritte trennen – schließlich ist er auch Reiter geworden – lässt sie manchmal an ihrer Rolle der hoffnungslosen Romantikerin zweifeln. Cillian Beolan als potenziellen Ehemann zu sehen, kommt irgendwie trotzdem nicht so recht in Frage. Vielleicht folgerten gerade diese Unsicherheiten ihre Siegelkraft, die ganz eigene Herausforderungen mit sich bringt. Nicht nur, dass Vorausseher selten sind, ihre prophetischen Träume sind auch noch höchst schwierig einzuordnen. Meist sieht Ivelle nur die kleinsten Details einer Szenerie und kann häufig, wenn überhaupt, erst in Momenten, wo sie ihnen tatsächlich begegnet, einordnen, was sie bedeuten. Dabei hilft manchmal jemandem aus ihrer Staffel vielleicht erst mit dem rechten Fuß loszulaufen oder den Schuh neu zu binden oder ein gewisses Essen nicht zu wählen. Es sind Kleinigkeiten, die großen Visionen blieben bisher aus, aber hilfreich kann die ein oder andere sicherlich sein. Für jemanden, der derart viel tagträumt, vielleicht auch eine Form von Ironie des Schicksals, in ihren Träumen nun tatsächlich möglichen Realitäten zu begegnen und noch mehr, dass sich diese Prophezeiungen zuletzt nicht mehr nur auf ihre Träume beschränken.

Ivelle erscheint manch einem sicherlich immer noch etwas zu zart und sanft, aber die letzten Monate und das letzte Jahr haben sie durchaus etwas härter werden lassen. Sie ist mehr so naiv zu glauben, dass alle ihr etwas Gutes wollen, erliegt wohl aber dem IrrGlauben, dass das Gute am Ende stärker sein muss. Hilfsbereitschaft bedeutet ihr viel, Streit eher weniger, aber in Momenten, in denen sie früher geschwiegen hätte, ergreift sie nun auch einmal bestimmt Partei. Nicht nur für andere, sondern auch sich selbst. Mit ein bisschen mehr Schatten innerhalb der Welt und auch in ihrem Charakter hat sie sich arrangiert. List, um des überlisten willen, ist ihr aber immer noch genauso zuwider, wie andere auszunutzen, so hilfreich es sicherlich in ihrem neuen Leben auch manchmal wäre. Ihr Herz indes hat sich etwas mehr verschlossen und Vorsicht ist mit dem ein oder anderen Verrat einhergegangen, aber dem zum Trotz würde sie immer noch lieber weitere Freundschaften schließen, als sich Feinde zu machen. Ivelle wird gerne gemocht und lernt gerade erst, damit umzugehen, wenn Menschen es nicht tun.
41 Ingameposts | 29.01.2025, 17:07
Basgiath War College
gespielt von Jella
20 Jahre
Reiterin
Vier
Ich atme ein und zähle jeden einzelnen Atemzug. Mach das seitdem ich klein bin und vor lauter Angst vor den Schatten in meinem Zimmer nicht einschlafen konnte. Zieh die Luft durch meine Nase und zähle. Entspannt, fokussiert, lässt mich an etwas andere denken als das Kribbeln unter meinem Brustkorb. Die Fußstapfen meines Vaters sind in diesem Belang groß. Er ist Reiter, ich will eine werden. Das Schwarz der neuen Uniform kommt mir noch falsch vor. Zuhause hab ich’s lieber bunt. Mag weite Pullover, mag Pastelltöne, mag Schwarz nur in Ausnahmefällen. Aber das war die alte Nia Devi, die Neue macht gerade mit den anderen Kadettinnen und Kadetten immer wieder ein paar Schritte nach vorn. Ich will Reiterin werden, nicht nur weil es mein Vater ist, sondern auch, weil ich so zum Schutz des Landes beitragen kann, was ich liebe. Ich bin schon immer Kind von Navarre, war in Lotrotum nur ein paar Jahre, bevor’s nach Adruil ging. Erinnere mich nicht mehr an meine Kindheitstage in Deaconshire, nur an die Sommerurlaube, die mich immer und wieder hingetrieben haben. Der Weg aus Adruil war kürzer. Lege den Kopf in den Nacken und lasse meinen Blick über das College schweifen. Da ist das Gefühl wieder, was mich schon seit Jahren an Atemtechniken festhalten lässt. Angst. Ich hab‘ mich an sie gewöhnt. Ich nehme sie bei der Hand, auch wenn meine Rechte kurz nach den Fingern meiner besten Freundin greift. Damals hab‘ ich mich von der Angst lähmen lassen, heute ist sie mein bester Motivator. Lass zu, dass sich ein kurzes Grinsen über meine Züge schleicht. Spür das Kribbeln und deute es als Aufregung um.

