Charakterliste
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gespielt von Berrie
35 Jahre
Reiter
Gibt nur wenige Regeln im Umgang mit Drachen. Dreh' dich nicht weg, lauf nicht davon, senke den Blick - und bete zu den Göttern, dass sie dich nicht trotzdem bei lebendigem Leib verbrutzeln. Vor über zehn Jahren hast du all diese Regeln live und in Farbe gelebt, hast am Basgiath War College zwei Mal das erste Jahr durchlebt, nachdem beim ersten Mal offenbar keiner der bindungswilligen Drachen dein Potenzial erkannt hat (O-Ton). War zunächst ein herber Schicksalsschlag für dich, war für dich immer klar, dass du ein verdammt guter Reiter werden würdest. Dass du immer eher ein Händchen für Drachen hast, die nicht deine sind, war vielleicht ausschlaggebend, vielleicht auch nicht. Hat ja aber schließlich doch dazu geführt, dass dein Leben nicht so trostlos wurde, wie angenommen. Neben deiner körperlichen Fitness war dein Köpfchen eigentlich schon immer deine stärkste Waffe. Wärst damals schon von Anfang an gut bei den Heilkundigen untergebracht gewesen, aber Menschen heilmachen war irgendwie nicht dein Ding. Drachen hingegen ... Vor 'nem Jahrzehnt hat man dich dafür belächelt, sogar ganz offen über dich gelacht. Heute flattern Briefe in deine Gemächer, Befehle und Bitten gleichermaßen, die dich durch das ganze Königreich führen, um fremder Leute Drachen zu behandeln. Manchmal wirst du der Drachenflüsterer genannt; bist der, der eine Bindung zu ihnen aufbauen kann, ohne sich zu (erneut) binden. Der Respekt von denen bekommt, die keinen Respekt vor sich selbst haben. Bist somit rastlos, nirgends wirklich heimisch, nie länger an einem Ort. Obwohl du dein Engagement in deiner Staffel in Samara ernst nimmst, ist deine Anwesenheitsquote nicht selten sporadisch. Bist häufig da, wo du eigentlich gar nicht sein wolltest: an Außenposten, irgendwo nahe der Grenze. Dort, wo man dich gesehen hat, kurz, nachdem die große Blaue mit dem Dolchschwanz dich gebunden und für Raunen und Aufsehen gesorgt hat. Bist auch ein ausgemachter Glückspilz: erst gar nicht gebunden werden und dann von einer der seltenen blauen, die man sich besser nicht zum Feind macht. In der Hinsicht passt ihr wirklich ausgezeichnet zueinander. Wenn du schon sonst nur selten jemanden wirklich als ‘an deiner Seite stehend’ bezeichnen kannst, bist du dir bei ihr so sicher, wie bei niemandem sonst. Dann allerdings nicht in der Front Row zu stehen und ihren Dolchschwanz in die gefiederte Brust zu kurz geratener Löwe-Adler-Mischungen zu bohren, hat überraschend nicht für Wohlwollen gesorgt. Da stehst du nun also, machst irgendwie nie das, was man von dir erwartet. Brichst mit althergebrachten Traditionen und über Jahrhunderte hinweg übermittelten Wissen. Bist experimentierfreudig, denn nur, weil was die letzten 6 Jahrhunderte geklappt hat, heißt das ja nicht zwangsläufig, dass man das nun auch so beibehalten muss. Findest du. Sonst niemand. Ist dir aber auch egal.
13 Ingameposts | 08.02.2025, 15:39
Militär Navarre
gespielt von Rieke
32 Jahre
Reiterin
Wer hoch fliegt, fällt tief und nicht immer kann man aufgefangen werden. Ein Risiko von vielen, die die aufgeschlossene junge Frau schon immer gern einging, ohne sich über Konsequenzen und schlechte Ausgänge Gedanken zu machen. Dabei war es nicht der Drang, das Leben so zu gestalten, wie man wollte, weil man nur eines hatte. Nicht die Leichtigkeit, an blindem Optimismus festzuhalten, weil schon nichts schiefgehen würde. Es war das Gefühl in ihr dass ihr sagte Diesen Schritt musst du noch gehen. – Und dann? – Dann schaust du, was passiert. Einen Schritt nach dem anderen und nicht selten einen Schritt zu weit. Über die gezogenen Grenzen hinweg, in einen Bereich, in dem Konsequenzen auf sie warteten. Schrammen, Blut, Tränen, Schweiß, einen atemlosen Moment, Sprachlosigkeit, harsche Worte. Dinge, denen sie erhobenem Hauptes stellte. Schon immer. Nicht ein einziges Mal kam ihr der Gedanke, dass sie das nicht müsste, wenn sie innerhalb der gezogenen Grenzen spielte. Aber das klang nicht nach ihr, reizte sie nicht. Besser, schneller, weiter. Eine riskante Mischung aus Spontanität, Ungeduld und Leidenschaft.
Aber wenn sie den Wind im Gesicht oder den Haaren spürt, hat es sich immer gelohnt. Wenn sie sich über den Ausgang einer dummen Aktion freut und reflexartig lachen muss, weil sie nicht darüber nachdenkt, dass sie andere in Gefahr gebracht hatte. Denn der Ausgang war ein Erfolg, die Stimme hatte Recht, das Bauchgefühl. An ihrer Seite ihr Drache, dem sie seit nun doch schon einigen Jahren blind vertraute. Er wusste, dass er bei ihr nie mit etwas rechnen konnte und sie wusste, dass sie immer damit rechnen konnte, dass er spontanen Eingebungen folgte, wenn er nicht gerade selbst einem Impuls nachging. Ein Duo, dass die Welt vermutlich auch ganz versehentlich in Schutt und Asche legen könnte, ohne es zu merken, bis man mit dem Zeigefinger darauf deutete. Dabei war es nicht so, dass Vidia absichtlich Schaden anrichtete oder Leute gefährdete. Nein, das Gegenteil: Sie wollte helfen. Wie man es ihr beigebracht hatte. Kleine Gesten, unausgesprochene Dinge. Impulsive Ideen, selbst wenn sie ein deutliches Nein! gehört hatte. Sie handelte, dann trug sie die Konsequenzen. Egal wie hart, egal wie lange. Und sie wuchs daran, denn auch in diesen Situationen setzte sie sich keinen Handlungsrahmen. Sie wartete ab, was passierte. Was wäre, wenn sie schneller wäre? Was, wenn sie das, von dem Andere ihr abrieten, versuchte und es schaffte? Wie sollte sie es denn sonst herausfinden? Vidia hatte schon immer das Problem, dass sie dazu tendiert, Türen einzutreten, statt zu Klopfen. Zu oft kam sie damit davon. Zu oft hat sie sich gesagt, dass doch alles gut ist. Aber sie weiß auch, dass sie Glück hatte, weil ihr Dinge, auf die sie während ihrer Ausbildung vorbereitet wurde, noch nicht passiert waren. Manchmal, in winzigen Momenten, kaum länger als ein paar Sekunden, verglich sie Flugmanöver und Missionen mit einem Spiel, das einfach nur Spaß machte, weil man gewinnen konnte. Doch am Ende weiß sie, dass sie eine Soldatin war, keine Spielerin. Und zu gewinnen bedeutete oft das Ende für die andere Seite. Man wächst an seinen Aufgaben. Nicht immer schnell oder freiwillig, aber sie war auch nicht mehr die, die den Viadukt überquerte. Sie hatte gelernt. Aber im Kern war es einfach schwer, einem guten alten Risiko zu widerstehen.
