Codex of Flame and Fury
codex of flame and fury
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Charakterliste
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gespielt von Maj
40 Jahre
Reiterin
Violaine Ishabel Canmor - Sternschnuppe des Südgeschwaders.
Bis vor fünf Jahren war sie Stern: Trotz einer ungewöhnlichen und teils einschränkenden Siegelkraft hat Violaine Karriere gemacht. Mühelos. Früh wurde sie Staffelführerin ihrer Einheit in Zyrfall. Fast genauso früh übernahm sie die Verantwortung für den gesamten Schwarm, der sich damals auch über Sumerton und Athebyne verteilte. Vielleicht zu früh, sagen manche. Aber wo Licht ist, ist immer auch Schatten. Und genau deswegen ist sie dem Südgeschwader heute schnuppe: Nach der Niederschlagung der Rebellion hat man Laine degradiert und aus übertriebener Vorsicht ans andere Ende des Landes versetzt.
In Huwen klappern ihr jetzt (un)regelmäßig die Zähne. Den Rang Leutnant Colonel hat man ihr noch zugestanden, aber eingesetzt wird sie als einfache Soldatin in der Küstenwache zwischen Winterstürmen und Eiseinbrüchen.
Aber mit Violaine kann man dergleichen ja machen. Es fließt zu wenig (falscher) Stolz durch ihre Adern, um verletzt auf den Verlust von Rang und Verantwortung zu reagieren. Und vielleicht waren diese Konsequenzen nach der Rebellion auch gerechtfertigt. Immerhin hatte Violaine nichts bemerkt - oder einfach nur nichts gemeldet? Immerhin war sie von den Ereignissen ebenso überrascht worden wie andere. Immerhin hatte auch sie der Rebellion nichts Besseres entgegenzusetzen als… eine verbrannte Stadt und hingerichtete Familien. Immerhin war der Süden danach nicht mehr der gleiche und viele ihrer Freunde tot, deren Kinder auseinandergerissen und in alle Winde verstreut. Immerhin waren die Fragen naheliegend, wie das hatte passieren können und warum ausgerechnet Laine überlebt hatte.
Für Selbstgeißelung könnte man es halten, dass Violaine in den fünf Jahren seither nie auch nur einen Versetzungsantrag gestellt hat - und verkennt sie damit. Von der Siegelkraft bis zu Charakterzügen und Verhaltensweisen ist ein Vergleich Violaines mit einem Delfin absolut gerechtfertigt. Sie hat die gleiche, unerschütterliche Freundlichkeit. Wirkt auf andere, als ruhe da immer wenigstens ein sachtes Lächeln in ihren Mundwinkeln - meistens mehr. Übermütig, fast verspielt ist sie. Energiegeladen genug, dass alles, was sie anfasst, mühelos erscheint und sie oftmals die richtigen Worte für andere findet. Ganz so, als helfe ihre Siegelkraft ihr, nicht nur den körperlichen Zustand ihres Gegenübers zu verstehen.
Mit der gleichen Leichtigkeit steht Violaine im Mittelpunkt - und macht sich nichts daraus. Gelernt hat Laine zwar, sich gegen sechs ältere Geschwister durchzusetzen, ist aber auch mit deren absolutem Rückhalt vertraut. Es ist die eigene Familie, die Violaine eine bemerkenswerte Resilienz schon in die Wiege gelegt hat. Mit dieser einher gingen Möglichkeiten, alles zu werden, statt der Erwartung, in familiäre Fußstapfen zu treten. Ansässig in Geata Amari und Calldyr Stadt gehört Laines Familie zu den erfolgreichsten Kaufmannsfamilien des Landes. Nebenbei machen sie sich einen Namen im Militär, wenn auch Violaines eigener - aufgrund der abgebrochenen Karriere - kaum noch ins Gewicht fällt.
38 Ingameposts | 23.06.2025, 21:08
Militär Navarre
gespielt von Miri
38 Jahre
Reiter
Dein Lachen ist laut. Da, hier, wo’s laut sein darf. Frei. Rollst mit den Augen, immer noch lachend. Hast Blicke bei denen, die dir Geschichten so erzählen, dass sie lebendig werden. Immer zwei offene Ohren und den Mund, die Lippen, Kinnlade, ein Stück runter. Eine Frage, noch eine, zwei, drei. Kannst nie genug wissen, nie genug haben. Die Neugierde, die hinter den aufmerksamen Blicken steckt, die’s schließlich nie gestillt. Manchmal da fällt es dir richtig leicht die richtigen Fragen zu stellen, an den richtigen Orten zu sein, da zu sein. Dann ist dieses: ein guter Freund sein, so leicht als wär das alles was du bist. Obwohl du oft genug das Gegenteil davon bist, das Gegenteil von leicht, das Gegenteil von gut.

Die Ruhe, die Stille, das Abwarten. Sturm, der unter deinem Brustkorb tobt und nur die Miene, die nach Außen nichts durchscheinen lässt. Bist kontrolliert, gefasst, nachdenklich. Lieber zwei Worte zu spät, als überhaupt etwas sagen, weil du deine Zeit brauchst um Entscheidungen zu treffen mit denen du dich wohl fühlst. Du willst nichts falsch machen. Sei es bei den einfachen Dingen, oder den großen. Deine Mutter sagt, dass du hättest dem Brot beim Backen zusehen können, weil ihr in eurer Ruhe, dem stillen aufgehen, so gleicht.

Da sind Geheimnisse, Dinge, die du nicht sagst, nur denkst, still trägst, die sich mit wenigen, mit beinahe niemanden und dann mit niemanden teilen lassen. Gewicht, das auf deinen Schultern sitzt. Verantwortung, der du nie ausweichst, auch wenn du nicht danach gefragt hast, weil du immer ja sagen, immer helfen würdest. Nicht, dass du es zugibst, das Weiche oft versuchst zu verstecken, aber’s ist da. In den kleinen Gesten, die so nebensächlich wirken, dass sie’s niemals wirklich sind. Du bist der zum Anlehnen, wo die Tür immer offen steht, wo man nicht nachfragen muss, wenn man aus Albträumen aufwacht und wo nächtelang gesprochen werden kann, weil man weiß, dass du dem Zuhören nicht müde wirst. Noch einen Ratschlag mehr geben kannst. Mehr geben willst. Du hältst, hältst fest und bist der doppelte Boden, das sichere Netz, immer offene Arme, die bereit sind zum Fangen.

Man muss an den ganzen offensichtlichen Dingen schon vorbei sehen wollen, um die Tränen, das Zerbrechliche zu sehen. Da wo der Schmerz sitzt, bist du so fürchterlich still, dass da beinahe gar nichts ist. Hast früher so gern gesprochen, über den Mann der du sein wolltest und verlierst heute so wenig Worte über den Mann der du bist. Nicht über die Frage, ob sie stolz wären. Deine Mutter, dein Vater. Stolz über den Reiter zu dem du Herangewachsen bist. Stolz über die Stürme, denen du trotzt und liebevoll zu den Unruhen in dir selbst. Wüsstest gern, ob sie Angst hätten, weil du Teil von etwas Großem bist, ob sie dich noch wieder erkennen würden, oder ob du schon so lange schweigst, dass da nichts mehr zu erkennen ist.