Sieben
Halte den Atem an, zwing die Luft in meine Lungen. Verlangsamt meine Herzfrequenz, das weiß ich. Meine Mutter hat mir die Technik beigebracht, als ich mich nicht getraut habe zur Musikstunde zu gehen, die sie mir organisiert hat. Erinnere mich an meine leise Stimme „Was wenn sie mich nicht mögen?“ und an ihr sanftes Lächeln. Dann sind sie’s nicht wert, hat sie gesagt und mittlerweile bin ich mir sicher, dass sie Recht hat. Ich lass meinen Blick vom College wieder zu den Köpfen vor uns wandern. Es sind viele, die den gleichen Weg gehen wollen wie ich. Viele und doch werden nicht alle Freunde sein. Das ist okay und im Grunde nicht neu. Dass wir um unser Leben kämpfen werden aber schon. Frag‘ mich wer von denen vor und hinter mir als erstes jemanden töten wird. Frage mich, ob ich’s schon während der Ausbildung tun muss. Meine zwei Sicheln führ ich sicher. Ich habe keine Angst vor den ersten Kämpfen, aber der Gedanke daran, Malek zu begegnen lässt das Kribbeln wieder deutlicher werden. Ich halte den Atem an und kurz auch mein Leben. Jetzt, das ist das davor. Das ist noch Nia Devi, die mit den Pullovern und den Glitzersteinen auf den Wangen. Bald ist’s hoffentlich Nia Devi, Reiterin, die Person, auf die man auf der Matte aufpassen muss. Ich weiß die Fußstapfen meines Vaters sind zu groß, aber stolz machen will ich meine Eltern trotzdem. Möchte nicht nur überleben, sondern auch gut sein, indem war vor mir liegt. Gute Noten, die entlocken mir ein Lächeln. Erfolg, der fühlt sich an, als wär’s genau richtig. Als wäre ich richtig.

Acht
Lasse die Luft durch meinen Mund wieder raus. Lass‘ los. Hab‘ viele Erwartungen, vor allen an mich selbst, aber ich straffe die Schultern und lass‘ sie los. Überleben, das wird nicht reichen, aber ich muss auch nicht gleich nach den Sternen greifen. „Wer glaubst du wird Freund und wer Feind werden?“ Meine Stimme gleitet durch ein paar Reihen vor und hinter uns. Erkenn‘ ein paar Blicke, die schärfer werden, aber auch ein paar zuckende Mundwinkel. Das wird kein Kinderspiel, aber wir sind auch keine Kinder mehr. Weiß‘ nicht, ob ich mich schon ganz erwachsen fühl. Aber das wird wohl kommen. Mit den grauen Hallen, die uns zwingen erwachsen zu werden. Nehme ein paar weitere Schritte nach vorn. Ist noch nicht das Viadukt, erst der Aufgang, die Treppen. Meine Muskeln ziehen nicht, sind’s gewohnt. Würde gerne den Rhythmus der Schritte mit den Klängen einer Gitarre untermalen, stell‘ mir meine eigene kleine Hintergrundmusik vor. Meine Stiefel sind rutschfest, als wir schließlich oben ankommen. Oben und somit den Blick aufs Viadukt bekommen. Der schmale Überweg ist keine Klippe, an der man aus Spaß entlang balanciert. Er ist der Weg in unsere Zukunft. In meine. Hebe den Kopf, sorge dafür, dass meine Züge neutraler werden und klopf mit meinen Fingern kurz auf meine Brust. Das Kribbeln ist noch da. Die Angst auch. Ich nehme beides mit meinem ersten Schritt mit. Hält mich nicht auf, als der Wind an meinem Körper reißt. Fühlt sich nicht nur gefährlich an, sondern dank des Adrenalins auch nach Freiheit. Ich bin bereit für diesen Teil meines Lebens. Ich atme ein, ich atme aus und nehme den restlichen Weg.
20 Ingameposts | 02.05.2025, 18:34
Basgiath War College
gespielt von Katja
47 Jahre
Reiter
Ob es das Alter oder die Erfahrung ist, oder ob man den Glauben daran verloren hat, dass Licht einen noch erreicht. Hunter schert sich nicht mehr groß darum, was Menschen von ihm halten, oder denken. Wenn man von sich selbst im Grunde nur Schlechtes erwartet, dann kann man auch getrost darauf scheißen – pardon – was andere glauben zu wissen. Das Auftreten des Mannes wird häufig von einer gewissen Bitterkeit und Härte geprägt. Freundlichkeit sucht man grundsätzlich erst einmal lange bei ihm und seine Art ist – nett beschrieben – eher als barsch und direkt zu beschreiben. Höflichkeit betrachtet er als reine Zeitverschwendung und setzt stattdessen nachdrücklich auf schonungslose Ehrlichkeit. Dabei nimmt er selten ein Blatt vor den Mund und seine Ausdrucksweise ist häufig alles andere als Jugendfrei. Über sich selbst macht der Reiter sich keine großen Illusionen. Er teilt die Welt vor allem in Schwarz und Weiß ein, wobei er Weiß nur einen kleinen Raum gibt. Dunkelheit sieht er als vorherrschend an, um ihn herum, in ihm selbst. Seine eigene Dunkelheit, hat er angenommen und sieht in sich selbst keinen guten Menschen. Aber vielleicht ist er ein schlechter Mensch, der versucht auf der richtigen Seite zu stehen. Einer der bereit ist Grenzen zu überschreiten und vielleicht so Dinge erreichen kann, an denen andere scheitern, weil sie diese Grenzen nicht bereit sind zu durchbrechen, weil sie Angst davor haben, was es sie selbst kosten könnte. Hunter kennt diese Angst nicht, weil er glaubt, dass