23 Ingameposts | 23.03.2025, 13:28
Militär Navarre
gespielt von Jella
24 Jahre
Diplomatin
Lady Decadence's Society Papers Man munkelt, dass Fräulein Treasa Bhailis fest entschlossen sei, sich baldmöglichst zu vermählen — weniger aus Liebe, vielmehr aus dem dringenden Wunsch, dem Makel ihres Nachnamens und der finanziellen Schieflage der Familie zu entkommen. Doch, meine Lieben, wer könnte es ihr verdenken? Schließlich heißt es die weichen Kissen, auf denen Miss Bhailis einst ruhte, seien inzwischen etwas dünner gefüllt. Es scheint also naheliegend darin einen Beweggrund für ihren Umzug ins Zentrum des Landes, also Callydr Stadt, zu sehen. Natürlich behauptet die Betroffene selbst, sie strebe keineswegs die Flucht vor ihrem Namen an — lediglich einen Wechsel ihrer üblichen Szenerie, auch des Berufswegen willen. EXTRAORDINARY PEOPLE, EXTRAORDINARY NEWS Sie sagen‘s hinter vorgehaltener Hand. Das macht es nicht wahr, aber auch nicht zur Lüge. Mein ganzes Leben präsentiert mich auf einem Silbertablett und ich hätte doch gern, es wäre Gold. Also stimmt im Grunde, was sie über mich sagen: ich will mehr als das Leben mir derzeit bietet. Wollte es schon immer, vielleicht sogar, seitdem ich vor mehr als vierundzwanzig Jahren ins Leben meiner Eltern kam. Treasa Orla Rhosyn Bhailis – ich kam mit der Anzahl an Namen wohl noch gut weg, wenn man sich im Adel ansonsten so umguckt. Unsere Linie geht auf viele andere Namen zurück und doch war Ahnenforschung abseits meiner beruflichen Verpflichtungen nie etwas, was mich wirklich interessiert hat. Mich hat nur interessiert, wozu es uns gemacht hat. Die weichen Kissen, in die ich mich sinken lassen konnte, das gute Essen, welches mich jeden Tag erwartete. Der ein oder andere würd’s sicherlich das gute Leben nennen. Ich nenne es wie es ist: Luxus. Das niemals endende Privileg eines Lebens ohne Geldsorgen. Man sagt, man denkt erst über Geld nach, wenn man keines mehr hat – und ich kann’s aus eigener Erfahrung bestätigen. Es ist kein Leben, welches ich mir ausgesucht hätte. Keine Wendung, die ich in meine Geschichte geschrieben hätte. Die bösen Zungen nennen es oberflächlich, aber ich weiß eben was ich will und es ist nicht den Rest meiner Zeit mit harter Arbeit zu verschwenden, um mir einen akzeptablen Lebensstandard zu sichern. Wer auch immer sagt, dass Geld nicht alles ist, hat entweder zu viel davon oder hatte nie genug davon. Seien wir ehrlich, es ist sehr vieles. Was an dem Gerücht ist also wahr? Die Tatsache, dass ich heiraten würde, um mir diesen Lebensstandard zu ermöglichen. Nicht aber der Teil, indem ich es tue, um meinem Nachnamen zu entfliehen. Ich mag nicht der Überzeugung sein, dass alle Presse gute Presse ist – ansonsten wäre unsere familiär-finanzielle Situation eine Andere – aber es wird immer jemanden geben, der redet. Neid ist aus meiner Sicht eine natürliche Eigenschaft des Menschen. Vor allem, wenn man sich ansonsten im Leben langweilt. Nicht, dass ich dazu tendiere. Mein Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit ist auch einer von Sorglosigkeit und Lebenslust. Ich lebe gerne und ausgiebig. Und ich habe keinerlei Problem damit, wenn man sich hinter meinem Rücken darüber den Mund fusselig redet. Darin sehe ich in der Tat nichts anderes als Neid und diesen als Kompliment. Dass man sich ohnehin darüber wundert, dass daddy’s little princess mittlerweile ihre Heimat Baridmeth gegen die Hauptstadt getauscht hat, sorgt für weiteren Gesprächsstoff. Ich fürchte ich bin in diesem Sinne einfach spannender als die Meisten. Und auch wenn ich grundsätzlich nicht gerne arbeite – wer auch immer das tut, sollte sich vorsorglich mit seiner Psyche beschäftigen, finde ich – hätte es mich beruflich schlechter treffen können. Als diplomatische Assistentin verkehre ich immerhin noch in einflussreichen Kreisen. Nur den Hang zum Leben als Workaholic sollte man den meisten von ihnen abtrainieren. Oder ihnen einmal die Unter den wohlmeinenden Kreisen kursiert eine weitere, köstliche Behauptung: Fräulein Bhailis, so heißt es, habe in ihrem Leben noch kein einziges Buch gelesen. Ob diese Unterstellung zutrifft, sei dahingestellt. Was man jedoch mit Gewissheit sagen kann: Treasa Bhailis versteht es, mit Erwartungen zu spielen wie andere Damen das Pianoforte. Sollte das Gerücht also nicht stimmen, dann darf man sich wohl fragen, wer hier wen liest. Die Bücher Fräulein Bhailis — oder Treasa Bhailis ihre Mitmenschen? Zugegeben spiele ich auch gerne etwas mit dem Klischee, welches man in mir sieht. Deswegen stören mich die meisten Gerüchte nicht, solange sie mich betreffen. Geht es indes um meine Familie oder die Menschen, die mir etwas bedeuten, steuere ich meist dagegen. So gut es eben geht. Oder sorge dafür, dass die Aufmerksamkeit einfach wieder auf mich fällt. Meine berufliche Position wird oft meinem Namen zugewiesen, weil die meisten nicht glauben, dass ich tatsächlich überdurchschnittlich gute Noten im Schriftgelehrten-Quadranten vorweisen konnte. Wenn man tut als wäre man dumm, wird man unterschätzt. Wenn man unterschätzt wird, kann man andere grundsätzlich deutlich besser manipulieren. Es funktioniert sicherlich heutzutage nicht mehr ganz so gut wie damals – aber es funktioniert durchaus. Ich gehöre nicht zu jener Sorte Mensch, die zu edelmütig ist, die Welt zu ihrem Gefallen zu biegen. Also dementsprechend auch manches Wertesystem. Wir leben nur einmal. Warum also haben wir nicht einfach ein bisschen Spaß mit der ganzen Sache?
13 Ingameposts | 24.08.2025, 20:31
Zivil Navarre
gespielt von Miri
39 Jahre
Reiter
Du hast die Augen geschlossen.
Valdin. Du hörst gar nicht richtig hin. Valdin? Öffnest die Augen, langsam blinzelnd. Müdigkeit, die nur gemächlich aus deinem Gesicht weicht. Du bist gut darin so zu tun als wären dir Sachen egal. Arme verschränkt. Der Gesichtsausdruck immer ein bisschen gelangweilt. Als könnte dich nichts wirklich beeindrucken, als würde nichts passieren, das dich irgendwie was angeht. Manchmal lässt sich darin noch der bockige, kleine Junge erkennen, der keine Zeit hatte Kind zu sein. Ist der Grund warum‘s dir schwer fällt deine Grenzen zu wahren, dein Leben nicht zu behandeln als hättest du fünf. Rutscht von einem extrem ins nächste, von: nur Grenzen und keinen Schritt zum Leben, zu: dem genauen Gegenteil. Tief durchatmen. Dich beruhigen. Alles Dinge, die nie funktionieren. Für gute Ratschläge ist es dann, wenn du längst einen Schritt zu weit, mit dem Dickkopf durch die Wand bist, längst zu spät. Dein Grummeln ist manchmal laut, manchmal leise. Kritischer Blick, eine Augenbraue oben. Das kannst du gut. Erstmal dagegen sein, erstmal so tun als wär‘s scheiße. Auch wenn du es ganz anders wahrnimmst, auch wenn du dich eigentlich nur beschwerst um dich zu beschweren und naja — nicht weil es dich wirklich stört. Hast‘s Bedürfnis oft und viel deine Meinung zu sagen, selbst wenn du davon wenig hast. Gern mit dem Finger in die Wunde. Alles, nur um von den eigenen Dingen abzulenken. Dabei kannst du auch weicher, verletzlicher sein. Versteckst es gut hinter der Fassade mit der du irgendwann in Basgiath dachtest durchzukommen. Weil sich vorgetäuschte Stärke beinahe wie echte angefühlt hast. Hast nur irgendwann vergessen, dass du das eigentlich gar nicht mehr brauchst. Dass du aufhören kannst zu spielen, ein bisschen mehr — echt sein könntest. Wozu die Scharade hinter bissigen Kommentaren, die Distanz wahren sollen. Nur damit niemand dich verletzen kann? Zu spät. (War was?) Versuchst dir nicht anmerken zu lassen was alles hinter dir liegt. Schweigst, wenn andere von Zuhause, ihren Eltern erzählen. Willst nichts von den schlechten Erinnerungen teilen. Als könntest du dann den Schmerz und die Angst, die hinter dir liegt vergessen. Ungelesene Briefe in Schubladen, die eine andere Sprache sprechen, sowie Nächte in denen du schweißgebadet aufwachst. Findest keine Worte für das was du erlebt hast. Für das Zucken, wenn jemand nur die Hand nach dir ausstreckt und den Schmerz, der in deinem Namen ruht.