Hast Angst was ist, wenn niemand dich mehr erkennt.
18 Ingameposts | 01.05.2025, 12:06
Militär Navarre
gespielt von Jella
51 Jahre
Reiterin
Nicht jede Macht schlummert in starken Körpern. Manch wahre Stärke schlummert in der Verbindung, die man seit Jahren zum eigenen Drachen pflegt, in der Siegelkraft, die aus der Bindung entstanden ist und in dem Kopf, der auf schmalen Schultern sitzt. Myrrin lebt seit jeher mehrere Leben: das der Erforschung von Magie, speziell von Runen, eben jenes im Revolutionsrat und das andere als Lehrerin eben gerade an jener der Schule, die sie damals selbst kaum überlebt hat. In den Reihen der Reiterinnen und Reiter wurde sie stets aufgrund ihrer körperlichen Schwäche belächelt, hatte Glück überhaupt bis zum Dreschen zu kommen. Mittlerweile unterschätzt man sie weniger und doch ist da immer dieser Blick, der deuten lässt, dass manch einer glaubt, ohne ihre Drachen wäre sie nichts. Die schmale beinah zerbrechlich wirkende Frau hat gelernt solche Blicke durch ihre vier Jahrzehnte Lebenserfahrung auszublenden, ebenso wie sie sich mit ihren eigenen körperlichen Defiziten mittlerweile zu arrangieren weiß. Ihre maßgeschneiderten Flugleder lassen sie innerhalb ihrer Formation kaum noch auffallen, ihr Wissen über Magie macht sie nicht nur zu einer begnadeten Lehrerin, sondern auch zu einer ernstzunehmenden Gegnerin. Der Kampf ist ihr mittlerweile in ihr Innerstes gewebt, befeuert den rhythmischen Klang ihres Herzens und einen eisernen Willen. Zwei Mal musste Myrr in ihrem Leben etwas aufgeben, in beiden Fällen waren es andere Menschen und doch tut sie sich generell schwer mit dem Konzept, hält auch heute noch an stillen Wünschen fest, obwohl man sie hätte längst über den Haufen werfen können oder auch müssen. Es ist dieser nicht zu brechende Kampfgeist, der sie immer weitertreibt, selbst die schwersten Wunden und auch ihre bisherige Zeit an der Front überleben ließ. Dabei ist nicht zu verleugnen, dass sie über die Jahre Dinge verloren hat, Freunde, Vertraute, ihre eigene innere Wärme begraben unter einem Berg von Distanz, die sie zu den meisten Menschen in ihrer Umgebung hält, um in ihrem Doppelleben nicht aufzufliegen. Professionell ist das Adjektiv mit dem Meisten sie in ihrem beruflichen Kontext beschreiben, dabei glaubt sich Myrrin manchmal eher eine Hülle ihrer eigentlichen moralischen Kernwerte, eine Maske so lange zurechtgenäht bis kaum noch zu erkennen ist, wer eigentlich darunter steckt. Diese Ambivalenz ist für sie ein erprobtes und doch auch zuweilen einsames Konstrukt, einem die sie mit ihren magischen Studien entgeht, verbinden diese doch ihre beiden Welten.

Magische Beschwörungen sind für sie zum Alltag geworden, die Grenzen ihrer eigenen Energiereserven und jene ihres Drachen auszutesten, erfordert ein Feingefühl, mit der sie den meisten Aufgaben begegnet. Dabei scheut sie keineswegs ihre Siegelkraft des Energieentzugs gegen andere zu verwenden, weiß wohl aber um die Gefahren, die mit diesem komplexen Spiel einhergingen. Als Kind noch in dem Glauben, die Veneni seien nicht mehr als schaurige Geschichten, die man in ihrer Heimatprovinz Tyrrendor erzählte, folgerte das plötzliche Verschwinden ihrer Eltern und der Brief, den sie ihr in das kleine geheime lose Brett geschoben hatten, ein Wissen, welches sie fortan als Geheimnis durch die Welt tragen sollte. Ihr bis zu dem Verschwinden ihrer Eltern gelehrtes Wissen über Runenmagie sowie ein paar Bücher aus dem Familienerben blieb ein Weiteres. Beide sollten den Grundstein für ein Leben dominiert von Unausgesprochenem bilden, wissen doch bis heute selbst die wenigsten ihrer Vertrauten von der Tochter, die sie schon vor ihrem Wehrdienst bekam und in dem Wunsch ihr und sich selbst ein besseres Leben zu bieten, abgab. Jeglicher Versuch sie in den letzten Jahrzehnten zu finden und eventuell doch ein Verhältnis aufzubauen indes scheiterte.

Ihre Familie knöpft sich daher seit geraumer Zeit nicht aus Blutbanden sondern rein über denselben ideellen Anspruch, den der Revolutionsrat verfolgt. Ihr engster Vertrauter ist seit Jahren ihr Drache. Es erscheint nicht selten wie ein einsames Leben, ist der Rat doch nicht oft an einem Ort zu finden und sie unter ihnen am Ehesten sie selbst. Der kluge Kopf, der sie teils etwas zu verbissen werden lässt, wenn sie erst einmal Leidenschaft entwickelt hat, der unerschütterliche Glaube daran, dass die Wahrheit am Ende siegen muss und der Bezug zur Gemeinschaft und Menschlichkeit, die ihr im Grunde eigentlich so wichtig sind. Es gab immer wieder Zweifel über die Jahre, aber keiner war stark genug, um sie von ihrem Weg abzubringen, weil die Revolution mittlerweile stark an ihren Lebenssinn gebunden ist. Myrrin will eine bessere Welt, eine freie Welt, unabhängig der Bedingungen. Es lässt sie manch moralische Grenze, die sie sich vor Jahren gesetzt hat, überschreiten, Menschen manipulieren, in dem Glauben nur das Beste für sie zu tun oder der Erwartung, andersherum würde es genauso geschehen. Es hat sie verändert, ihre eigentliche Wärme ebenso gedrosselt wie abseits der Magie ausgelebte Kreativität. Der Gedanke, dass sie in einem danach wieder weicher werden kann, ist über die Jahre hinweg leise geworden und vielleicht, ganz vielleicht, liegt es auch daran, dass sie nicht mehr sicher ist, ob sie an eines glaubt.
28 Ingameposts | 08.02.2025, 15:39
Militär Navarre
gespielt von Jani
50 Jahre
Reiter
Er hatte sein Leben für die längste Zeit in Schwarz und Weiß geführt: die Welt in strengen Gegensätzen betrachtet. Gut oder schlecht, richtig oder falsch, hell oder dunkel. Eine festgelegte Bewertung, ein klares Urteil – es hatte für Sicherheit gesorgt, hatte seine Zweifel minimiert und gewissermaßen seine Taten entschuldigt. Doch etwas hatte sich in ihm verändert: die Jahre seiner Gefangenschaft haben dazu geführt, dass er sich in den Grautönen des Lebens wiedergefunden hatte. In dem jede Entscheidung einen Schatten warf, wo die Gegensätze ineinanderflossen. Cain musste einsehen, dass nichts mehr so sein würde wie zuvor – brauchte Zeit, zu lernen, was er in den ersten vier Jahrzehnten seines Lebens verpasst hatte. Die Farben und Nuancen wahrzunehmen, über die er früher hinweggesehen hatte. Sicherlich spielte es in das Scheitern seiner Rehabilitation ein: seine ständigen Gedanken, die nach dem Warum fragten. Wie konnte ein einfacher Streit soweit eskalieren, dass er etwas hinter sich gelassen hatte, was er für seine Ewigkeit gehalten hatte? An welchem Punkt hatte er die falsche Entscheidung getroffen, die ihn über Jahre hinweg in Poromiel gefangen gehalten hatte. Cain war sich sicher gewesen – vielleicht zu übermütig, vielleicht von dem Glauben geprägt, dass ihm nichts geschehen würde, weil Zihnal immer an seiner Seite gestanden hatte. Manche behaupten, dass dem auch weiterhin so gewesen war. Dass sein Überleben mit Glück zu tun gehabt hatte. Aber er selbst ist weit davon entfernt, es so zu nennen: seine Hoffnungen sind an dem Ort ebenso gestorben wie seine Fähigkeit, eine aktive Rolle im Krieg einzunehmen. Etwas, worauf er mühsam hingearbeitet hatte, was ihm genommen worden war, weil seine Gedanken ihn zu einer größeren Gefahr machten, als dass sie irgendjemanden von Nutzen waren. Verloren zwischen Albtraum und Realität, unsicher im Hinblick auf seine eigenen Gefühle – und die Absichten aller anderen – hatte er sich zurückgezogen. Hatte eingesehen, dass seine Gesellschaft nicht mehr unterhaltsam oder erheiternd war, sondern geprägt von Sorge und Mitleid. Und beides wollte er nicht zulassen. Wollte sich nicht als jemanden sehen, der repariert werden musste, weil die Spuren der Folter an seinem Körper auch niemals verschwinden würden.