nicht mehr viel in ihm verloren gehen kann. Er ist bereit den Preis zu zahlen, wenn es Jene beschützt, die ihm noch etwas bedeuten, denen er Loyalität entgegenbringt. Dabei kann er schonungslos sein und ein erneutes Versagen, will und kann er sich nicht gestatten. Zu schwer wiegt die Schuld, die auf seinen Schultern liegt, als Vater versagt zu haben und die Hinrichtung seiner Tochter nicht verhindert haben zu können. Dieses Ereignis hat einen Großteil seines heutigen Charakters geprägt. Die Hilflosigkeit, die immer noch in seinen Eingeweiden wühlt, hat sich seit dem nie ganz vertreiben lassen und sich nur von dieser gewissen Wut in Griff halten lässt, die er immer mit sich rumzutragen scheint. Vorher schon. Seit dem noch mehr. Vertraut und ein willkommenes Ventil. Hunter scheint immer ein wenig angespannt zu sein und nicht selten kommt es vor, dass er die Kontrolle verliert. Ein Stück Erleichterung und für einen Moment eine Hilfe, um den Schmerz im Inneren zu vergessen. Zu den meisten pflegt er ein eher distanziertes Verhältnis und hinter diese Mauern zu kommen – ist erst einmal nicht leicht. Er ist verschlossen und abweisend. Es fällt ihm schwer, andere an sich ran zu lassen. Er weiß, dass er eher verbittert ist und nicht mehr viel Gutes sieht. Er weiß, dass er sich verändert hat, weniger lacht als früher und allem etwas Schweres anzuhaften scheint. Über sich selbst würde Hunter nicht viele positiven Eigenschaften aufzuzählen wissen. Dabei sind sie durchaus vorhanden. Ohne zu Zögern, würde er für andere sein Leben geben, vielleicht weil ihm sein eigenes nicht mehr so viel bedeutet. Denen, die ihm etwas bedeutet – die Wenigen Freunde, sein Sohn, der Rest Familie – bringt er unerschütterliche Loyalität entgegen und würde für sie immer Alles stehen und liegen lassen. Mit seiner stillen Art ist er ein guter Zuhörer und seine Ratschläge sind nicht immer schlecht, manchmal etwas derb geäußert.
37 Ingameposts | 03.03.2025, 17:57
Militär Navarre
gespielt von Josi
22 Jahre
Reiter
Wohin gehen die Sterne, dann, wenn es so hell ist, dass man sie nicht mehr sehen kann?, habe ich meine große Schwester gefragt, als ich vielleicht vier, oder fünf Jahre alt war. Sie gehen nirgendwo hin, sie sind immer da, auch wenn du sie gerade nicht sehen kannst, so wie ich. Das war ihre Antwort und ihre Stimme klingt noch immer in meinen Gedanken nach. Heute weiß ich, es war eine Lüge, wenigstens ein bisschen. Die Sterne sind noch da, aber sie ist es nicht mehr. Endgültig. Sie verbrannte, am 1. July 628 nach der Vereinigung von Navarre nach der Schlacht von Aretia, hingerichtet zusammen mit unserer Mutter und ich werde diesen letzten Blick in ihre Augen nie vergessen, das Geräusch ihres Schreies, an welchen ich mich meine zu erinnern, auch wenn man sagt Drachenfeuer sei zu heiß dafür, es ginge zu schnell. Sie war die Reiterin von uns, sie wollte hoch hinaus und in die weite Welt, zu den Sternen, über das Meer... ich wollte eigentlich immer nur zu Hause sein, in den vertrauten Straßen von Aretia. Wäre die Rebellion nicht gewesen... ich weiß, es ist ein mühseliger Gedanke, ein nutzloser vielleicht. Ich hätte trotzdem nicht immer da sein können, wegen der Wehrpflicht und jetzt, existiert es nicht mehr so, wie es damals war... aber wenn... ja, wenn... ich wäre vermutlich noch immer dort, würde die Einkäufe unserer Nachbarin in ihr Haus tragen, die mir schon als kleiner Junge steinalt vorgekommen war und deren Falten noch tiefer wurden, wenn sie dankbar lächelte. Ich würde den Ausblick genießen, wenn man in die umgebenden Berge wanderte und auf die Stadt herunter blickte, die frische Luft, das eiskalte Wasser der Bergseen, den Geruch, wenn es regnete, die Stille, wenn der erste Schnee fiel. Ich würde den leicht resignierten Blick meiner Mutter mit einem entschuldigenden Schulterzucken erwidern, den sie mir zugeworfen hat, wenn ich mal wieder eine kleine Katze, einen verletzten Vogel, das kaputte Spielzeug eines anderen Kindes nach Hause und sie mir helfen musste, beim gesund pflegen, beim reparieren... Zum Einberufungstag wäre ich in den Heilerdquadranten gegangen, hätte gelernt, meine Pflicht getan und wäre nach Hause zurück gekehrt. Ich wäre noch immer der kleine Bruder einer mutigen großen Schwester. Aber es gab die Rebellion. Ich bin heute nicht dabei Heilkunst zu erlernen, sondern als Gezeichneter in den Reiterquadranten gekommen. Gezeichnet... als würde das Muster, dass sich meinen rechten Arm hinauf zieht, irgendetwas von mir Beschreiben, als könnte es so einfach zeigen, was passiert ist, was sich verändert hat, was mich... gezeichnet hat, verändert. Die Chance auf ein anderes Leben, die Chance an einem anderen Tag zu sterben. Naja... es gab einige und ich bin noch da. Es wird weitere geben, hier, im Reiterquadranten, der sich inzwischen gar nicht mehr so fremd anfühlt, wie am ersten Tag, ein bisschen Schrecken verloren hat. Ich bin in meinem ersten Jahr als Rookie nicht gestorben, auch wenn kein Drache mich binden wollte. Nun eben ein zweites Mal. Zumindest jetzt noch, ist ein bisschen Familie hier und von vielen Fremden, sind ein paar zu Freunden geworden. Es ist nicht alles so schwarz, wie die Uniformen, ich bin immerhin nicht der Schlechteste, stärker als ich es zu Beginn war, auch hier gibt es Berge, ich lerne Nützliches und selbst in den dunklen Nächten, sind auch hier die Sterne.“