38 Ingameposts | 14.04.2025, 16:10
Militär Navarre
gespielt von Miri
23 Jahre
Reiter
honey, it already did.« Da bist du. Immer nur du, du, du, du, du. Da ist wenig Platz für andere Dinge, wenig Platz für andere. Bist Meister darin alle auf Abstand zu halten, während du dich selbst immer mehr in dir zurückziehst. Stille und Einsamkeit, weil du immer einen Schritt zurück machst und gleichzeitig alles von dir drückst, schubst, was auch nur einen Blick in deine Richtung wirft. Hast dich nie gefragt, ob du die Stille wirklich magst, sie war — einfach da (Sprachlosigkeit, oft, Freunde, Gruppen, Zusammenhalt. Hochgezogene Augenbraue. (Wie bitte?) Körper immer unter Storm, angespannt. Zusammenzucken, wenn dir jemand zu nah kommt, nicht berührt werden wollen, nie, nicht wirklich und wenn doch eher aggressiv reagieren, Musst nicht spielen das Arschloch zu sein, du bist einfach — Versteckst deine Unsicherheiten so gut hinter all dem, dass sie kaum jemand bemerkt. Ist schwer neben dem ehrgeizigen Training, dem leicht gehobenen Kinn, der beinahe immer gehobenen Hand im Unterricht, nicht zu glauben, dass dir alles zufällt. Alles leicht fällt. Die reichen Eltern, der vermeintlich gute Name, der große grüne Drache. Alles perfekt, alles gut. Toll eine Siegelkraft zu haben, die so wichtig für’s Land ist — oder? Angstschweiß, zitternde Hände, schnelles ein und ausatmen. Toll. Wie dunkel es wird, in dir und um dich herum, das bleibt bei dir. Sind wenige mit denen du die Stille wirklich genießen, aushalten kannst. Wo du wirklich hinhörst und nicht mit einer Lüge antwortest, keine Fallen stellst. Aber selbst da machst du den Mund nicht wirklich auf, kriegst die Worte und Fragen nicht ausgesprochen. Schiebst die Wutausbrüche immer auf Andere. Deren Unfähigkeit, dem was dich da stört. Nicht darauf wie wenig du mit Kritik umgehen kannst, wie der Druck dich zermürbt, wie’s alles drückt und stört und kein richtiges Ventil findet. Kennst es nicht anders. Du, du, du, du — aber wer soll das überhaupt sein? Scheiße.
16 Ingameposts | 06.07.2025, 18:25
Basgiath War College
gespielt von Rieke
28 Jahre
Fliegerin
Dieses Lächeln ist echt, selbst wenn der ein oder andere behauptet, es müsse doch aufgesetzt sein. Niemand hätte so viele Gründe, immer gut gelaunt zu sein. Nicht im Militär. Niemand könnte glücklich über die Kämpfe sein. Manchmal haben diese Leute Recht. Tegan ist nicht froh über die Kämpfe oder die Verluste, aber sie sucht sich die kleinen Dinge im Alltag, die es wert sind, zu lächeln. Und dann, an anderen Tagen, braucht sie keinen Grund. Schon früher war sie die, die fröhlich war. Die, die immer bereit war, den ersten Schritt zu machen, Fremde anzusprechen oder einfach eine Hand zu reichen. Der Optimismus hat sie ihr ganzes Leben lang begleitet und sie zehrt von ihm, beinahe jeden Tag. Nicht auf diese verzweifelte Art – nicht mehr, aber diese Zeiten hatte es gegeben – sondern so, als wäre es ein Teil ihres Wesens. Also doch, sie kann so viele Gründe haben, zu lächeln und es wäre echt, weil sie sich die Gründe suchte, notfalls einredete. Immerhin machte es die Welt auch nicht zu einem besseren Ort, wenn man den traurigen Momenten mehr Bedeutung gab als den wirklich schönen.
Sicher, sie weiß aus Erfahrung, welche traurigen Erlebnisse sie nicht noch einmal erleben wollte, welche sich nicht wiederholen sollten. Aber ihre Herangehensweise ist dann doch eher, sich auf das zu konzentrieren, was man erreichen will, nicht das, was man verhindern will. Denn dann kann man die Zielgerade sehen, einen Erfolg feiern, statt bis zu seinem Todestag zu hoffen, dass das Schlechte nicht doch noch eintritt. Manch einer mag sie belächeln, den Kopf schütteln, wenn man sieht, mit was für einer Leichtigkeit in ihrem Gang sie sich bewegt. Als gäbe es keine Gefahren auf dieser Welt. Dabei ist sie sich dessen mehr als bewusst. Aber dann sollte man sie doch belächeln, unterschätzen. Tegan nutzt den Eindruck, den sie erwecken kann, zu ihrem Vorteil. Die Kleine, die irgendwie so offenherzig war, dass sie sicher irgendwann damit aufs Gesicht fallen würde. Was hinter ihren Augen passierte, lernten die Meisten nach der ersten Auseinandersetzung. Dass sie sich Strategien zurechtlegt und durch gezielte Bewegungen den körperlichen Nachteil oft ausgleichen kann. Ja, für Kämpfe ist sie bereit. Dafür wurde sie ausgebildet. Dafür hat sie echtes Interesse. Aber wenn man auf derselben Seite steht, sieht sie über das erste Mal Unterschätzen hinweg, reicht wieder eine Hand, hilft einem zurück auf die Beine. Das Lächeln im Gesicht. Die Leichtigkeit, die Offenheit, die Zuversicht; all das hat sie schon immer ausgezeichnet. Viel mehr noch, als das laute Auftreten, das schiefe Singen, das Fehlen von Schamgefühl in ihrer Kindheit. Weil sie diese Fähigkeit in sich trug, den Menschen einfach zu vertrauen. Bis es irgendwann nicht mehr so war. Heute gleicht Tegan wohl mehr denn je ihrer kindlichen Version und diesen Umstand schreibt sie ihrer Gabe des Wahrheitssagens zu. Sie geht durch die Welt und erkennt besser als manch andere, wem sie vertrauen kann, was die Wahrheit ist, was Halbwahrheiten sind und wo sie deshalb doch Vorsicht walten lassen muss. Die Gabe war wie ein Rettungsring, aber eben auch nur ein Hilfsmittel, auf das man sich verlässt. Auch Tegans angeborene Empathie trägt ihren Teil dazu bei. Denn ihre Gabe hat Grenzen. Sprachbarrieren, Halbwahrheiten. Oder eben jene, die um die Gabe wissen und gelernt haben, ihre Worte in kleinen Wahrheiten zu verpacken, ohne die größeren Lügen dahinter überhaupt erst auf den Tisch zu bringen. Ein Zusammenspiel aus Neugier oder dem Wunsch nach Sicherheit und dem angeborenen Vertrauen, dem Wunsch, ein paar Leute nicht hinterfragen zu müssen.