Es hat ihn Geduld gekostet – mehr als er in der Vergangenheit besessen hatte – um einen Weg zu finden, mit seinem neuen Ich zurecht zu kommen. Zu tolerieren, welche Veränderungen von statten gegangen waren, welche Ängste sich in ihm befanden. Früher hätte er sich ihnen vielleicht gestellt, doch heute erträgt er sie im Stillen. Hat nicht die Kraft, an zwei Fronten zeitgleich zu kämpfen: dem Ziel zumindest seinen Körper wieder zur altbekannten Stärke zu verhelfen, wenn sein Geist vielleicht unweigerlich gebrochen war. Es war frustrierend für ihn: wie langsam er Fortschritte gemacht hatte. Wie viel Zeit er benötigt hatte, um einen Punkt zu erreichen, an dem er sich zum ersten Mal besser gefühlt hatte. Neue Perspektiven nicht abgelehnt, sondern sich offen ihnen gegenüber gezeigt hatte. Cain war nie davon ausgegangen, irgendwann einmal zu lehren. Dachte, dass er als Reiter den Tod finden würde, doch Malek hatte kein Erbarmen gezeigt und ihm stattdessen die Erfahrungen mit auf den Weg gegeben, die von Nöten waren, um den Überlebenskurs am Basgiath War College zu führen. Das Geheimnis, wie man tatsächlich an einem Ort überstand, an dem man dachte, zu sterben: einen Anker, mit dem man seinen Willen verband. In seinem Fall waren es die Vorstellung an seine Tochter – die Illusion, sich irgendwann für seine Fehler entschuldigen zu können. Sie hatten ihn durch die schwersten Stunden getragen. Hatten dafür gesorgt, dass er mehr ertrug, als er für möglich gehalten hatte. Aber sie änderten nicht, dass er inzwischen – weit weg der Finsternis, die ihn doch nicht gänzlich loszulassen schien – realisierte, dass es egoistisch von ihm wäre, sie zu suchen. Sie ausfindig zu machen. Und vielleicht ist es die größte seiner Wandlungen: dass er seinem Drang nicht nachgibt, sich selbst nicht über sie stellt und sich darauf besinnt, dass er nicht gut genug für sie ist.
26 Ingameposts | 09.02.2025, 15:38
Militär Navarre
gespielt von Maj
31 Jahre
Handwerkerin
Gäbe die Welt sich damit zufrieden, würde Léonide Iarun, geb. Acalon, sich nur noch mit Vor- oder Spitznamen vorstellen. Frisch nach Nymrith umgezogen, ist sie jedoch nicht, um sich selbst neu zu erfinden und ihre Vergangenheit abzustreifen. Im Gegenteil würde sie Dinge gern wieder in Ordnung bringen - ohne, dass sie umgehend in einen bestimmten Kontext gesetzt und angenommen wird, wer sie ist und was sie getan hat.

Der Nachname Iarun ist bekannt in ihrer neuen Heimat. Es ist der Nachname eines Staffelführers, der jener Einheit angehört, die nach der Rebellion und extra für die neue Hauptstadt handverlesen wurde. Es ist der Nachname eines Manns, der über 20 Jahre älter ist als Léonide - und dessen Tochter nicht nur rechnerisch sein könnte, sondern für dessen Tochter sie oftmals gehalten wird. Dabei war seine Älteste nur Léonides beste Freundin. So lange zumindest, bis sie erfahren hat und nicht verzeihen konnte, dass Vater und beste Freundin nicht nur Gefühle für einander hatten, sondern diese auch leben wollten. Der Nachname ihres Manns ist es also, der in Léonides Papieren steht.
Auf einem Empfehlungsschreiben ihres bisherigen Arbeitgebers steht er beispielsweise, welches es ihr erleichtern soll, auch in Nymrith wieder Arbeit zu finden. Als Bogenmacherin will sie auch weiterhin tätig sein; hat schon vor ihrem Wehrdienst im Quadrant der Infanterie damit angefangen - und erst nach diesem feststellen können, wie froh sie darüber ist, dass die Handwerksmaterialien keine Urteile treffen, nicht abfällig flüstern können. Daheim in Lotrotum haben es allerdings genug Menschen übernommen, darüber zu spekulieren, inwiefern Léonide eine rücksichtslose Verführerin sei und die vorherige Familie ihres Manns kaputt gemacht habe. Oder wie unvernünftig es sei, einer Frau ihres Alters die Verantwortung für ein gezeichnetes Pflegekind anzuvertrauen, während ihr Mann zu beruflicher Abwesenheit gezwungen war - oder Léonide sich geweigert hätte, ihm zu folgen, weil's mit ihrer Liebe eben doch nicht so weit her sei.

Dafür, dass "sich Mühe geben" oftmals nicht reicht, ist Léonides Leben ein perfektes Beispiel. Obwohl älteste Schwester konnte sie nicht immer die Große und Vernünftige sein, die beispielsweise ihrem Bruder nach Schicksalsschlägen zur Seite stand. Obwohl sie ihre große Liebe kennengelernt und geheiratet hatte, konnte sie sich dieses Glück nicht bewahren. Stattdessen hat sie gestritten, unfair, hat ihn vertrieben und Gleichgültigkeit vorgetäuscht. Obwohl verheiratete Ehefrau war sie ihrem Pflegekind mehr Schwester als Mutterersatz - und kann jetzt höchstens aus der Ferne beobachten, ob es "gereicht" hat, ob sich im ungewollten Quadranten für ihr Pflegekind nun alles zum Guten wendet.
Während ihr Umzug der Versuch ist, das eigene Happy End zu suchen, Porzellan zu kitten und nicht nur ihrem Mann, sondern auch dem Bruder die Hand zu reichen. Ohne, dass die Welt - oder einfach nur einzelne Einwohner Nymrith' - zu genau zusieht.
17 Ingameposts | 18.12.2025, 23:16
Zivil Navarre
gespielt von Berrie
44 Jahre
Flieger
Lichte den Anker, hiss die Segel, die See – sie wartet auf dich. Du schmeckst das Salz auf deinen Lippen, Wellen treiben vor dir her, sind Teil von dir, du von ihnen. Wenn du gehst, gehst du zu ihnen, spürst das Wasser unter deiner Haut. Ist kein Blut, ist Meer, ist mehr, wer du bist und wer du sein willst. Sinkst ein im Sand, in Steinen, Kieseln, kleine und große, schüttelst sie ab, tauchst ein, tief hinein ins kalte Nass und fühlst: Verbundenheit. Seit du denken kannst, begleitet dich die Sehnsucht, genährt von Möglichkeiten, kennst es kaum anders, das Leben, als im Einfluss des Meeres. Wie das Wasser Klippen und Steine formt, beeinflusst es dich in deinen Wünschen, in deinem Wesen, erdet dich, wenn der Höhenflug in Ebbe übergeht. Bist du umgeben vom Rauschen, vom Schwanken und dem Gefühl der Schwerelosigkeit, tränkt es deine Haare, deinen Körper, dann weißt du: du bist zuhause.