112 Ingameposts | 23.03.2025, 12:00
Basgiath War College
gespielt von Josi
41 Jahre
Reiter
„Jacoby... Mercer“... Verwirrung zeichnete den Blick zweier Männer. Der eine war beim ersten Wort sichtlich irritiert, der andere bei der Aussprache des zweiten kurz ins Stocken geraten. Bei Mercy dauerte es nur einen Sekundenbruchteil, weil er schließlich prinzipiell schon wusste, dass das nun einmal sein Vorname war, auch wenn er ihn seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr gehört hatte. Einfach niemand nannte ihn so, nicht einmal mehr seine eigene Mutter, so selten er auch mit ihr zu tun haben mochte. Er stellte sich nicht damit vor, wenn er jemanden kennen lernte, außer man fragte ihn explizit danach und er fühlte sich jedes bescheidene Mal nur begrenzt angesprochen, aber es war sein fucking Vorname. Der letzte Mensch, der ihn regelmäßig verwendet hatte, war sein Vater gewesen und genau an diesem Aspekt, hing vermutlich der andere Mann gedanklich, der kurz in seiner Akte blätterte und das Blatt mit persönlichen Daten kritisch musterte. Irgendwo darin würde stehen, dass er der Sohn des Herzog von Luceras war und die Tatsache, dass er ganz offensichtlich nicht den Nachnamen Terrell trug, reichte wohl aus um ihn als Bastard zu brandmarken. Tja. Sein Vater war tot, spielte also nicht mehr wirklich eine Rolle. Seine Stiefmutter würde seine Existenz sicher am liebsten vergessen, außer er war ihr gerade nützlich. Die spielte also auch nicht wirklich eine Rolle, aber da waren seine Schwestern und die waren wichtig. Das Wörtchen halb hatte für Mercy keinerlei Bedeutung, außer vielleicht bei dem Jüngsten, dem Halbbruder zu dem das Verhältnis nicht ganz so eng war, aber wenn man mal ehrlich war und das war er generell eher zu oft als zu selten, hatten sie auch nichts gemeinsam. Anders sah es da bei der Familie mütterlicherseits aus, ebenfalls ein Halbbruder, ebenfalls jünger als er selbst. Familienstand? Mercy zog eine Augenbraue hoch, ein ganz kleines bisschen genervt. Ledig, nannte man das wohl offiziell, auch wenn es in seiner Vergangenheit jemanden gegeben hatte. Nur hatte das wirklich nicht funktioniert und noch heute ließ man ihn mit ihr besser nicht allzu lange in einem Raum allein. Vielleicht gab es sonst Tote, oder sie hatten mal wieder Sex. Kinder? Ein Sohn, von dem er schon immer gewusst hatte aus eben jener verkorksten Beziehung und dann das, was einem bei seinem Lebensstil in der Vergangenheit vielleicht nicht wirklich überraschte. Eine Tochter, von der er erst kürzlich erfahren hatte. Eine Tochter, die er sich nun bemühte kennen zu lernen. Und weiter? Mercy mochte es mal so ausdrücken: bisher hatte sich sonst noch niemand bei ihm mit der Behauptung gemeldet, er wäre noch mal Vater. Mit seinen 41 Jahren war er immerhin auch noch nicht raus aus diesem Spiel, auch wenn Familiengründung nicht unbedingt in sein aktuelles Lebensmodell zu passen schien, die Gefahr zu sterben war zu präsent, beinahe jeden Tag. Als Reiter in einer Staffel, die manchmal nur halb im Spaß Selbstmordkommando genannt wurde, war ja nicht unbedingt gesagt, dass er mal ein alter Mann wurde. Die Vorstellung war für Mercy aber auch selbst eher unvorstellbar, alt sein, eingeschränkt in Stärke und Beweglichkeit, hilfsbedürftig vielleicht sogar. Für den eigenständigen, selbstbewussten Mann war das kein erstrebenswertes Ziel. Dann lieber der Tod, vielleicht ruhmreich. Er hatte eh schon mehr erreicht, als er in seiner Jugend mal erwartet hatte. Verdammt viel mehr. Er war höher gekommen, als in den dreckigen Straßen von Blenanchor, gewagt hatte zu hoffen. Bis auf den Rücken eines Drachen und über die Wolken. Gleichsam hatte er weniger zu Verlieren als Menschen aus intakteren Sozialgefügen, weil die Welt sich auch ohne ihn weiter drehte, die Menschen die ihm am Herzen lagen, ohne ihn Leben, vor allem Überleben konnten. Nicht unbedingt wichtig zu sein war manchmal auch ein Vorteil, als Soldat, als jemand für den der Kampf zählte, manchmal mehr als der Sieg und das ihm das Überleben anderer manchmal wichtiger war, als das eigene, grenzte vielleicht ein bisschen an Wahnsinn, aber es waren schon immer eher Menschen gewesen, mehr als Dinge, für die er lebte.