27 Ingameposts | 26.04.2025, 21:17
Militär Poromiel
gespielt von alice
36 Jahre
Reiter
Dein Lachen ist ansteckend und ungehemmt, dein Lächeln ist offen und herzlich und ehrlich — mit dir in der Nähe kann man’s gut aushalten. Bist lieber leicht als schwer, siehst hin statt weg, bist hilfsbereit, bist aufmerksam und einfühlsam. Mama sagt, du hast eine zarte, liebevolle Seele. Hast als Kind verletzte Vögel aus dem Wald nach Haus getragen und kleine Schnecken vom Waldweg vorsichtig zurück ins hohe Gras gesetzt. Du schätzt das Leben und das fast ohne Ausnahme — kein Wunder, dass deine Siegelkraft das Gegenteil von einer der vielen verheerenden Mächte ist. Du zerstörst nicht, du lässt wachsen und neu entstehen und wächst dabei regelmäßig über dich selbst hinaus. Dass man dich nicht nur einmal (aber meist hinter deinem Rücken) als wandelnde green flag bezeichnet, hat nichts mit deinem Händchen für Pflanzen zu tun, sondern mit einem Herzen am rechten Fleck und einer Einstellung, auf die deine Eltern stolz sind — weil du die Werte, die sie dir mitgegeben haben nie verloren hast.
Fast nie. Dass du in der Schlacht von Aretia auf Seiten des Königreiches viel getan und viel gesehen und sehr viel verloren hast, hat deinen Schatten dunkelrot gefärbt und auch, wenn du dir davon heut nur noch selten etwas anmerken lässt (oder anmerken lassen willst), verändert hat’s dich trotzdem. Über die Zeit sprichst du so gut wie nie, noch weniger über die alte Verletzung, die nie komplett geheilt ist und dich nach besonders langen Tagen oder bei besonders heißem Wetter heimsucht; wie ein Geist, der mit Ketten rasselt und dich nicht vergessen lässt was fünf Jahre her ist. Nur, dass du dich darüber nicht definieren willst. Du bist ein lebensfroher und lebensbejahender und lebensschätzender Mensch, du hast die Frau für’s Leben gefunden, du liebst deine Familie, du hast Freunde und der Vater deiner Freundin ist wie ein Vater vor Ort für dich, wo dein eigener nicht so schnell erreichbar ist. Du rückst Nymrith immer wieder in ein hübsche(re)s Licht, weil du weißt wie viel Blumen und Bäume ausmachen können (Hoffnung, vor allem geht’s um Hoffnung). Du bist ein Kindermagnet und kannst ziemlich gut mit kleinen Menschen. Du stellst eigenen Honig her, hast die Bienen im Garten deines sozusagen (noch nicht ganz, aber hoffentlich bald) Schwiegervaters angesiedelt und manchmal bringst du heut noch ein verletztes Vögelchen nach Hause. Du bereitest Picknicke im Sonnenuntergang vor — auch, wenn dein Drache dich für deine romantische Ader still belächelt; ihr seid dennoch ein verdammt gutes und eingespieltes Team. Ihr fliegt zusammen immer mal wieder durch’s halbe Königreich um anfordernden Stützpunkten mit Nutzpflanzen die Versorgung zu erleichtern und du liebst es, das Rumkommen, das Aushelfen, aber du liebst es noch mehr danach wieder Zuhause zu sein. Bei ihr. Du liebst sie. Oh, und du wärst ein wundervoller Vater und hoffst, dass du das irgendwann auch wirklich bist. Du bist Leben und Liebe und Wachstum und Hoffnung und du bist ein guter Mann.
22 Ingameposts | 21.06.2025, 13:59
Militär Navarre
gespielt von Maj
43 Jahre
Diplomatin
Es sind die Juwelen um ihren Hals und an ihren Ohren, die funkeln und strahlen – nicht etwa der Verstand von Nicaea Darikos, geb. Valy. Sie funkelt am Arm eines einflussreichen Ehemanns, der in der militärischen Hierarchie nicht mehr höher kommen kann, ist er doch schon Commanding General der navarrianischen Streitkräfte. Dass Nicaea für diese Hochzeit formal ihren Adelstitel aufgeben musste und vor dem Gesetz und bei höflichen Ansprachen ‚bloß‘ als Bürgerliche gilt, spielt keine Rolle. Mit ihrer Biographie ist sie immer noch das Wunsch- und Vorzeigekind ihrer Eltern, was diese auch über die 43jährige noch immer so formulieren.
Als Sandwichkind wurde sie in eine adelige Familie hineingeboren, die von ihrem Stammsitz in Calldyr Stadt aus ihre Fäden webt und konkrete Vorstellungen davon hatte, wie Töchter der Familie zu sein hatten: liebreizend und schön. Ausgestattet mit einem Familiennamen, der sie zwar aufrechter gehen lässt als jedes Korsett, zugleich aber nicht einschnürt. Denn als Valy kann man es sich erlauben, mit Erwartungen zu spielen, auszubrechen aus dem klassisch adeligen Muster und Wege zu gehen, durch die doch niemals Grenzen gesprengt würden. Der Grad zwischen goldenem Käfig und Freiflug war schmal, doch Nicaea hat es gemeistert, das zweite zu haben und nach dem ersten auszusehen. Perfekter als ihre jüngere Zwillingsschwester fügt sie sich in die traditionelle Gesellschaft aus Hochadel, Militär und Politik ein, lächelt und stimmt zu, dass sie Glück hatte. Glück, einen Mann zu heiraten, der eine strahlende Karriere absolviert hat. Glück, mit ihm zwei leibliche Kinder zu haben, während sie mit ihm noch ein drittes groß zog. Glück, neben all ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen noch Zeit dafür zu finden, ihrem Hobby der Ahnenforschung nicht nur privat nachzugehen, sondern auch in einem Archiv Calldyrs angestellt zu sein. Glück, das Nicaea nicht bloß zugefallen ist, sondern das sie sich auch erarbeitet hat. War es in ihrer Teenagerzeit noch ein Spaß, harmlos zu wirken und doch Fäden zu ziehen, hat Nicaea es über die Jahre perfektioniert. Hier ein Stoß, da eine persönliche Information über seinen Gegenüber oder die Gesellschaft als Ganzes war der Karriere ihres Ehemanns sicher nicht abträglich. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit zeigt sich auch, dass Nicaeas Organisationstalent und Loyalität kontrollierende Züge hat. Doch es war nie sie selbst, die sie damit in den Mittelpunkt gespielt hat. Ob hinter Mann, Schwester oder einer Lüge: Nicaea kann zurücktreten. Und so ausdauernd, wie Nicaea über die Bedeutung von Familienlinien und Traditionen, die Qualität von Papier oder Tintenfraß reden kann, glaubt man ihr mit Leichtigkeit, dass die entsprechende Ahnenforschung ihr Vollzeitjob sei. Dahinter tritt zurück, dass Nicaea keine Tempelbücher, sondern im Amt für inner Angelegenheiten geheime Berichte aus dem ganzen Land auswertet.