Hast dein halbes Leben fernab festen Grunds unter deinen Füßen gelebt, morsches, feuchtes Holz betreten, wie die Abwesenheit jeglichen Halts genossen, immer dann, wenn du dich in die Federn schmiegst, die dich hoch hinaus tragen. Die dir eine Welt offenbaren, die Menschen so wenig vorbestimmt ist, wie die Tiefe der See. Sind diese Extreme, die dich leiten: der Drang, immer höher in die Luft, gleichwohl immer tiefer in das Meer, einzudringen, zu sehen, zu fühlen, zu schmecken, was kein Mensch vor dir gesehen, gefühlt, geschmeckt hat. Freiheit. Endlose und absolute Freiheit. Ein Kontrast zu eben jenem Leben, das du führst. Ein Kontrast zu Mustern und Regeln, Grenzen und Linien, die Schritte und Entscheidungen vorherbestimmen. Eine ewige Verpflichtung, die Unabwendbarkeit, die du mit der Bindung an deinen Greif, an Ideale und einen Krieg, willentlich eingegangen bist.

Paradox scheint es, dass ein Freigeist, wie du es bist, in Kontinuität und Verlässlichkeit den Titel des (Co-)Kapitäns trägt, fähig ist, zu führen – und nicht nur ins nächste Abenteuer oder darüber hinaus.
Paradox scheint es, dass unter aller Lebensfreude die Form von Leben geschliffener Erfahrung steht, die es dir möglich macht, Entscheidungen für jene zu treffen, deren (Über)Leben in deinen Händen liegt.
Du bist Ebbe und Flut, bist Luft und Wasser, nie ganz und doch alles. Sehnst dich danach.

Nach: nie ganz und doch alles.
Nach: Freiheit und Ankommen.
Nach: Familie und Liebe.
Nach mehr Meer.
13 Ingameposts | 23.05.2025, 17:24
Militär Poromiel
gespielt von Maj
21 Jahre
Reiterin
Wenn sie eine Wahl gehabt hätte – nun, Rochelle hätte in Abhängigkeit ihrer Lebensphasen eine andere getroffen. Doch als sie vor ein paar Wochen über den Viadukt balanciert ist, hatte sie schlicht keine Wahl. Ihren Arm hinauf windet sich das Merkmal eines Verräterkinds so deutlich, dass man ihr keine Fragen stellen muss, wer sie sei oder woher sie komme: Sie muss aus Tyrrendor sein und die Brut jener Leute, die vor fünf Jahren so erfolglos versucht haben, gegen den König Navarres zu rebellieren. Als Hochverräter und vollkommen zurecht hat man Rochelles Familie hingerichtet – und im Reiterquadrant scheint sich in den Augen vieler zu spiegeln, dass Rochelle nicht anders sein könnte, als ebenso falsch, ebenso verräterisch und ebenso unrechtmäßig hier.
Ein Drache sollte sie nicht binden, sondern verbrennen, bevor sie die Pläne ihrer Familie fortführen kann.

Blöd nur, dass Rochelle von keinen Plänen weiß. Der Widerstand gegen die Krone und seine Niederschlagung: Für Rochelle kam es überraschend. Sie hatte keine Ahnung, was passierte, in was ihre Familie verwickelt war – und balanciert auf der Grenze zwischen Wut auf eben jene Familie, die das Land verraten und sie im Dunkeln gelassen hat, und auf jene Militärs, die diese Familie hingerichtet und Rochelles komplettes Leben zerstört haben. Manchmal ist es statt Wut auch Verzweiflung oder Fassungslosigkeit… und am Ende nur eins klar: Rochelle fühlt sich weder mit den anderen Verräterkindern, noch mit jenen verbunden, die unbelastet ihren Wehrdienst angetreten haben.
Dass sich ‚irgendwo dazwischen‘ am leichtesten der eigene Weg findet, wenn man nicht auffällt, hat sie mittlerweile begriffen. Statt glänzender Antworten gibt es von ihr nur noch das erwartbare Maß. Sie schluckt im Theorieunterricht runter, was sie auf dem Militärstützpunkt in Athebyne seit ihrer Jugend gelernt hat. Und versucht, davon in der Kampfpraxis viel wieder heraufzubeschwören, um in beiden Kontexten mit der Masse zu verschwimmen; und sich erst mal über Dinge klar zu werden.

Eine drängenden Fragen darunter: Wer bin eigentlich ich? – Und wer das Mädchen, mit dem Rochelle vor fünf Jahren glücklich gewesen war, ehe die Rebellionsfolgen sie auseinanderrissen?
Fünf Jahre bei einem Zeitungsverleger in Nymrith in Pflege gewesen zu sein, haben Rochelle verdeutlicht: Wissen ist Macht. Vor allem ist Macht, mehr zu wissen als andere und damit haushalten zu können, wem man was sagt oder zeigt. Sich theoretisch etwas anzueignen, ist auch immer noch kein Problem. Sie lernwillig, neugierig… aber Fakten und Psyche sind verschiedene Dinge.
Und Herzen verändern sich, auch wenn sie mal ganz laut für jemanden geschlagen haben – und nicht bloß erfüllt von der Angst, die andere Person zu verlieren.