79 Ingameposts | 09.02.2025, 14:22
Militär Navarre
gespielt von Jani
22 Jahre
Reiter
Ich weiß nicht mehr, wer ich bin. Bin zumindest nicht mehr einfach nur Kallias, wie ich es zu Schulzeiten war. Werd‘ nicht mehr für den Klassenclown gehalten, auch wenn ich mich immer wieder aufs Neue in Situationen manövriere, in denen man die Augen über mich verdreht, in denen sich die Mundwinkel nach oben heben. Situationen, die mich überfordern, weil ich mich nicht richtig auszudrücken weiß. Weil ich mit allem, was ich fühle, nicht immer zurechtkomme. Vielleicht versuch‘ ich zu sehr an etwas festzuhalten, was es nicht mehr gibt: an mir selbst. Erkenn‘ nicht nur in meinem Spiegelbild die Veränderungen der letzten Jahren, sondern auch in meinen Ängsten und Gedanken. In der Hoffnungslosigkeit, die mir an manchen Tagen anhaftet. Meistens ist das, was man bekommt, das, was man sieht und in meinem Fall ist das Erste, was einem auffällt, das Schwarz meiner Kleidung. Es macht mich offensichtlich zu einem Reiter, bedenkt man mein Alter und die Tatsache, dass mein Blick nicht selten ins Leere geht, weil ich im Inneren Diskussionen mit einem Drachen führe, den ich eigentlich nie hatte haben wollen. Gibt unzählige Kinder, die es anders gesehen haben; die darin Stärke, Kraft und Ruhm vermutet haben. Deren Traum es gewesen ist, meine Zukunft zu haben. Ich dagegen – ich hab‘ mir immer ein anderes Leben gewünscht. Inzwischen für uns beide, vermutlich. Aber ich kann auch das Rebellionsmal auf meiner Haut nicht ignorieren. Kann’s nicht einfach abwaschen, kann die Erinnerungen nicht einfach verlieren und überschreiben. Mit glücklicheren Momenten übermalen. Die Schlacht um Aretia hat mir den Boden unter den Füßen genommen, mich in Wasser gestoßen und mich nach Luft ringend zurückgelassen. Sie hat mich verändert und zu etwas gemacht, woran ich mich noch immer nicht gewöhnt habe. Würd‘ ich’s zugeben, wäre es vielleicht mein Tod. Eine Schwäche, die ich mir nicht mehr erlauben darf. Zweifel, die nur die wenigsten nachvollziehen können. Deswegen schreib‘ ich sie auf. In unzähligen Briefen, in Zeichnungen und Notizen. Damit ich mich an Tagen daran festhalten kann, an denen es sich anfühlt, als würde alles über mir zusammenbrechen.

Vielleicht wäre es leichter, wenn ich zumindest dem Gerede um mich herum entgehen könnte. Den Worten anderer ausweichen könnte, weil sie immer schon zu viel Macht über mich gehabt haben. Ihre Meinungen, ihr Geflüster. Die Angst, andere zu enttäuschen. Zuerst war’s nur ein Rauschen, wie Wind, der durch Blätter fährt. Dann kamen die Stimmen, übereinandergelegt, als hätte jemand dutzende Gespräche gleichzeitig aufgedreht. Schritte. Das Klirren von Metall. Das Knarren eines Stuhls. Es war alles dort, alles auf einmal in meinen Ohren, in meinen Gedanken, in meinem Kopf. Urteile und Einschätzungen, die ich nicht hören wollte und um die ich nicht gebeten habe. Seither ist Stille für mich fremd, auch wenn man denken sollte, dass andere in Anbetracht meiner Siegelkraft der Schallsuche verstummen würden. Stattdessen scheinen sie mir ihre Gedanken geradewegs ins Gesicht schreien zu wollen; Sohn von Verrätern genannt zu werden, ist dabei wohl noch eine der netteren Aussagen. Anfangs hat’s mich verletzt. Anfangs hab‘ ich mich gefragt, wieso man so über mich redet, ohne mich zu kennen. Dass ich niemanden verraten habe. Dass meine Eltern loyal waren. Inzwischen schaff‘ ich es immer besser, es auszublenden – die Geräusche, das Geflüster, die Zweifel. Vermutlich für mein eigenes Wohl, aber vielleicht auch für das der anderen Kadett:innen. Für die, die keinen Hehl aus ihrer Abneigung machen. Denn ich bin wütend. Ich bin nicht mehr wie damals, nicht mehr nur Kallias. Und auch wenn’s mir früher fremd gewesen ist, so versteh‘ ich’s jetzt. Wut und Hass und der Wunsch nach Rache. Vielleicht nicht für meine Familie, nicht für meine Heimat, aber für die Ungerechtigkeit und Grausamkeit, die dem allen zugrunde liegt.
4 Ingameposts | 23.12.2025, 19:34
Basgiath War College
gespielt von Rieke
48 Jahre
Reiter
Glücklicherweise verändern sich Menschen in ihrem Leben und entwickeln sich weiter; sind nicht mehr so, wie zu ihrer Jugend oder gar Kindertagen. Die meisten jedenfalls. Heute ist Drystan besonnener, ausgeglichener. Als mittleres Kind von 7 schuf er sich schnell den Ruf, dass er um Aufmerksamkeit kämpfte. Selbst dann, wenn er daran nicht zu kurz kam. Er wollte auffallen, egal wie. Sicher, nicht immer war das positiv. Er konnte gemein zu seinen Geschwistern sein, sie ärgern, aber es ging nie über Geschwisterstreitigkeiten hinaus. Es wurde nie zu viel, weil notfalls doch mal die Eltern oder die älteren Geschwister einschritten. Es war okay. Es gab dennoch nie die Bedenken, er könne seine Familie nicht ebenso sehr schätzen, wie es alle anderen taten. Denn bei den Canmors steht Familie seit jeher an erster Stelle. Eine Philosophie, die auch Drys verinnerlichte.