7 Ingameposts | 05.11.2025, 10:22
Zivil Navarre
gespielt von Katja
41 Jahre
Reiter
Bradens Finger fuhren den geschwungenen Linien des Holzes unter seinen Fingern nach, ertastete die feinen abgerundeten Kerben. Das polierte dunkle Holz unter seinen Fingern war fast warm. Den Springer trug er nun schon seit Wochen bei sich. Erst drei Wochen nach seinem Geburtstag hatte er die Figur gefunden. Bradens Mundwinkel hoben sich ein kleines Stück, als er daran dachte, dass es auch wirklich ein verdammt gutes Versteck gewesen war. Seine Überraschung hatte er nicht mehr einlösen können. Zuerst war er nach Sumerton versetzt wurden und dann war alles woran er geglaubt hatte, worauf er sich verlassen hatte, zusammengebrochen. Eine kleine Falte bildete sich zwischen seinen Augenbrauen,. Er seufzte, schob die Figur in eine der Taschen seiner schwarzen Lederweste. Da war das Vermissen, der vertraute bittere Schmerz als sein Herz sich zusammenzog. Familie war immer wichtig gewesen für ihn und er vermisste seine Geschwister, seine Verwandtschaft, seine Lieben, seine Beziehung. All Jene, die er zurück gelassen hatte. Obwohl es ihm schwer gefallen war, hatte er nicht gezögert. Was hätte er auch sonst tun sollen? Seine Leute zu beschützen, war mehr als nur seine Aufgabe als ihr Staffelführer. Das Gefühl von Verantwortung ein Grundsatz seiner Persönlichkeit, dass es keinen anderen Weg gegeben hatte. Beseitigen. Wie hätte er das zulassen sollen. Nachdem, was sie erfahren hatten. Der Kampf mit den Venini. Sie hatten zwei gute Leute verloren. Zwei Menschen, die ihm wichtig gewesen waren, nicht Familie von Blut, aber des Herzens. Auch das schmerzte immer noch. Wie hätte er zulassen können, auch nur einen weiteren zu verlieren? Schlimm genug, dass sie zwei Kameraden hatten zurücklassen müssen. Also waren sie gegangen. Deserteur nannte man ihn jetzt. Dabei war es vor allem die Loyalität gewesen, die ihn dazu gebracht hatte, diejenigen die unter seinem Befehl standen zu schützen. Es war ihm so wichtig gewesen, dass sie zusammen blieben und jetzt waren sie zwar an einem Ort, aber als Einheit auseinander gerissen. Das schmeckte bitter. Dabei hatte er versucht sich duchzusetzen. Eigentlich war er ganz gut darin und hatte auch ein gewisses diplomatisches Geschick, er war zumindest meistens recht selbstbeherrscht und verlor nicht schnell die Geduld. Das war meistens von Vorteil, außerdem sagte man ihm nach,dass er durchaus wortgewandt war. Normalerweise mochten Andere ihn schnell, er hatte einen gewissen Humor und machte es den Menschen nicht schwer. Solange ihm keiner dumm kam, war er prinzipiell erst einmal freundlich. Er ließ sich halt nur auch nicht gerne auf der Nase rum tanzen. Er wusste, die Mitglieder seiner Staffel, verließen sich auf ihn. Er hatte immer versucht ein guter Staffelführer zu sein, jedem gerecht zu werden und dabei ihre Ziele zu erreichen… ohne, dass jemand zu schaden kam. Entscheidungen zu fällen, fiel ihm nicht schwer, aber auch nicht seine Mitglieder dabei einzubeziehen, oder Kritik anzunehmen. Vielleicht hatte die Staffel deswegen so gut funktioniert, vielleicht aber auch nur, weil er wirklich gute Leute gehabt hatte. Gerne, hätte er mehr herausgeschlagen als nur die Aussicht darauf, dass sie irgendwann wieder eine Staffel sein würde… Dass das geschah schien noch in weiter Ferne zu liegen. Aber immerhin nicht unmöglich. Dafür hatte er sogar in Kauf genommen, den Titel des Prinzen zu nutzen. Seit er Reiter war spielte er eigentlich kaum noch eine Rolle, waren die Abzeichen auf seiner Fliegerjacke, immer wichtiger gewesen… aber hier in Poromiel, hatte er auf einmal wieder Gewicht. Dabei war er dem Thron so fern, dass es eigentlich absurd war, den Titel überhaupt zu nutzen.
42 Ingameposts | 25.03.2025, 09:28
Militär Poromiel
gespielt von Jella
33 Jahre
Reiter
Eis, so spät es auch in Form seiner Kraft in seiner Tatsächlichkeit Teil seines Lebens geworden ist, war in seinen vorrangigen Eigenschaften schon früh Teil von Kian Seaghas Leben. Kälte, Härte und Unnachgiebigkeit waren und sind grundlegende Eigenschaften, die ihm familiär und auch mitsamt seiner Erziehung in die Wiege gelegt wurden. Dass ihn diese vollends verinnerlichten Grundanker heute kaum zum massentauglichen Helden machen, sondern wohl eher in seiner Charakteristik als Bösewicht einzuordnen wäre, lässt ihn gewohnt kalt – sicherlich auch, weil er seinen Drang nach Heldentum in der gräulichen Schattierung seiner beruflichen Aufgaben verloren hat. Das Richtige zu tun ist für ihn nicht länger gleichbedeutend damit auch etwas Gutes zu tun, schließlich sind moralische Grenzen nicht nur dehnbar, sondern auch im Sinne eines großen Ganzen zu missachten. Glücklicherweise ist es dabei nicht Kians eigene Aufgabe vorzugeben, was diese Sinnhaftigkeit ist, schließlich wurde die Sinnfrage schon mit seinen ersten Atemzügen für ihn beantwortet. Der Ausdauernde, was sein Name übersetzt bedeutet, ist in erster Linie dem Militär verpflichtet und somit dem, was dieses zum Wohle seines Landes von ihm fordert. Wohl möglich, dass ein System keine Familie ersetzen kann und doch sind es Außenposten und militärische Strukturen, die ihm so familiär geworden sind, dass ein Hinterfragen dieser schon einer existenziellen Sinnfrage nahekäme. In allererster Linie und dem Kern seines Wesens ist Kian Soldat, scheut nicht davor zurück sich die Hände schmutzig zu machen und hat schon vor geraumer Zeit gelernt sein Gewissen auszuschalten. Was andere als monströs betiteln, ist in seinen Augen notwendig – der Glaube, dass der Stärkere gewinnt, unabhängig davon in welcher Disziplin, in seinem Leben integral. Der ihm dadurch eigene Ehrgeiz sorgt dafür, dass Freundschaften in seinem Alltag eher rar sind und sich zumeist im beruflichen Kontext bewegen, dabei ist seine Loyalität denen gegenüber, die in seiner Staffel sind oder darüber hinaus Bedeutung in seinem Leben gewonnen haben, immens. Dahingehend war ihm sein Schicksal zumindest gnädig, hat eben diese Loyalität ihm im Rahmen seines Berufs glücklicherweise bisher keinen inneren Konflikt beschert. Eben jene, die Gefühlsebene, ist Kian trotz seiner durchaus gewachsenen Lebenserfahrung dennoch häufig noch ein Rätsel, weil seine eigenen Verhaltensmuster eher auf Instinkten und Gedanken basieren, eine gewisse Akzeptanz und Verständnis aber gerade aufgrund seiner zweiten Siegelkraft gewachsen. Die mildere Form des Gedankenlesens manifestierte sich aufgrund der Tatsache, dass der Drache seines Großvaters sich beim Dreschen für ihn entschied und damit nicht nur die Gesetze des Empyreans missachtete, sondern ihn mit einer zusätzlichen Macht bedachte. Eben jene hätte eigentlich sein Todesurteil sein sollen und macht ihn umso mehr dem Militär verbunden, welches ihn nutzt anstatt ihn zu töten, wenngleich die Wirkung seiner Kraft auch stark von den Denkmustern und der Offenheit seines Gegenübers abhängt sowie er sich über ihre Funktionsweisen auch deswegen nur mit wenigen austauschen kann, weil seine zweite Siegelkraft hochklassifiziert ist, also geheim gehalten wird.