Ganz sicher kann Rochelle jedenfalls nicht sein, was ihr Herz zum Rasen bringt. Ausschließen kann sie nur, dass es einer der Drachen ist, die sie während der Präsentation gesehen hat. Und während alle darüber reden, ist ihr etwas anderes wichtig: Ihre Exfreundin noch einmal küssen, bevor sie morgen stirbt, sterben. Noch einmal küssen, egal, was dann einfacher, komplizierter, wird.
23 Ingameposts | 24.03.2025, 01:22
Basgiath War College
gespielt von Berrie
40 Jahre
Flieger
Du wäscht deine Hände in Blut. Rot rinnt es deine Hände entlang, du betrachtest sie, sie glänzen kupfern im Licht des letzten Mondstrahls. Die Nacht war lang, der Tag wird länger. Irgendwann wird es dich heimsuchen. Werden sie Teil von dir; die Toten. Die Opfer, ihre Schmerzen, ihr Leid. Irgendwann tauchst du deine Hände nicht mehr in ihrem Blut, irgendwann sind es deine Tränen, die sich mit Dreck und Verzweiflung vermischen. Irgendwann wirst du mit der Erde verschmelzen, auf der du geboren wurdest. Blut zu Blut. Glaubst an das Schicksal, an die Götter und das Karma, glaubst, dass du zu viel Schlechtes davon anhäufst und glaubst, dass ein Leben nach dem Tod dir nur noch mehr Leid bescheren wird. Hättest den Frieden gewählt, hättest du geglaubt, die Wahl zu haben. Hättest die Reinheit des Wassers gewählt, fest daran geglaubt, als die Strömungen des Flusses sich unter dir in Wirbeln verschlungen haben. Heute wäschst du deine Hände in Blut und kannst doch nie das Gefühl von Ungerechtigkeit abstreifen. Die Beklemmung in dir lässt sich nicht mit einem Eimer beseitigen. In Rinnsalen läuft die Spur deines Versagens in die Ausläufer des Flusses. Kehrt zurück zu seinen Ursprüngen. Dein Blick folgt ihnen, lang noch. Über dir sinkt der Mond, macht der Sonne Platz. Du spürst die ersten Strahlen, sie kitzeln in deinem Nacken, dort, wo schmutzgetränkte Strähnen sich aus deinem Zopf gelöst haben. Streichst dir mit dem Handrücken über die Stirn und hinterlässt doch nur mehr Spuren von Gewalt. Du bist unrein, wirst dich niemals mehr in die Gewissheit der Unbedarftheit flüchten können. Hälst dich fest an der Moral, auch wenn du weißt, dass niemand von euch das Privileg dazu hat. Weil Moral euch nicht retten wird. Dich nicht und auch nicht jene, die du zu schützen ersuchst. Du brauchst keine Erlösung – oder vielleicht brauchst du sie doch. Wenn du zu den Göttern betest und doch nicht weißt, wofür. Für Frieden betest du, auch wenn dein Glaube längst in seinen Grundfesten erschüttert ist. Für Sicherheit betest du, auch wenn die Axt neben dir Bände spricht. Für eine Welt ohne Leid betest du nicht mehr. Für dein Seelenheil betest du nicht mehr. Denn du wäscht deine Hände in Blut, nicht mehr in Unschuld. Hast sie fahren lassen, lang bevor du dir dessen bewusst warst. Hast getötet, öfter als du zählen kannst und führst sie doch in deinem Herzen. Deine Opfer, die keine Namen mehr haben, keine Seelen. Weil du glauben willst, dass du eine hast. Weil du glauben musst, dass du eine hast. Auch wenn sie verdammt sein mag. Auch wenn du verdammt sein magst. Die Sonne lockt das Leben aus ihren Löchern. Du hörst es, wie es um dich erwacht. Während du deine Hände in Blut wäschst. Und von ihnen die Erinnerungen an Kämpfe, die du führen musst, aber nie führen willst.
4 Ingameposts | 11.05.2026, 11:24
Militär Poromiel
gespielt von Lena
42 Jahre
Reiterin
"I miss you in waves, and tonight I'm drowning. I can’t wait to feel the raindrops on my skin again. Soon. I hope that day will be soon.“ Letter to „Mimi“; May 630
Ich
bin nicht allein, nicht wirklich, und doch fühle ich mich oftmals einsam. Höre das Lachen meiner Kinder, sehe wie mein Ehemann draußen mit ihnen spielt, ebenfalls lacht, so unbeschwert – doch mein Herz ist von diesem Anblick nicht erfüllt. Nicht vollends. Wird es nie sein, solange er mein Geheimnis ist. Ich liebe meine Kinder, alle drei, und in gewissem Maße liebe ich vielleicht auch meinen Ehemann und unser gemeinsames Leben. Wir haben es gut, auch ohne im großen Prunk zu leben, wie man es von einer Herzogstochter erwarten könnte. Was mir einst wie mein letzter Ausweg erschienen war, sollte eine meiner besten Entscheidungen werden: Ich bin Drachenreiterin, gut in dem was ich tue. So sehr, dass ich sogar ans BWC berufen wurde, einen Lehrstuhl bekleide. Ich glaube auch, dass ich eine gute Mutter bin. Möchte es meinen Kindern schöner machen, als es mir in meinem eigenen Elternhaus ergangen ist. Biete Liebe und Möglichkeiten, Geborgenheit und Freude, die hoffentlich darüber hinweg täuschen konnte, dass ich aktiven Wehrdienst leiste und in der Vergangenheit auch mal verletzt heimgekehrt bin. Ich wage nicht zu behaupten, dass ich eine gute Ehefrau bin. Sicherlich nicht nach dem Standard meiner Eltern (dann hätte ich schließlich Schriftgelehrte werden sollen, Hausfrau und Mutter), aber selbst Loial wäre wohl erbost. Habe ihn nicht geliebt und geehrt als wir geheiratet haben und auch nicht danach. Bin ihm untreu, ganz leise und heimlich und doch schon über zwanzig Jahre lang. Fühle mich nur mit ihm als wäre ich gänzlich ich selbst, als wäre ein Teil von mit immer bei ihm, genauso wie zwei Teile von ihm immer bei mir sind. Ich sehe ihn in dem Schalk im Blick meines Sohnes und in dem Lächeln meiner Tochter. Ich lebe mit dem schlechten Gewissen ihnen allen gegenüber. Meinen Kindern, die nicht wissen, wer ihr leiblicher Vater ist. Meinem Ehemann, der sie alle liebt wie seine eigenen und nicht ahnt, dass ich jemand anderes liebe. Und ihm, weil ich uns zu diesem Unglück verdammt habe und ihn doch nicht gehen lassen kann.

Zu was für einem Menschen macht mich das? Ich bin nicht jemand, die sich nimmt, was sie will. Außer ihm. Nur das, was mir zusteht, was sich gut anfühlt also er. Weiß was gut und recht ist und bin mir bewusst, dass ich aus diesem Muster falle. Aber ich bin mehr als dieses Geheimnis, dieser Betrug an meiner Familie.

did you know, that Avaina...
  • die jüngste Tochter der Herzogsfamilie von Deaconshire ist
  • immerzu leise vor sich hin singt (und in der heimischen Küche auch tanzt als würde niemand zusehen)
  • einen kleinen Garten hat und in der Pflege Ruhe und Entspannung findet?
  • den Regen liebt? An manchen Tagen stellt sie sich freiwillig in die Nässe, weil sie sich Mirek dann näher fühlt.
  • ihre Briefe immer an Mimi adressiert? Das erweckt den Anschein, dass sie einer alten Freundin schreibt (und nicht ihrer Affäre).
1 Ingameposts | 27.07.2026, 18:15
Militär Navarre
gespielt von Berrie
56 Jahre
Reiter
Abgegriffen, ausgeblichen, in die Jahre gekommen. Bunte Einbände reihen sich auf. Dicht an dicht, millimetergenau ausgerichtet, zeigen die Buchrücken in den Raum hinein. Schriften mit und ohne Schnörkel verraten mehr über den Inhalt. Vielfältig ist die Auswahl, gar untypisch divers die Reihen, die in einer hohen Anzahl auf Regalböden ausgerichtet worden sind. Einen Kontrast bilden sie zum klinischen Innenleben, das kaum Anzeichen von Individualität oder gar Leben zeigt. Und doch ist nicht die Rede von Büchern, nicht von Geschichten auf altem und neuem Papier, wenn die Rede ist von: abgegriffen, ausgeblichen, in die Jahre gekommen. Die Worte – sie zeugen von dir. Wenn du in den Spiegel blickst, blickt das Alter zurück. Und wenn es nicht das ist, nicht die blasse Haut, die in ganzjähriger Abwesenheit von Sonne jeglichen gesunden Teint abgelegt hat, nicht die Falten, nicht die Narben, die sich quer über dein Gesicht ziehen, dann ist es der Blick. Müde wirkst du, erschöpft, als wären da drei Leben auf deinen Schultern und du nicht willens, auch nur eines – oder einen Teil davon – abzulegen. Die Hand auszustrecken und Hilfe zu suchen. Stattdessen wandern von Hornhaut geprägte Handflächen nur über die bunten Einbände in deinen Regalen. Sie sind das, was anderer Menschen Augen als persönlich entgegentritt, wo sonst nichts und alles an dir persönlich ist. Kalt wie die See, kalt und tot wie Fisch, sagt man dir nach, zu sein. Abgestumpft, als hätten die Wellen deine Persönlichkeit glatt geschliffen wie Stein. Du hast kein Problem, zu sein, was man dir nachsagt, so man dich nicht kennt. Bist kalt und tot und abgestumpft, glatt geschliffen vom Meer. Hüllst dich in schwere schwarze Mäntel, in feste lederne Stiefel, ziehst den Kragen hoch bis zu den Ohren, wenn der Wind kalt durch jede Ritze pfeift. Die Jahre, ihre Erfahrungen, stehen dir ins Gesicht geschrieben, wie all das Wissen auf die Seiten deiner zahllosen Bücher gedruckt wurde. Doch während sie Neuauflagen erhalten, neue Chancen, während sie in Liebe gehalten werden, durch anderer Menschen Hände rinnen, stehst du an der Klippe deiner Existenz. Starrst auf das Meer hinab, das sich an den Hängen bricht. Siehst zu, wie Stein zerberstet und glaubst, dass dieses Mal auch wieder ein Stück deines Herzens mitging.