Mit der Pubertät und den Anstrengungen, als erster des Familienzweigs dem Reiterquadranten beizutreten, kamen auch die Veränderungen. Man wurde erwachsener, vernünftiger, verantwortungsbewusster. Noch immer schienen die Momente durch, in denen man über die Stränge schlug, einen Kommentar zu viel brachte oder sich einen Spaß mit den anderen erlaubte, den nicht jeder so lustig fand. So ist er auch heute noch. Aber er ist in seine Rolle und seine Verantwortungen hineingewachsen. Er braucht die Aufmerksamkeit nicht mehr, wenn er sie sich nicht erarbeitet hat. Vermutlich ist es heute angenehmer mit ihm als damals. Wobei es wohl ganz darauf ankommt, wen man fragt.

Seit nunmehr 25 Jahren ist er an einen Drachen gebunden, Reiter, hat sein Ziel erreicht und versucht doch immer wieder, seine eigenen Grenzen zu überschreiten, besser zu werden. Nicht nur in seinen Fähigkeiten, in seinen Eigenschaften. Er weiß, dass er es nicht beeinflussen kann, ob jemand ihn als Vorbild ansieht, aber wenn ja, dann möchte er ein gutes sein. Immerhin ist er Vater, Onkel, Bruder, Kamerad, Staffelführer. Er macht das Beste aus dieser Verantwortung, überdenkt seine Entscheidungen viel mehr, als es damals je der Fall gewesen wäre. Aber er hat klare Prioritäten. Seine Familie steht an erster Stelle. Dann seine Kameraden. Dann das Königreich. Sagt er nur nicht so. Und er sorgt sich. Beinahe täglich. Weil er die Geschehnisse in Aretia erlebt hat. Weil er Kinder hat, die in dieser Welt aufwachsen und ihren Weg finden sollen. Weil ihm die Neulinge zugeteilt wurden, für die er sich mehr als nur verantwortlich fühlt.

Manchmal kommt er noch durch: Der übermütige Drys, der seine Ausbildung begonnen hat – und schon damals jede Woche einen Brief an eines seiner Geschwister geschrieben hat, damit niemand zu kurz kam nach dem ersten Jahr – und keinen Scham empfindet für einige Entscheidungen. Es ist kein Geheimnis, dass seine Ehe seit Jahren mehr als kompliziert ist. Ebenso wenig ist es ein Geheimnis, dass er seiner Frau dennoch absolut treu ist. Weil er sie liebt. Noch genau so wie damals. Manche Menschen können nur einfach nicht beieinander sein, ohne sich zu schaden. Weiß er. Aber niemals würde er sie deshalb aus seiner Familie streichen. Sie und seine Kinder sind seine Familie. Und er könnte nicht stolzer auf die leichtsinnige Entscheidung von damals sein.
Drystan hat viele schlimme Dinge erlebt. Er hat Verluste betrauert. Er denkt heute noch oft an jene, die er verloren hat. Aber er bereut den Weg, den er gegangen ist nicht.
9 Ingameposts | 17.06.2025, 17:35
Militär Navarre
gespielt von Berrie
36 Jahre
Infanterist
Du gehst. Gehst einen Schritt nach dem anderen. Nimmst die Hürden, siehst sie auf dich zukommen, sie rollen wie die meterhohen Wellen eines Meers, das du nicht gesehen hast, auf dich zu. Du überwindest sie, als seien sie nur eins: Illusionen in deinem Kopf. Der Glaube an dich geht weiter als Hoffnung, ist Teil von dir. Verankert in jedem Zentimeter, in deinem Geist, in deinem Körper, in deinem Selbst. Glaubst daran, dass du dieses Leben leben kannst, dass du jede Schwierigkeit meistern kannst, gleich, was sie dich kostet. Der Preis war hoch, hätte dich zaudern lassen können. Aufgeben lassen können. Mit einem Fuß über der Klippe, hast du die Schlucht vor dir gesehen. Aussichtslos, endlos weit und so tief, dass du den Grund nicht erkennen konntest. Du hast dich ihr gestellt; dieser Herausforderung. Und tust es noch. Jeden einzelnen Tag.

Du fällst. Die Realität stellt sich dir entgegen, kein Schwert, kein Hammer, keine Axt konnte dir helfen, den Gegner zu bezwingen, der in deinem Kopf sitzt. Spürst noch immer die Schmerzen, sie pulsieren, genau dort, wo einst ein Teil von dir war, der heute fehlt. Eine Hand zur Faust geballt, ringst du sie nieder, die Dämonen. Die Qual, die dich einholt, wenn die Wolken sich dicht über dem Himmel verschließen. Das Ziehen und Zurren, das Pochen. Du bist unvollständig – und bist es nicht. Nie gewesen, für immer gezeichnet. Stolperst, verlierst dein Gleichgewicht, die Waage in dir gerät aus dem Lot, doch wo anfangen, wo beginnen mit dem Kampf gegen den eigenen Körper? Du gibst nicht auf, nie, bist ein Kämpfer, beißt die Zähne zusammen, spürst das Leder in deinem Kiefer, das den letzten Schrei schluckt. Wenn du träumst, träumst du vom Laufen.