Die mangelnde Wärme seines Wesens und seiner Kindheit vermag sein Drache Kani nur dahingehend auszugleichen, dass sie Feuer spukt, ein wohl dahingehend interessanter Widerspruch, dass man Kian in den allerseltensten Fällen ansehen wird, dass er für etwas wahrlich und vollends brennt und auch seine erste Siegelkraft, die Eismanipulation das kühle Blau seiner Augen unterstreicht. Die wahre Wärme findet sich in erster Linie in seiner vor geraumer Zeit geschlossenen Ehe, so aber weitestgehend hinter verschlossenen Türen. Seine Ehefrau, eine Schriftgelehrte, ist sicherlich die Person, die sich am besten in den Weiten seiner Innenwelt auskennt und somit auch seine sanfteren sowie hitzigen Seiten kennt. Eine gewisse Furcht, dass man sie irgendwann gegen ihn verwenden könnte, lässt ihn manche Grenze deutlicher ziehen. Als begnadeter Gegner im Faustkampf glaubt er sie aber im Notfall verteidigen zu können. Seine Fähigkeiten in diesem Stil sieht er als Erbe seines Onkels, seine Entschlossenheit als das Erbe seiner Mutter. Zu letzteren ist das Verhältnis dabei kaum enger als zu seiner Geschwaderführerin, auch wenn sie beide als Koryphäen des navarrianischen Militärs gelten. Ein Ziel, welches auch Kian anstrebt, dabei sind ihm die militärischen Würden im Grunde weniger wichtig als das Ansehen, welches mit ihnen einhergeht. Anhand diesem mögen manche Geschichtsbücher im Sinne der Verschwörung vielleicht doch zum Helden erhöhen, welche Geschichte das Land für ihn abschließend schreibt, muss jedoch wohl noch entschieden werden.
25 Ingameposts | 09.02.2025, 15:33
Militär Navarre
gespielt von Maj
41 Jahre
Reiterin
Fast in einem Atemzug mit dem König Navarres und seinem Commanding General dürfte Shahar Fendyr, geb. Cavall, genannt werden, wenn die Rebellen im Reich versuchen, ihre Feinde persönlich aufzuzählen. Vor nicht ganz fünf Jahren und im Anschluss an die niedergeschlagene Rebellion wurden ihr Mann und sie mit Tyrrendor belehnt, so dass sie in der zivilen Welt nun mit dem Ehrentitel Herzogin anzusprechen ist. Was nach Krönchen, gesellschaftlichen Events und schönen Kleidern klingt, ist tatsächlich aber ein rauer, grausamer Alltag. Zum fünften Mal jährt sich dieses Jahr die erfolgreiche Niederschlagung der Rebellion, aber die Trümmer, die man in Tyrrendor dabei hinterlassen hat, schwelen noch. Manche physisch wirklich, manche nur psychisch in der Seele der Einwohner. Die 100 Anführerfamilien habe man hingerichtet, heißt es in der offiziellen Berichterstattung, danach, wie viele der unteren Schichten auch nur enttarnt wurden, fragt niemand – der nicht vor Ort ist. Von einer niedergebrannten Hauptstadt weiß man, schweigt aber ebenso über zivile Opfer, wie über staatliche Institutionen und Unterlagen, die im Feuer zu Grunde gingen. Die Folgen eines Bürgerkriegs und womöglich immer wieder aufflammende Glutnester einer Rebellion zu beseitigen, ist zu Shahars Lebensinhalt geworden, die dergleichen nicht diplomatisch, sondern blutig vom Rücken eines Drachen erledigt.
Zum Militär zu gehen, für Land und Krone zu kämpfen und die Einwohner Navarres zu beschützen, hatte Shahar mal gewollt. Als Ehre hatte die jüngere Tochter der Adelsfamilie Cavall es gesehen und sich mit jeder Menge Ideale auf den Weg über den Viadukt in den Reiterquadranten gemacht, die geradezu ritterlich und edelmütig genannt werden konnten. Die letzten fünf Jahre haben davon jedoch fast alles zerstört und die Priorität von ‚es soll Menschen gut gehen‘ auf ‚sie sollen Ruhe halten‘ verlagert. Aufgrund ihrer Zuständigkeit für mehrere Staffeln des Südgeschwaders, die in Lewellen und Nymrith stationiert sind, scheint sie machtvolle Militärpositionen inne zu haben, doch die Hälfte aller Macht und aller Orden, die man Shahar seit Ende der Rebellion angeheftet hat, sind lediglich schöner Schein: Die Provinz Tyrrendor sollte möglichst nah an den König heranrücken und gezeigt werden, wie viel Vertrauen auch in die neue herzogliche Führung gesetzt wurde. Shahar ist ein Stückweit personifizierte Propaganda, die mit Verantwortung, Arbeit und Leid zwar konfrontiert wird, in deren Hintergrund aber noch ganz andere Kräfte am Werk sind. Diese bestehen ebenso aus offiziellen Beratern und guten Stellvertretern, wie auch Mitglieder der königlichen Verschwörung, deren Lügen auch Shahar auf den Leim geht: Auch sie glaubt, dass es bei der Rebellion in Tyrrendor um einen reinen Aufstand gegen den König, gegen den Krieg, gegen die Wehrpflicht ging. Darum, dass Tyrrendor den anderen Einwohnern Navarres die Unterstützung verweigern wollte, auf die man doch so dringend angewiesen ist; in Persona ebenso wie dadurch, dass Tyrrendor die Kornkammer des Reichs ist. Nichts weiß sie über die Veneni und alles, was damit noch zusammenhängt. Und selbst wenn sie es wüsste… Shahars Loyalität gegenüber der Königsfamilie ist in den letzten Jahren zwar gesunken, da sie sich mit den Problemen in Tyrrendor allein gelassen fühlt, doch sie würde nicht so weit gehen, dieser Königsfamilie und ihrem eigenen Land in den Rücken zu fallen. – Die Rebellion (oder ihre Reste, wie sie glaubt) sind definitiv auch Shahars persönliche Feinde. Dieser, nicht der Krone, lastet sie jeden Tod der letzten Jahre innerhalb von Tyrrendor an. Und jeden Moment, in dem ihre eigenen Kinder sie in den letzten Jahren zwar gesehen, mit ihr am gleichen Ort gelebt haben, gleichzeitig aber doch nichts von ihrer Mutter hatten.