Es werden keine Geschichten über dich geschrieben. Keine Biografien verfasst, keine Strategien, Taktiken oder großen Erkenntnisse nach dir benannt. Du bist unbedeutend, nur ein kleines Licht hoch oben im Norden. Doch hier, in Huwen, bist du alles, was es braucht. Hier bist du stoische Gelassenheit und manische Anspannung. Hier bist du Fels in der Brandung, ein Leuchtturmwärter für dich und jene, die zu dir aufsehen. Ein großer Mann wirst du niemals sein und bist doch jedes Jahr über dich hinausgewachsen. Über fünfzig Jahre an Erfahrungen vereinen sich in dir zu der besten Version deiner selbst – und doch ist niemandem mehr bewusst, dass auch das Beste noch immer das Schlechteste nicht zu übertrumpfen vermag. Du bist kalt und tot, glaubst es selbst so sehr, dass es leicht ist, es auch andere glauben zu lassen. Dass es schwer ist, andere vom Gegenteil zu überzeugen, wenn du selbst nicht überzeugt davon bist. Dabei braucht es nur die Wärme eines Feuers im Kamin, nur die Gesellschaft derer, die du liebst, nur den anklagenden Blick deines ältesten Kinds oder die bittenden Augen deines jüngsten. Dabei braucht es nur den Griff in die zweite Schublade von oben, um die bunt bemalte Box zu finden, die all die selbstgemalten Bilder, die gebastelten Geschenke, Fotos und Andenken sauber verstaut. Dabei braucht es nur einen zweiten Blick auf die Bücher, um zu erkennen, wie wenig desinteressiert, abweisend und reserviert du bist und wie viel Literatur sich eigentlich um deine Kamerad:innen dreht. Wieviel Energie du in aller Farblosigkeit darauf verwendest, ein guter Staffelführer zu sein. Der Beste, der du sein kannst. Keiner, der in die Annalen eingeht. Keiner, der Kriege beendet. Keiner, der als Märtyrer in die moderne Geschichte eingeht. Du bist, was du zu sein vermagst. Zu wenig und immer genug.
15 Ingameposts | 17.06.2025, 20:11
Militär Navarre
gespielt von Berrie
20 Jahre
Reiterin
Dein Pendel schlägt aus; nach links und nach rechts. Dein Pendel schlägt an; an Wände, Decken und Böden. Bist Gefangene deiner Emotionen. Irgendwann waren es Träume, vielleicht die Form von Ideal, die dir heute schmerzlich fehlt, die dich und die Entscheidungen, die du getroffen hast, geleitet haben. Heute ist es Wut. Wut, so unfassbar viel Wut, die in dir brodelt, die ihren Siedepunkt noch längst nicht erreicht hat und doch schon alles um sich zu zerreißen droht. In deinen Augen lodert’s, weil sie der Spiegel (d)einer Seele sind und wer nur einen müden Blick auf dich zu werfen wagt, wird schwerlich merken, dass hinter der gut gepflegten Feindseligkeit das Mädchen steckt, das du einst gewesen bist – oder hättest werden können, hätte das Schicksal dir nicht übel mitgespielt. Glaube ist dir in jeder Facette seiner Möglichkeit abhanden gekommen, verlor sich irgendwo zwischen den unterdrückten Schreien deiner Eltern, dem Geruch von Schwefel und verbranntem Fleisch und der Erkenntnis, dass du trotz aller Parolen und Allüren doch keine Ahnung von dieser Welt hast. Nicht davon, was es bedeutet, Teil von ihr – oder etwas Größerem – zu sein. Nicht davon, was es bedeutet, Opfer zu bringen. Du weißt nicht, was sie für dich bereithält, bist geprägt vom vorwiegend negativen Eindruck und der ständigen Erwartung des nahenden Todes. Die Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben, auf von dir für dich gewählte Pflichten und Möglichkeiten, hast du mit den Kleidern abgestriffen, in die man dich gehüllt hat, bevor du Zeugin deines eigenen Scheiterhaufens wurdest. Hast sie abgelegt, als die Kutsche die Stadtgrenze Lewellens passiert hat. Mehr als tausend Striche hast du in das Holz geritzt und die Tage gezählt. Freiheit wirst du irgendwann finden, dessen bist du dir sicher. Vielleicht auf dem Rücken eines Drachen, vielleicht auf dem Grund des Brennofens, der deine Überreste Malek übergeben wird. Jetzt jedoch ist jeder Gedanke an das, was du hattest – oder hättest haben können – nur eins: grausam. Setzt sich trotz aller Bemühungen, dich davor zu verschließen und jede Trauer in noch mehr Wut umzumünzen, in jede noch so kleine Ritze deines Bewusstseins. Die Gefühle, sie prasseln auf dich ein, hast die Kontrolle längst verloren; vielleicht nie gehabt. Ertrinkst in ihnen, bist deine eigene Geisel, gegeißelt durch ein Leben, das du dir nicht gesucht hast. Durch Entscheidungen, die du nicht getroffen hast. Und immer, wenn du daran denkst, dann schlägt dein Pendel in dir an und du die Faust in die nächste Wand.
23 Ingameposts | 23.03.2025, 16:25
Basgiath War College
gespielt von Berrie
37 Jahre
Reiterin
Mit dem Kopf durch die Wand. Gibt wenige Formulierungen in allen Sprachen der Welt, die dein Wesen treffender beschreiben könnten. Hast keine Zeit für Zweifel, fürs Zögern und den Blick nach hinten. Kannst nicht trauern um die Gelegenheiten, die du verpasst hast, nicht um die Menschen, die du nie getroffen hast. Nicht um die Chancen, die du dir nie gegeben hast oder Erfahrungen, die dich in einem anderen Leben zu einer anderen Person gemacht hätten. Die Zeit, sie rinnt dir zwischen den Fingern hindurch, unermüdlich und unaufhaltsam. Du hast dich an dieses Prinzip angepasst, hast das Unausweichliche erkannt und die Notwendigkeit, den Weg zu bereiten. Koste es, was es wolle. In 37 Jahren blickst du auf eine lange Liste Dingen, die du verloren hast und verpassten Möglichkeiten. Warst selbst lange Zeit Teil einer Lebenslüge, hast blind vertraut, blind gefolgt – bist blind in den Krieg gestürmt, hast so viel Blut an deiner Klinge, wie kaum jemand. Fühlt sich heute noch an, wie Verrat an deinem Herzen. Als ob’s dich zerreißt, alle Prinzipien und Glaubenssätze, nach denen du so lang gelebt und gekämpft hast: weg. Unter dir zerbröselt wie die Zeit in deinen Händen. Ist noch immer ein unendlich schweres Gewicht auf deinen Schultern. Ein absurdes Gefühl in deiner Brust, wenn du die Ruinen Aretias betrittst und in die Gesichter von Verrätern blickst – so, wie du eine bist.