Du rennst. Gegen deine eigenen Grenzen an, gegen die Mauern, die sich vor dir aufbauen. Überwindest täglich neue, als Pendant zu Träumen, die du auch ohne Schlaf leben willst. Glaubst an den Grund, für den du morgens aufstehst, glaubst an den Wert, den Freiheit besitzt. Kein Verlust groß genug, der Ziele und Ideale aus drei Jahrzehnten zerstreuen könnten. Bist nicht gebrochen, nicht zerbrochen, nicht daran, dass du nicht mehr ganz, nur noch halb bist, nicht an den Blicken, nicht an den Zweifeln, nicht an all den schweren Worten. Du lebst für deinen Dienst, lebst für die Person, die du bist, für den Wert, den du bringen kannst. Weiter, weiter, immer weiter treibt es dich. Muss dich mehr kosten als ein Bein, um dich zu verlieren.
4 Ingameposts | 22.09.2025, 06:57
Militär Navarre
gespielt von Jani
30 Jahre
Reiter
„Komm wieder rein, Taron.“ Die Stimme deiner Mutter dringt kaum hörbar durch das Prasseln des Regens zu dir. Drehst den Kopf nur langsam in ihre Richtung, vielleicht weil du im ersten Moment glaubst, es dir eingebildet zu haben. Aber sie steht da: am Zugang zur Mauer, den Stoff ihrer Jacke vor ihrer Brust zusammenhaltend, um sich zumindest ein wenig vor dem Sturm zu schützen, der vom Meer heraufgezogen ist. Die Steine unter dir sind rutschig, deine Kleidung durchnässt, aber dich stört’s nicht. Im Gegenteil; du magst es. Die Ruhe, die dadurch entsteht. Dass deine Schritte im Wind verloren gehen und niemand bemerkt hat, wohin du verschwunden bist. Weder dein Bruder noch dein Vater. „Ich sollte üben.“ Es ist nur die halbe Wahrheit, eigentlich müsstest du gerade am Schreibtisch sitzen und die Geschichte des Königreiches durchgehen, aber die Alternative erschien dir für deine Zukunft hilfreicher. Kannst den Ausdruck im Gesicht deiner Mutter nicht deuten, dafür ist sie ist zu weit von dir entfernt. In Sicherheit, während du auf den Mauern balancierst und dich dazu zwingst, nicht nach unten zu sehen. Deinen Blick vorne zu behalten. Es ist ein weiter Fall, wenn du das Gleichgewicht verlierst. Wenn du ausrutscht und dadurch Malek begegnest. Dein Bruder hat dir davon erzählt, als er das erste Mal mit eurem Vater hier gewesen ist, um zu trainieren. Dass er ihn auf die Brüstung klettern ließ und ihn dabei beobachtete, wie er einen Fuß vor den anderen gesetzt hat. Du bist danach einige Male mit ihnen hier gewesen; hast jedes Mal den Atem angehalten, wenn er kurz ins Wanken geraten ist und sich wieder fangen musste. Damals dachtest du: ich werd‘ fallen. Aber seitdem sind zwei Jahre vergangenen. Du bist noch immer ein Kind, aber langsam verschwimmen die letzten deiner kindlichen Züge. Du wirst größer, stärker, koordinierter. Und du realisierst langsam, worauf du bereits dein gesamtes Leben vorbereitet worden bist. „Ich komm‘ gleich rein, Ma.“ Sie schüttelt den Kopf. Eine Bewegung, die du allein aus dem Augenwinkel heraus erkennst. „Jetzt.“ Normalerweise ist sie geduldig mit euch, sanft. Aber gerade klingt sie bestimmt, als würde sie abwägen, ob sie dich von der Mauer herunterholen muss, damit du gehorchst. Ist nicht das erste Mal, dass du dir denkst, dass sie anders ist. Anders als dein Vater, anders als dein Bruder, anders als du. An ihr ist nie etwas kalt, sie hat sich immer die Zeit genommen, dir Dinge zu erklären. Sie ist ruhig, nicht impulsiv, nicht unvorhersehbar. Deswegen verstehst du nicht, warum sie gerade verärgert erscheint: denn sie wird sich genauso wie du damit abfinden müssen, dass einer deiner Füße stets über der Schwelle zum Tod stehen wird. Streckst deine Arme bei der nächsten Böe aus, um nicht mitgerissen werden und für einen Augenblick glaubst du, dass es sich so vielleicht anfühlt, auf dem Rücken eines Drachens zu stehen; wild und unberechenbar und frei.

Du bist immer noch am Balancieren; nicht mehr über Baumstämme, Mauern oder Viadukte, sondern durchs Leben. Lehnst dich mal mehr in die eine, dann in die andere Richtung. Fast so als könntest du dich nicht entscheiden, wer du sein willst. Wer du bist. Manchmal bist du arrogant; hebst das Kinn an, wenn man dir zu nahe kommt. Lässt andere den Abstand spüren, den du brauchst, um die Kontrolle zu behalten. Dann gibt’s Momente, in denen du lachst. Laut und unbeständig und irgendwie ansteckend. Ist wie ein Riss im Mauerwerk, kaum sichtbar, aber beweisend, dass dahinter mehr steckt. Etwas, das dein Vater als weich bezeichnen würde, was du inzwischen aber auch als Stärke erkennst. Dein Kreis ist nicht mehr so klein wie damals zu Ausbildungszeiten; du hast Menschen, denen du vertraust und die eine Seite von dir zu sehen bekommen, die nach außen schwer mit dem Rest in Verbindung zu bringen ist. Mit der Kälte und der Grausamkeit. Die Seite, in der du dich beinahe instinktiv vor sie stellst. Unabhängig davon ob’s bedeutet, am anderen Ende einer Klinge zu stehen. Es ist dein größtes Geheimnis, dass du im Inneren genau weißt, wer du bist. Dass du gelernt hast, dich zu verstecken. Anzupassen. An jeden Raum, an jede Begegnung, an jede Erwartung. Selektierst, wer welche Version von dir sehen darf. Wechselst Masken und fragst dich trotz allem, ob du dich mit der Zeit nicht vielleicht doch in einer von ihnen verlieren könntest.