31 Ingameposts | 09.02.2025, 17:16
Militär Navarre
gespielt von Berrie
43 Jahre
Diplomatin
Das Besteck ist gold, wie der Käfig, der dich die längste Zeit deines Lebens gefangen gehalten hat. Spürst die Streben, das kalte Metall, noch unter deinen Fingerspitzen, wenn du die Hand von dir streckst. Spürst das Feuer in dir, wie es Stück um Stück zu ersticken droht. Wie es leise in dir züngelt, bis nur noch eine Idee von Nereyda übrig bleibt. Euch fehlt der Sauerstoff, buchstäblich die Luft zum Atmen, der Wind unter den Flügeln, die euch – dich und die Version von dir, die du gern gewesen wärst, aber niemals erreichen wirst – aufsteigen lässt. Stattdessen bist du gefallen, immer wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt. Hast immer wieder die Hoffnung in dir keimen lassen, auszubrechen, mehr zu sein, als das Abbild deiner Schwester. Irgendwann hast du das Ideal verfolgt, eine eigene Identität zu schaffen. (D)Einen eigenen Wert zu bestimmen, der über den Namen, den du trägst und das Gesicht, das dir im Spiegel begegnet, hinausgeht. Chancen hattest du viele – und keine. Sind dir durch die Finger geronnen wie die Lügen, die sich alsbald um deine Gelenke spannten, weil die Wahrheit meist so viel berechenbarer, so viel langweiliger war als das, was hinter ihr lauerte. Du hast gelernt, die Grenzen deines Käfigs auszudehnen, hast dich gegen das Gold gestemmt, überall dort, wo es dir dienlich war; und hast die Privilegien genossen, die damit einhergingen. Gab kein Spiel, in das du nicht involviert warst, keine Veranstaltung, kein Netzwerken, das dir nicht in die Karten spielte. Dass du Existenzen zerstört hast, ist nur ein weiteres kleines Kreuz auf deiner langen Agenda, die die längste Zeit kein Ziel verfolgte, außer der Tristesse zu entfliehen, die dein Leben beschrieb. Erfüllung hast du gesucht und doch erst in den Worten eines Predigers gefunden. Religion selbst war dir nie fremd, hast oft genug in der Thalora zu den Göttern aufgesehen, gehofft und doch nie gebetet, dass sie dich irgendwann erhören würden. Sie haben auf sich warten lassen. Nie hättest du gedacht, heute selbst die Gewänder anzulegen, die dich als Mitglied der Orakyn kennzeichnen. Nie hättest du gedacht, empfänglich zu sein für religiöse Splittergruppen und doch sind sie längst mehr als das. Sie – du! – haben sich in die Herzen der tyrrischen Bevölkerung geschlichen. Sie – du! – haben mit Milde und Großzügigkeit die Tyrannei, Völlerei und Ohnmacht der eigenen Regierung ausgeglichen. Du, du, bist Teil von etwas Großem. Von etwas, das Wert hat. Ob der Glaube so tief in dir verankert liegt, wie andere deiner Gruppe, mag fraglich sein, doch dein Einfluss ist ohne jeden Zweifel Gold wert. Ein bedeutungsschwerer Name – auch heute, auch, nachdem du dich offiziell von ihnen losgesagt hast –, Geld, Macht und Einfluss sind dir auch nach der Konversion geblieben, wollte man sich nie so ganz von dir trennen, die Hoffnung nicht aufgeben, dass du eines Tages in diesen goldenen Käfig zurückkehren würdest. Du hingegen bist immer noch auf der Suche nach dir selbst und dem Wert, den du in dieser Welt hinterlassen kannst. Oder: dem Wert, den die Welt in dir hinterlassen kann, denn die Leere in dir schreit so laut, dass auch die besten Lügen, Intrigen und Geheimnisse sie nicht verstummen lassen kann.
14 Ingameposts | 08.02.2025, 15:40
Zivil Navarre
gespielt von Lini
40 Jahre
Reiter
Wenn man den Beginn deines Lebens betrachtet, hätte man wohl nie geglaubt, dass du auch nur annähernd so weit kommen würdest, wie du es bis jetzt geschafft hast. Deine Mutter war eine Frau die sich immer nur an den nächsten Mann hing, um irgendwie über die Runden zu kommen und es war wohl kaum verwunderlich, dass dabei auch Kinder entstanden. Neben dir gibt es noch deinen älteren Halbbruder Jacoby, der wohl der Einzige war, der sich wirklich um dein Wohlbefinden gekümmert hat. Dein leiblicher Vater war ein Reiter, der sich mit deiner Mutter ein paar Mal vergnügt hatte und der auch von dir wusste. Ein wenig finanziell hatte er deine Mutter unterstützt, mehr aber auch nicht. Somit hast du die ersten fünfzehn Jahre deines Lebens mit deiner Mutter und deinem Halbbruder verbracht, wobei du dich immer an deinem Bruder orientiert hast. Er war für dich dein sicherer Hafen dem du gefolgt bist und bei dem du dich wohl gefühlt hast.
Nach fünfzehn Jahren war deinem Vater eingefallen, dass er ja noch ein Kind hatte. Neben deinem großen Halbbruder hast du noch zwei jüngere Halbschwestern väterlicherseits. Für deinen Vater war klar, dass du ein Reiter werden würdest, für dich eigentlich nicht so. Es war nicht dein Traum von klein auf eines Tages Drachenreiter zu werden, da du auch gar nicht die Voraussetzungen hattest so ganz ohne Training, Vorbereitung oder dergleichen. Somit hattest du dich eigentlich in Gedanken dem Quadranten der Infanterie angeschlossen, aber dein Vater hatte andere Pläne. Da deine Mutter immer weniger dazu in der Lage war euch zu versorgen, hatte dein Vater dich zu sich genommen, um dich zu formen und dich auf den Reiterquadranten vorzubereiten. Mit aller Härte und Strenge die er aufbringen konnte. Du warst kein Kind für ihn, du warst ein Lehmklumpen den er zu einem Soldaten ausbildete und das mit aller Macht die ihm zur Verfügung stand. Fünf Jahre wurdest du von deinem Vater trainiert und auf den Reiterquadranten vorbereitet. Fünf Jahre in denen du deine Kindheit hinter dir lassen und erwachsen werden musstest, ob du wolltest oder nicht. Doch die fünf Jahre haben dich geprägt, haben dich stärker gemacht und dafür gesorgt, dass du sogar glaubtest, dass du es schaffen könntest. Dass du bereit warst, stark genug ein Reiter zu werden und deinen Vater stolz zu machen. Außerdem warst du gespannt darauf, ob dein Bruder, der ein Jahr vor dir in den Reiterquadranten eingetreten war, noch am Leben war und sogar einen Drachen hatte. Sehr zu deiner Freude lebte dein Bruder noch und hatte einen Drachen gebunden. Dein Bruder schien ebenso froh zu sein, dass du noch am Leben warst und den Viadukt überquert hattest. Anfangs schien er aber nicht aus der Rolle des großen Bruders zu kommen und öfters dafür zu sorgen, dass du nicht ernst genommen wurdest, weil er sich immer vor dich stellte. Du hattest ihm mehrmals verbal und schließlich auch nicht mehr verbal deutlich gemacht, dass du deinen eigenen Weg gehen musstest, um ernst genommen zu werden, um als Reiter Erfolg zu haben. Irgendwann sah dein Bruder es ein und ihr wart auf Augenhöhe. Eine ganze Weile, bis du dich weiter entwickelt hast und immer weiter voran gekommen bist durch deine Qualitäten. Du warst dafür gemacht zu führen und genau deshalb warst du auch als Junior Staffel- und als Senior Schwarmführer. Deine Siegelkraft machte dir etwas Probleme am Anfang, genauso wie dein Drache, der alles andere als freundlich oder erheiternd war. Aber mit der Zeit hast du gelernt mit beidem umzugehen und daran zu wachsen. Du wurdest zu einem exzellenten Reiter und Soldaten. Hast Befehle befolgt und dich bewiesen. Immer und immer wieder. Du hast eine Frau gefunden und ihr habt einen Sohn bekommen. Was warst du stolz auf deinen Nachwuchs und dir war klar, du würdest ihn eines Tages vorbereiten. Nicht zwingend darauf ein Reiter zu sein und auch nicht mit den Methoden die dein Vater benutzt hat - aber du würdest ihn vorbereiten sich durchzusetzen und stark zu sein. Doch so weit sollte es nicht kommen. Deine Familie wurde dir entrissen, auf grausame Art und Weise. Du kamst zu spät um sie zu retten und ihr Verlust hat eine tiefe Kerbe in deinem Herzen hinterlassen. Noch heute trägst du die Kette deiner Frau bei dir, sowie den kleinen Drachen aus Holz den du für deinen Sohn geschnitzt hattest. Erinnerungen die schwerer wiegen als ein Drache. Erinnerungen die dich in ein tiefes Loch gerissen haben, welches du emotional nie verlassen hast. Aber du hast weiter funktioniert. Als Reiter, als Soldat. Nach einem verheerenden Angriff und der Zerstörung des Außenpostens wurdest du nach Keldavi versetzt und befördert, bekamst die Staffelführung. Stolz machte sich in dir breit, gleichzeitig gab es neben deinem Bruder und deiner Mutter niemanden mehr groß, mit dem du das teilen konntest. Doch lange solltest du nicht in Keldavi sein, ehe der nächste Schlag dich zu Boden riss - im wahrsten Sinne des Wortes. Von einem Greifenschwarm - eigentlich eine Beleidigung. Du bist gestürzt, von deinem Drachen. Du hast gesehen, wie dein Drache schlingerte und zu Boden ging. Doch ihr habt überlebt. Schwer verletzt und nicht wissend, ob man euch durch bringt, aber es gelang. Ein Heilmacher rettete euch vor dem sicheren Tod. Doch die Narben am Körper und der Seele waren erneut tief. Ihr habt euch erholt, seid an euren alten Stützpunkt in Chakir zurück gekehrt und habt euch erneut hoch gekämpft. Ihr beide. Ein Team. Unzertrennlich. Selbst nicht durch ein Greifenschwarm. Eine Ehre war es für dich, als du schließlich zur Schwarmführung befördert wurdest, nachdem du dich erneut bewiesen hast. Gezeigt hast, dass du bereit bist bis zum Letzten zu kämpfen, für dein Königreich. Denn so arg viel mehr war dir nicht mehr geblieben. Du machst weiter. Jeden Tag. Mittlerweile ist das Lächeln auf deinen Zügen längst erstorben. Deine ganze Haltung distanziert, kalt und dennoch bist du für andere da, wenn es drauf ankommt. Besonders für deine Staffel, deinen Schwarm, deinen Bruder und, auch wenn es oftmals nicht so wirkt, deine Mutter. Trotz allem ist sie ja dennoch deine Mutter und hat ihr Möglichstes getan, was leider nicht viel war.