Hast dich Mal mit Herz und Leib deinem Land verschrieben. Navarre ist deine Heimat, der Ort, an dem du geboren bist und der Ort, an dem man deine Asche Malek darbieten wird. Hättest nie gedacht, deine Treue einmal infrage stellen zu müssen. Dein Schwert für eine andere Sache zu erheben. Ist ein Tanz auf ebendieser Klinge, den du täglich vollführen musst. Bist eigentlich nicht gemacht für Geheimnisse dieser Größe, bist nur ein Rädchen in der großen Maschinerie, willst Befehle ausführen, denn das kannst du. Strategien, Verschwörungen, Revolutionen – das ist eine Nummer zu groß für dich; dachtest du. Bist nun so fest darin verstrickt, dass es keinen Weg hinaus gibt. Kannst nicht mehr umdrehen, dich nicht mehr nur noch blind auf dem Rücken deines Drachen ins Gefecht stürzen. Kannst nicht mehr nicht daran denken, wie verkorkst dein Land und seine Regierung sein muss, um vor den Toren Abertausende willentlich in den Tod zu schicken.

Gibt Tage, da wünscht du dir den Frieden der Unwissenheit zurück. Wünscht dir die Leere in deinem Kopf und deinen Gefühlen zurück. Doch so weit du den Arm auch zu strecken versuchst, du kannst das, was dein Leben einst gezeichnet hat, nicht mehr erreichen. Kannst nicht mehr nur die Schwertkämpferin sein, nicht mehr nur die Frau, die nach tagelangen Einsätzen nicht die Ruhe im Schlaf, sondern in der Nähe eines Ofens sucht. Die mit höchster Präzision das Metall in die Form fließen und in rhythmischen Schlägen den Hammer hinabsausen lässt. Hat alles einen Beigeschmack bekommen. Einen, der dir die Galle aufsteigen lässt, immer dann, wenn du wieder ein Loch in der feinen Mauer aus Lügen erkannt hast. Einen, der neuerdings zu einem ständigen Begleiter geworden ist, jetzt, da du im Zuge einer Verletzung nicht mehr die Flucht jenseits der Mauern suchen kannst, sondern zur körperlichen Genesung zwangsversetzt wurdest. Nach Basgiath – den brodelnden Kessel aller Intrigen und Indoktrination. In die Schmiede. Den wohl wichtigsten Ort in Zeiten wie diesen. Den einzigen Ort, der die Waffen liefern kann, die ihr braucht.
18 Ingameposts | 08.02.2025, 15:38
Militär Navarre
gespielt von Jella
34 Jahre
Reiterin
Das zierliche Äußere gepaart mit ihrem bedeutungsträchtigen Nachnamen, möchte zunächst den Eindruck nahelegen, dass die Nichte des Königs ein privilegiertes, von Diplomatie und Glanz geprägtes Leben führt. Sicherlich stimmte das bis zu einem gewissen Grad, schließlich lässt Caitria mit Vorliebe auch dieser Tage noch alles in ihrem Leben leicht und ungezwungen erscheinen, hat den Bällen und geschichtsträchtigen Sälen aber schon vor einer Weile den Rücken gekehrt. Die Energie, die sie für den Anschein von Leichtigkeit aufwendet, entspringt dabei dem gar unerschütterlichen Brunnen an Unzufriedenheit. Schon als Kind war sie nicht sonderlich angepasst, wollte lieber auf Bäume klettern, als an Teepartys teilnehmen und fand schnell heraus, dass ihr der Widerspruch immer näher lag als Zuspruch. Im Grunde gab es nur einen Menschen in ihrem Leben, zu dem sie ohne jegliche Missgunst aufsah: ihren großen Bruder. Vielleicht war es die Tatsache, dass sie abseits der eigentlichen Königsfamilie schon immer im direkten Zentrum der Macht verkehrte, aber lange keine eigene spürte, vielleicht aber auch der Behandlung geschuldet, die sie als jüngste Tochter erfuhr. Cai, wie sie nur Freunde nennen dürfen, fühlt sich oft nicht ernstgenommen und hat ihre ganz eigenen Taktiken entwickelt, um damit umzugehen. Ihr typisch böser Blick ist nicht besonders ziemlich, stört er schließlich das zugängliche Bild, aber spätestens ihre Zeit im College hat ohnehin ein anderes gezeichnet. Der ein oder andere glaubt bis heute es waren ihren familiären Verbindungen zu verdanken, dass sie es schließlich auf den Rücken eines Drachens schaffte, aber jene, die sie kennen, wissen, dass Ehrgeiz sie bis in die tiefsten Winkel ihres Charakters erfüllt. Es in den Reiterquadranten zu schaffen war dementsprechend nicht nur eine Traumvorstellung, sondern ein von dem Weg ihres Bruders abgeleiteter Zwang.

Die innere Verbissenheit, mit der sie durch ihr Leben schreitet, wird nur denen auffallen, die es wirklich nah an sie heranschaffen, weil sie ihre Mitmenschen grundsätzlich gerne auf Abstand hält. Nähe macht schließlich angreifbar und somit verletzlich. In Caitrias Welt ist das meiste grundsätzlich erst einmal eine Zweckbeziehung, einzig ihre Familie hat eine uneingeschränkte emotionale Bedeutung und darf somit auch die wärmeren Farben ihres Charakters sehen. Alle anderen Bekanntschaften erleben sie wohl zunächst eher als gefühlskalt erleben. Im generellen Zusammenleben ist sie eher manipulativ anstatt als diplomatisch, in den meisten Fällen kommt der Angriff zuerst, bevor man überhaupt über Verteidigung nachdenken kann. Ihre Wut lodert nicht, sie vereist, aber ist in ihrer Logik gefangen nicht weniger gefährlich. Sicherlich machen sich auch gerade deswegen nicht allzu viele die Mühe, um die kaltherzige Schicht zu durchdringen, die ihr Inneres auch zum Schutz ummantelt. Schafft man es aber einmal ihre Anerkennung oder Zuneigung zu gewinnen, kann man sich sicher sein, eine höchst loyale Freundin gefunden zu haben.