5 Ingameposts | 11.11.2025, 19:33
Militär Navarre
gespielt von Jella
30 Jahre
Reiterin
An deinen Fingern klebt Farbe. In einem anderen Leben wärst du Künstlerin geworden und hättest dich voll und ganz den Leinwänden verschrieben, die sich auch heute in jedem Raum stapeln, den du bewohnst. So lange zumindest bis du sie dem Feuer übergibst, weil kein Platz mehr da ist. Weil du nicht mehr sehen kannst, was du erschaffen hast, wenn es dich zu sehr an deine eigenen Gefühle oder Unzulänglichkeiten erinnert. Was andere in Worten formen, hast du schon immer in der Malerei verarbeitet. An den Tagen, an denen du keine Leinwand zur Hand hattest, musste ein Bleistift auf Papier reichen. Dein Inneres nach außen zu tragen und ihm Form sowie Farbe zu geben, war für dich schon immer die beste Ausflucht. Deswegen teilst du deine Kunst nicht. Du hältst sie nah bei dir, dort wo auch dein Herz klopft. Ein Stück von ihm findet sich in der Farbe, deren Überreste sich so oft noch an deinen Händen finden, wenn du sie nicht loswerden musst. In deinem Berufsalltag ist kein Platz für diese Farbe, selbst wenn sie sich von Schwarz absetzen würde oder gerade weil sie in der Lage dazu wäre. Wann immer du deine Uniform trägst – und das tust du die meiste Zeit deines letzten Lebensjahrzehnts – malst du aus dir ein anderes Bild. Dann bist du Reiterin mit durchgestreckten Schultern und erhobenen Kopf. Dann findest du in deiner Umgebung nicht länger nur das Schöne, sondern Misstrauen, Gefahren, Hinweise. Es ist dein Erbe und doch ist’s das auch nicht. Dein Vater wollte nicht, dass du in seine Fußstapfen trittst und sorgte damit dafür, dass du’s wolltest. Es ihm beweisen, irgendwann nur noch dir selbst, mittlerweile nur noch Malek, indem du jeden weiteren Tag überlebst.

In einem anderen Leben wärst du nicht nur Künstlerin geworden, sondern hättest die Gänge, in denen deine Mutter aufgewachsen ist, vielleicht deine eigenen genannt. Aber du standest immer einen Schritt davon weg – von der Vorstellung einer richtigen Familie. Du weißt, dass niemand darüber das Gesicht verzogen hat, dass du ein uneheliches Kind bist, lediglich darüber dass du ihr uneheliches Kind bist. Sie hatte so viele Möglichkeiten und hat doch keine genutzt. Sagen sie. Und du? Du fragst was aus ihr geworden wäre, hätte es dich nicht gegeben. Du fragst dich, was aus dir geworden wäre, wäre dein Vater ein anderer, unverheirateter, vielleicht adeliger Mann gewesen. Du misstraust der Liebe, seitdem du klein bist, schließlich hast du den Schmerz gesehen, den sie hinterlassen kann. Kennst ihn mittlerweile selbst und hast deine Vorsätze mit einem gebrochenen Herz erneuert. Du willst auf deinen eigenen zwei Füßen stehen. Du willst –

und kannst doch heute nicht mehr genau sagen, was genau. Das Schwarz ist’s nicht, auch wenn du deinen Beruf mit derselben Sorgfalt ausführst, mit dem du ihn ergriffen hast. Es ist nicht deine Bestimmung, glaubst du. Aber welche es ist, hast du noch nicht gefunden. Du hast Zeit, sagt dein Drache. Und vielleicht ist’s auch nicht ganz so leicht, herauszufinden, was man will, wenn man einen Weg bereits zu weit gegangen ist. Du weißt du kannst dem Reitersein nicht den Rücken kehren, aber du weißt auch, es ist nicht alles. Nicht alles, was du brauchst. Nicht alles, was du willst. Die Magie hat’s dir noch deutlicher gemacht. Die Astralebene ist mehr nur als ein Ort, den du für deine Arbeit nutzen kannst. Sie ist mehr, an den Stellen wo du dich weniger fühlst. Sie ist die Zuflucht, die du in der Kunst findest, aber auch anders. Drohst dieser Tage oft dich in ihr zu verlieren, weil du dich abseits der Blicke dort wohler fühlst. Dabei ist verschwinden schon seit Jugendtagen nicht mehr das, was du willst. Was dann? Haderst immer und immer wieder mit den Fragen, wenn du in Farben eintauchst. In die der Astralebene, deren Schönheit und Besonderheit du bisher nie ganz richtig festhalten konntest, und in die, mit denen du versucht Gefühlen eine Form zu geben. Dir fällt’s immer noch leichter zu wissen, was du nicht willst. Aber vielleicht findest du auch noch heraus, was du willst.
6 Ingameposts | 11.11.2025, 19:39
Militär Navarre

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