25 Ingameposts | 17.05.2025, 21:15
Militär Navarre
gespielt von Lia
20 Jahre
Reiterin
Mama streicht dir über's Haar – « Du riechst nach Sonne. », sagt sie immer, und du trägst die Sonne auch in dir. Egal, durch welche Tür du gehst, der Raum dahinter wird ein bisschen heller und wärmer, und du steckst an. Mit einem Lächeln, das auf deinen Lippen noch nie gestorben ist, und der hellen, freundlichen Stimme. Das laute « Hallo », das du nie zurückhalten kannst, und das in die Arme fallen deiner Freunde. «Du hast noch nie geweint», sagt Papa und schüttelt dabei lachend den Kopf. Du grinst so breit und hebst die Arme hoch, zeigst, wie stark du bist, und prustest los.
Am Esstisch am Abend lachen sie alle mit dir mit. « Das ist ansteckend. », sagt Osyar, und du siehst, wie er versucht, das kleine Schmunzeln in den Mundwinkeln zu verbergen. Wie er sich beherrschen will und die Fäuste unter dem Tisch auf seinen Knien über die Hose reibt. Innerlich zählst du fünf, vier, drei, zwei – dann piekst du ihm in den Bauch und er bricht ein. Die strenge Miene wird ein Lachen, und das wird mit jeder Sekunde ein bisschen breiter. Abends im Bett wird es ein bisschen stiller, ein bisschen ruhiger auch um dich. Da wird das Herz langsamer, das Lächeln verblasst, aber man sieht die Sonne noch immer in deinen Augen. Nyarume riecht für dich nach Nacht – nach Ruhe und nach Sternen. Ein bisschen nach dem Mond, und wenn ihr euch mit den Köpfen ans Fenster legt, könnt ihr sehen, wie der Himmel und die Welt ein wenig erleuchtet werden. Als wäre er eine schüchterne Sonne, ein bisschen weniger intensiv, ein bisschen weniger viel. (Ein bisschen weniger wie du.) Was du heute keinem sagst: Du hast geweint. An dem Tag bevor du die ersten Schritte auf dem Viadukt gemacht hast (und so viel Angst gehabt hast), aber das hast du dir vor keinem anmerken lassen. Da ist noch immer dieses Lachen auf deinen Lippen, ein paar Sonnenstrahlen im Gesicht, die gegen den Regen und Nebel gekämpft haben. Die jedem Stolperstein und jedem, der Reiter werden will und dich angesehen hat, wegen diesem Mal getrotzt haben. Du hast dir selber auf die Schulter geklopft, in deinem Kopf ein « Du kannst das. Du. Kannst. Das. », und dann hast du das gemacht. Viel zu klein, ein bisschen zu viel und viel zu schwach. Und trotzdem hast du’s genau hierhin geschafft – über den Viadukt. Was du auch keinem sagst. Du vergisst (du versucht zu vergessen) welche Seiten Lior in deinem Buch deines Lebens beschriftet hat. Was er zu dir gesagt hat (und wie dich das geprägt hat). Du willst manchmal weinen, aber dann kannst du nicht. Und du hast Angst vor dem Dreschen. Du hast Angst, dass deine Schwester und dein Bruder eine zweite Sonne verlieren, nachdem die erste nie mehr aufgehen wird. Für beide willst du weiter brennen; scheinen; hell sein. Was du niemals laut sagen wirst. Du bist stolz. Stolz auf deine Eltern und das, wofür sie standen und das, was sie gemacht haben. Der Stolz frisst sich durch deinen ganzen Körper, vermischt sich mit der Trauer und der Angst. In dir drin ein ganzes Chaos an Gefühlen; viele lose Schnüre an denen du so doll festhälst. So vieles, was du dich nicht traust zu sagen und so vieles, was du dich nichtmal traust mit deinen Geschwistern zu teilen. Die Gedanken an deine Eltern. An Familie und die letzten Reste (von euch und dir), die euch (und dir) geblieben sind.
8 Ingameposts | 22.09.2025, 21:36
Basgiath War College
gespielt von lia
23 Jahre
Reiter
Unter deinen nackten Füßen auf dem rauen Holz spürst du jede deiner Gewichtsverlagerungen – das sanfte vor und zurückwippen, wie du dich mit deinen kleinen Fingern an der Fensterbank festhältst und mit deiner Nasenspitze grade so über den Fensterrahmen schauen kannst und wartest. Du wartest schon den ganzen Tag, du bist grade einmal sechs Jahre alt und wartest jeden Tag das Papa nachhause kommt. Ohne dass du genau das Gesicht unter dem schweren Reiterleder erkennen kannst, siehst du am Gang, dass er es ist und springst zur Tür. Dann passiert ein Ablauf aus Dingen, die sich seit deiner Geburt anfühlen als seien sie in Stein gemeißelt.
Tür geht auf; Papa kommt rein. Schwere Stiefel auf dem knarzenden Boden, dann fällt die Tür ins Schloss und du siehst seinen Rücken, bis er sich umdreht. Die Lippen mürrig verzogen zieht er sich die Stiefel von den Schuhen und dann (erst dann) schaut er dich an. Du schaust hoch (wie immer) und er lächelt schwach, dann geht er in die Hocke und breitet die Arme aus, du fällst hinein und lässt dich von ihm tragen und denkst dir dass sich Fliegen auf einem Drachen genauso anfühlen muss (nur eben noch viel größer und höher). Heute ist eben so viel größer und höher; heute schaust du nicht mehr mit deiner Nasenspitze über die Fensterbank auf verschneite Wege und wartest. Heute sitzt du auf 8.74 meterhoher roter Wut, spürst den Wind der dir ins Gesicht schneidet und Leder dass sich in deine Haut frisst. Alles was an den kleinen Jungen, der auf Zehenspitzen stehend am Fenster auf Papa wartet, erinnert, ist der Siegelring an deinem Finger und der Name, den du mit ganz schön viel (viel zu viel) Stolz trägst und damit, und der ganzen Wut in deinem Bauch, Schneisen in Basgiath schlägst, die vor allem die zu spüren bekommen, denen du vor lauter Hass nicht mal ins Gesicht schauen kannst. Keine Freunde; aber Feinde. In jedem Gesicht der Gezeichneten siehst du die letzten Erinnerungen an deinen toten, kleinen Bruder und du willst sie alle brennen sehen.
13 Ingameposts | 22.06.2025, 20:31
Basgiath War College
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