Dass sie im Militär deutlich weniger aneckt, als ihr Wesen schlussfolgern ließe, liegt in erster Linie wohl daran, dass ihre Form des Widerspruchs heute leise oder gar stumm geworden ist und ihre Form von Kriegsführung vor allem ihrem Intellekt folgt. Wenn man wie sie das Leben als Schachspiel sieht, ist es in vielerlei Hinsicht einfacher, Menschen zu bewegen, wenn diese gar nicht wissen, dass sie sich zu einer Figur gewandelt haben, als es mit roher Gewalt zu tun. Der Drang zu Letzterer steckt immer noch unter einem Haufen von antrainierter Selbstkontrolle, aber die Tage, in der sie Nasen brach, weil man sie einmal schief ansah, sind weitestgehend vorüber. Schließlich wäre das als Staffelführerin auch etwas weniger konstruktiv. Als besonders zärtlich werden ihre Staffelmitglieder sie dennoch keineswegs erleben. Ihre Ansprüche an Andere sind beinah so hoch wie eben jene, die sie an sich selbst hat und dementsprechend nicht immer ganz so leicht zu erfüllen.
23 Ingameposts | 08.02.2025, 15:11
Militär Navarre
gespielt von Miri
24 Jahre
Reiter
Du hast eine Kramschublade.
Da, hinter deiner Stirn. Was Mama ihr Nähkästchen nennt, das ist dein Kopf, oder eher dein Brustkorb? Jedes Gefühl, jeder Gedanke, jeder Eindruck und jeder Impuls, alles geht immer erstmal in die Kramschublade. Hinter deiner Stirn stapeln sich Erinnerungen und Momente in denen du immer was sagen, machen, sein wolltest, aber meistens nur eins gemacht hast: geschwiegen. Geschwiegen und das Erlebte gut verstaut. Luftdicht, kugelsicher, da wo’s niemand erreichen kann, da wo’s nicht weh tut. In der Theorie. So eine Schublade ist praktisch, wenn man dazu neigt über alles zehntausend Mal nachzudenken, aber nie drüber zu sprechen. Im Gegensatz zum Nähkästchen deiner Mutter, kommt man an das Fach hinter deiner Stirn nämlich wirklich schwer ran.

Es brauch meistens mehr.
Mehr von allem um die eine Reaktion zu entlocken. Menschen müssen dir wirklich nah sein, wirklich wichtig, oder — dir wirklich auf den Sack gehen. Mit Wut ist es leichter, weil’s sich freier anfühlt. Unverbindlicher. Fragst dich manchmal, wann genau aus dir der Mensch geworden ist, der lieber drei hässliche als eine schöne Sache betont. Warum du dich versteckst hinter Dingen, die dich aufregen oder über die du mit den Augen rollen kannst.

Früher war’s so tun als sei man für alles zu cool. Rin ist zu cool um hier und da mitzumachen, Rin ist zu cool um sich darum zu kümmern was andere über ihn denken, Rin ist zu cool um Hilfe anzunehmen, der schafft das schon allein. Was genau? Alles, irgendwie. Hast zwischen dir und der Welt 'ne menge Abstand aufgebaut, Distanz. Ist leicht, wenn einem alles so egal ist — selbst wenn einem eigentlich gar nichts egal ist.
Problem ist: du bist nicht mehr fünfzehn und mit dem Kopf durch die Wand. Sondern du bist jetzt Mitte Zwanzig und hast keine Ahnung, wie du aus deiner eigenen Haut kommst. An die Schublade ran und — raus mit dem Scheiß, alles ausmisten. Rin ist jetzt nicht mehr zu cool für irgendwas, der ist zu stolz um nach Hilfe zu fragen, Rin hat zu viel Angst davor was die anderen über ihn denken, Rin hat zu oft Nein gesagt um noch irgendwo gefragt zu werden, ob er mit kann, dabei sein kann.

Und es fühlt sich gar nicht cool an.
Es fühlt sich scheiß einsam an.

Aber um daran was zu ändern, müsstest du wissen wie man aus seiner eigenen Haut kommt. Weniger Abstand, weniger Schweigen, weniger Augenrollen, vielleicht ein klein bisschen weniger: egal. Und vielleicht endlich mal ehrlich sein. Ein bisschen mehr, oder wie war das?
11 Ingameposts | 28.09.2025, 09:17
Militär Navarre
gespielt von Rieke
48 Jahre
Reiter
Glücklicherweise verändern sich Menschen in ihrem Leben und entwickeln sich weiter; sind nicht mehr so, wie zu ihrer Jugend oder gar Kindertagen. Die meisten jedenfalls. Heute ist Drystan besonnener, ausgeglichener. Als mittleres Kind von 7 schuf er sich schnell den Ruf, dass er um Aufmerksamkeit kämpfte. Selbst dann, wenn er daran nicht zu kurz kam. Er wollte auffallen, egal wie. Sicher, nicht immer war das positiv. Er konnte gemein zu seinen Geschwistern sein, sie ärgern, aber es ging nie über Geschwisterstreitigkeiten hinaus. Es wurde nie zu viel, weil notfalls doch mal die Eltern oder die älteren Geschwister einschritten. Es war okay. Es gab dennoch nie die Bedenken, er könne seine Familie nicht ebenso sehr schätzen, wie es alle anderen taten. Denn bei den Canmors steht Familie seit jeher an erster Stelle. Eine Philosophie, die auch Drys verinnerlichte.
Mit der Pubertät und den Anstrengungen, als erster des Familienzweigs dem Reiterquadranten beizutreten, kamen auch die Veränderungen. Man wurde erwachsener, vernünftiger, verantwortungsbewusster. Noch immer schienen die Momente durch, in denen man über die Stränge schlug, einen Kommentar zu viel brachte oder sich einen Spaß mit den anderen erlaubte, den nicht jeder so lustig fand. So ist er auch heute noch. Aber er ist in seine Rolle und seine Verantwortungen hineingewachsen. Er braucht die Aufmerksamkeit nicht mehr, wenn er sie sich nicht erarbeitet hat. Vermutlich ist es heute angenehmer mit ihm als damals. Wobei es wohl ganz darauf ankommt, wen man fragt.

Seit nunmehr 25 Jahren ist er an einen Drachen gebunden, Reiter, hat sein Ziel erreicht und versucht doch immer wieder, seine eigenen Grenzen zu überschreiten, besser zu werden. Nicht nur in seinen Fähigkeiten, in seinen Eigenschaften. Er weiß, dass er es nicht beeinflussen kann, ob jemand ihn als Vorbild ansieht, aber wenn ja, dann möchte er ein gutes sein. Immerhin ist er Vater, Onkel, Bruder, Kamerad, Staffelführer. Er macht das Beste aus dieser Verantwortung, überdenkt seine Entscheidungen viel mehr, als es damals je der Fall gewesen wäre. Aber er hat klare Prioritäten. Seine Familie steht an erster Stelle. Dann seine Kameraden. Dann das Königreich. Sagt er nur nicht so. Und er sorgt sich. Beinahe täglich. Weil er die Geschehnisse in Aretia erlebt hat. Weil er Kinder hat, die in dieser Welt aufwachsen und ihren Weg finden sollen. Weil ihm die Neulinge zugeteilt wurden, für die er sich mehr als nur verantwortlich fühlt.

Manchmal kommt er noch durch: Der übermütige Drys, der seine Ausbildung begonnen hat – und schon damals jede Woche einen Brief an eines seiner Geschwister geschrieben hat, damit niemand zu kurz kam nach dem ersten Jahr – und keinen Scham empfindet für einige Entscheidungen. Es ist kein Geheimnis, dass seine Ehe seit Jahren mehr als kompliziert ist. Ebenso wenig ist es ein Geheimnis, dass er seiner Frau dennoch absolut treu ist. Weil er sie liebt. Noch genau so wie damals. Manche Menschen können nur einfach nicht beieinander sein, ohne sich zu schaden. Weiß er. Aber niemals würde er sie deshalb aus seiner Familie streichen. Sie und seine Kinder sind seine Familie. Und er könnte nicht stolzer auf die leichtsinnige Entscheidung von damals sein.
Drystan hat viele schlimme Dinge erlebt. Er hat Verluste betrauert. Er denkt heute noch oft an jene, die er verloren hat. Aber er bereut den Weg, den er gegangen ist nicht.
16 Ingameposts | 17.06.2025, 18:35
Militär Navarre

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